Kunstsammler im Auftrag des Landes zeigen ihre Auswahl

Anne Zühlke und Simeon Brugger sind die Kunstankäufer des Landes. Eine neue Ausstellung im Feldkircher Palais Liechtenstein zeigt, was sie in einem Jahr gesammelt haben.
In einem Büro eines Landespolitikers könnte bald ein Motorrad zur Schau stehen. Denn unter den neuen Kunstankäufen des Landes befindet sich die aus besagtem Zweirad bestehende Skulptur „Rabbit“ von Hubert Dobler.

Der Erwerb von Kunst dient aber nur nebensächlich der Dekoration öffentlicher Einrichtungen oder wie böse Zungen behaupten, der Verbannung ins Archiv. Vor allem sollen sie der Öffentlichkeit für gegenwärtige und zukünftige Ausstellungen bereitstehen, wie die Kunsthistorikerin Anne Zühlke (34) berichtet. Gemeinsam mit dem Architekten Simeon Brugger (34) wurde sie 2025 vom Land berufen, die Kunstankäufe für drei Jahre durchzuführen. In dieser Funktion ergänzen sie die landeseigenen Sammlung von Kirchenschätzen, Relikten aus Kunsthandwerk und Folklore mit Kunstwerken, die laut Zühlke „zu Artefakten mit zeitgeschichtlich relevanter Zeugniskraft werden und damit eine Doppelfunktion erfüllen.“
Die Aufgabe verlangt hohe Expertise, Entdeckergeist und die Fähigkeit, den Wert von Werken jenseits des eigenen Geschmacks zu erkennen. Während die ostdeutsche Zühlke sich als Kuratorin der Lustenauer Gemeindegalerie Dock20 einen Namen machte, ist der aus Klaus stammende Brugger als Galerist tätig. Künstler können sich bei ihnen aktiv um eine Aufnahme bewerben, wobei die Einkäufer auch eigenen Vorschlägen nachgehen können.
Im vergangenen Jahr wurden elf Positionen aus rund 40 Ansuchen ausgewählt, die jetzt vom 6. Februar bis zum 4. April im Feldkircher Palais Liechtenstein ausgestellt sind.

Konkret handelt es sich um Werke der Künstler Franz Amann, Hubert Dobler, Katharina Fitz, Marbod Fritsch, Michaela Kessler, Christoph Lissy, Paul Mittler, Sabine Morgenstern, David Murray, Klara Vith und dem Duo Wiener Times.
Besuchen, studieren und dokumentieren
Die eigentliche Arbeit beginnt jedoch lange vor der formalen Entscheidung über einen Ankauf. Atelierbesuche, das Studium früherer Werkphasen und ausführliche Gespräche über Materialien, Herstellungsprozesse und Haltbarkeit bilden die Grundlage. Es gehe darum, so Brugger, „zu verstehen, was ein Werk tragen kann und was es braucht, um langfristig lesbar zu bleiben“. Mit den Künstlern werde auch besprochen, ob Veränderungen Teil des Konzepts sind und wie sich ein Objekt künftig präsentieren lässt.

„Wir fragen sie immer, welche Arbeiten sie in der Sammlung sehen wollen und warum. Es ist die grundsätzliche Idee, dass die Arbeiten dieser Personen am Ende ihrer künstlerischen Laufbahn in einer kleinen, aber repräsentativen Retrospektive gezeigt werden können. Daher suchen wir nach Schlüsselwerken“, erläutert Brugger.
Ihnen steht dabei ein Budget von 180.000 Euro zur Verfügung, wobei nur ein Teil davon direkt an die Künstler überwiesen wird. „Der Betrag deckt Rahmung, Transport und eventuelle restauratorische Maßnahmen“, führt der Klauser fort.
An den Arbeiten der aus Dornbirn stammenden Kessler lässt sich dieser Umstand leicht veranschaulichen. „Mit ihren Kugelschreiber-Zeichnungen sticht sie aktuell stark hervor. Es gibt nur wenige, die Zeichnungen so malerisch-räumlich denken wie sie“, schwärmt Zühlke von der Künstlerin, deren Werke aufgrund der Farbwahl äußerst lichtempfindlich sind und daher langfristig verblassen könnte. Während Kessler ihre großflächigen Arbeiten bevorzugt pragmatisch mit Magneten aufhängt, mussten für die Aufnahme in die Sammlung Verglasungen angekauft werden. Sie dämmen den Verfall der Zeichnungen und sei laut Ankäufer ähnlich teuer wie das Werk selbst.

Lücken schließen
Neben Beiträgen aufstrebender Künstler wie Kessler, Vith oder Mittler werden bewusst Werke gekauft, die bestehende Lücken im Archiv schließen sollen. Fritsch, bekannt für Rauminstallationen und Skulpturen, ist mit Schlangen-Bildern und einer dem gleichen Motiv folgenden, aufblasbaren Installation vertreten. Die Auswahl unterstreicht die Breite seines Schaffens und zeigt, so Brugger: „Die Bedeutung des Mediums Zeichnung als Ausgangspunkt seiner künstlerischen Arbeit.“ Deswegen ist auch Dobler nicht durch seine mit dem Motorrad gemalten Bilder vertreten. Vielmehr wurden Arbeiten ausgewählt, die den Weg zu seiner aktuellen Schaffensphase leuchten.

Wie technisch herausfordernd die Arbeit an der Sammlung sein kann, weiß Franziska Wicke-Bergmann, Restauratorin im Vorarlberger Landesmuseum. Sie rekonstruierte Lissys „Skulptur mit Lamellenfigur“ (1996/97), die sich zuvor in Einzelteilen zerlegt im früheren Wohnhaus und Atelier des Hörbranzer Künstlers befand. „Sie ist eine Tonne und sechseinhalb Kilogramm schwer. Einzelne Elemente können nur von mehreren Leuten getragen werden“, schildert die Restauratorin. Da sich der Künstler aufgrund fortgeschrittenen Alters in einem Pflegeheim befindet, wurde das Werk mithilfe seines Sohnes, Dokumenten die den Arbeitsvorgang wiedergeben und älteren Fotografien zusammengesetzt.
Große Vielfalt
Angesprochen auf die Frage, ob sie im ersten Jahr als Ankäuferin von etwas überrascht wurde, antwortet Zühlke: „Obwohl ich wusste, wie breit die Vorarlberger Kunst- und Kulturszene aufgestellt ist, war ich trotzdem überrascht, wie divers sie ist. In Vorarlberg wird inhaltlich wie auch formell sehr unterschiedlich gearbeitet, wobei viele Künstler ohne Kontakt zur weiteren Szene tätig sind.“
Die Ausstellung „Kunstankäufe Land Vorarlberg 2025“ bietet daher eine ideale Gelegenheit, in das weite Spektrum der hiesigen Kunstlandschaft einzutauchen. Da sich die Schau einzig dem Anlass als Thema widmet, werden die gezeigten Arbeiten voraussichtlich nie wieder in dieser Konstellation zu sehen sein.