Auch das Vorübergehen wird einmal vorübergehen

Mit „Tattarrattat“ und „This Too Shall Pass“ lädt Künstler Thomas „tOmi“ Scheiderbauer zu einer poetisch-spielerischen Reflexion über Raum und Zeit.
Die Zeit klopft ans Bewusstsein der Passanten, wenn sie die neuen Arbeiten des Künstlers Thomas „tOmi“ Scheiderbauer in Feldkirch erblicken.
Sie sind in der Kunstbox am Jahnplatz und der James-Joyce-Passage ausgestellt und vordergründig mit ihren Titeln „Tattarrattat“, „This Too Shall Pass“ identisch.
Als der in Vorarlberg und Italien lebende Foto-, Grafik- und Kontextkünstler von Kurator Arno Egger zur Gestaltung eingeladen wurde, war ihm sofort klar, dass er ein sprachbezogenes Werk mit Bezug zum irischen Autor James Joyce (1882 – 1941) beisteuern möchte.

Richtungslos in Richtung Bahnhof
Fasziniert von der Richtungslosigkeit der Box, die primär aus Fenstern besteht, fragte er sich, ob es etwas verbales gibt, das von allen Seiten gleichermaßen funktioniert.
So begann ein Spiel mit Palindromen. „Das erste, dass mir einfiel, war „Esel“ beziehungsweise „Lese“. Das gefiel mir, weil es den ganzen Raum hätte einnehmen können, aber die Aussage war sehr plump“, verrät Scheiderbauer von seinem kreativen Prozess.

Dann regte sich in ihm die Erinnerung an einen Moment aus dem Joyce-Roman „Ulysses“ (1922), in dem das behutsame Klopfen an einer Tür durch das lautmalerische Kunstwort „Tattarrattat“ beschrieben wird.
„Ein reiner Fensterraum mit einer Tür, in dem ein großes, leises Klopfen steht, das erschien mir wie ein Geschenk des Himmels“, schwärmt der Künstler.
Flüchtig und Massiv
Die Arbeit kann als Meditation oder Kommentar über die Zeitlichkeit gelesen werden. „Die Idee der Zeit können wir nur denken, dass es auch das Ewige gibt. Und was drückt das in einer Sprache besser aus, als ein Wort ohne richtige Richtung?“ Ein Spiel der Gegensätze, das sich auch im Material widerspiegelt: Die Buchstaben bestehen aus massivem Holz, verweisen aber gleichzeitig auf die Flüchtigkeit des Klopfens.

Die vier Bilder in der sich wenige Meter öffnenden Passage kennen nur eine Richtung: nach vorne. Dort strahlen die Worte „This Too Shall Pass“ im Kontrast von Komplementärfarben durch den dunklen Gang. Vordergründig vermitteln sie einen fröhlichen Eindruck. „Sie rufen uns in Erinnerung, dass nichts von Dauer ist. In Zeiten, in denen schlechte Nachrichten in Dauerschleife laufen, tut das gut. Dabei klopft aber wieder leise das Gegenwort an: Wie kann diese Aussage richtig sein, wenn alles vergänglich ist? Diese Aussage kann nur wahr sein, wenn sie es nicht ist. Der Schmäh ist, dass der Satz einem in der Passage sagt, dass das Vorbeigehen auch vorübergehen wird.“
Die Arbeiten können laut Kurator Egger noch bis voraussichtlich 14. Juni besichtigt werden.