Kultur

Liebe ist nicht käuflich: Ibsen im Landestheater

25.02.2026 • 18:15 Uhr
Frau vom Meer
„Der Fremde“ (Fend) kehrt in Ellidas (Huber) Leben zurück. KÖHLER(4)

Das Landestheater zeigt Ibsens Klassiker „Die Frau vom Meer“ als aufwühlende Studie über Sehnsucht und Selbstbestimmung.

„Die Liebe kann nicht hergestellt und nicht verkauft werden. Das aber ist in einer Welt des Machens und Verkaufens phantastisch“, schrieb der 2023 verstorbene Pionier der Sexualmedizin, Volkmar Sigusch, über die Sonderstellung der Liebe im Kapitalismus.

Eine Beobachtung, wie sie auch der norwegische Autor Henrik Ibsen in seinem 1888 verfassten Stück „Die Frau vom Meer“ vermittelt. Das tiefschürfende Psychogramm des Begehrens gilt als proto-feministischer Klassiker und ist seit dem 21. Februar im Vorarlberger Landestheater zu sehen.

Es brodelt unter der Idylle

Die Handlung spielt in einer norwegischen Küstenkleinstadt. Ellida (Maria Lisa Huber), Tochter eines Leuchtturmwärters, lebt mit ihrem Mann Dr. Wangel (Elias Baumann) und dessen Kindern Hilde (Luzian Hirzel) und Bolette (Isabella Campestrini) aus erster Ehe in geordneten Verhältnissen. Auf den ersten Blick wirkt alles ruhig, beinahe behütet.

Frau vom Meer
Bolette (Campestrini) und ihr Lehrer Arnholm (Hirzel).

Doch unter der Oberfläche gärt es. In Ellida arbeitet ein kaum greifbares Leid. Sie findet keinen Zugang zu ihrer Rolle als Stiefmutter, keine Verbindung zu den Kindern, keine innere Heimat. Stattdessen zieht es sie mit beinahe körperlicher Sehnsucht zum Meer. Ihr deutlich älterer Ehemann spürt ihre Unruhe, bleibt jedoch in seiner augenscheinlichen Fürsorge gefangen.

Frau vom Meer
Dr. Wangel (Baumann) vor seiner verzweifelten Frau.

Die Höflichkeit hat Risse

Auch die Besucher des Hauses tragen wenig zur Befreiung bei. Der Lehrer Arnholm (ebenfalls Luzian Hirzel) und der angehende Künstler Lyngstrand (Nurettin Kalfa) geben sich kultiviert, entlarven sich jedoch als Vertreter eines Denkens, das weibliche Selbstbestimmung bestenfalls als Kuriosum kennt. Ihre Höflichkeit hat Risse.

Frau vom Meer
Künstler Lyngstrand (Kalfa) ist so charmant wie rücksichtslos.

In diese fragile Ordnung platzt schließlich „Der Fremde“ (Tobias Fend), ein amerikanischer Seemann aus Ellidas Vergangenheit. Mit ihm kehrt das Verdrängte zurück, das Ungelebte, das Unabgeschlossene.

Huber zeichnet Ellidas Zerrissenheit mit kontrollierter Intensität. Ihr Spiel bleibt klar und stets unter Spannung. Campestrini verleiht Bolette eine tragische Entschlossenheit. Hirzel überzeugt in seiner Doppelrolle als Lehrer und Tochter mit feiner Ironie und schneidender Präsenz. Kalfa setzt virtuose Pointen, indem er die bornierten Ansichten seiner Figur mit beinahe kindlicher Naivität vorträgt. Baumann verleiht Dr. Wangel Erdung und Gravität, während Fend als Fremder weniger konkrete Figur als Projektion wirkt, als erotischer Möglichkeitsraum und zugleich als bedrohliche Erinnerung.

Regisseurin Danielle Fend-Strahm (Café Fuerte) hat „Die Frau vom Meer“ überzeugend klassisch inszeniert. Auch das Zusammenspiel des Landestheater-Ensembles (Huber, Hirzel, Campestrini, Kalfa) mit Gastschauspieler Baumann und den Fuerte-Vertretern Fend, Moritz Widrig (Musik) und Fend-Strahm lässt hoffen, dass noch weitere Kooperationen folgen werden.

„Die Frau vom Meer“ kann noch am 27. Februar, dem 2. und 3. März wie auch am 3. und 15. Mai besucht werden.