Kultur

Warum die Freistellung von Stephanie Gräve das Landestheater nun in eine heikle Lage bringt

19.05.2026 • 13:31 Uhr
Warum die Freistellung von Stephanie Gräve das Landestheater nun in eine heikle Lage bringt
Kurz vor der neuen Spielzeit herrscht am Landestheater große Unsicherheit.Stiplovsek

Die Intendantin des Vorarlberger Landestheaters, Stephanie Gräve, wurde mit sofortiger Wirkung freigestellt.

Die überraschende Freistellung von Stephanie Gräve hat das Vorarlberger Landestheater in einer entscheidenden Phase getroffen. Hinter den Kulissen läuft inzwischen ein Konflikt, der weit über Personalfragen hinausgeht.

Am Vorarlberger Landestheater herrscht nach der überraschenden Freistellung von Intendantin Stephanie Gräve große Unsicherheit. Wie Mitarbeiter berichten, informierte KUGES-Geschäftsführerin Monika Wagner heute das Ensemble und die Belegschaft darüber, dass Gräve „mit sofortiger Wirkung“ freigestellt wurde.

Angeklagte als Ansprechpartnerin

Wie es organisatorisch weitergeht, sei derzeit noch unklar. Laut Teilnehmern des Treffens erklärte Wagner, dass viele Entscheidungen bislang täglich von Gräve getroffen worden seien. Bis auf Weiteres fungiere nun sie selbst als Ansprechpartnerin für offene Fragen. Besonders brisant: Die kommende Spielzeit steht unmittelbar bevor, Folder und Programmankündigungen müssten bald veröffentlicht werden.

Anzeige wegen Dokumentenfälschung

Als Grund für die Freistellung wurde laut Mitarbeitern genannt, dass der Aufsichtsrat eine weitere Zusammenarbeit derzeit „nicht für vertretbar“ halte. Hintergrund sei eine von Stephanie Gräve eingebrachte Anzeige gegen Monika Wagner wegen mutmaßlicher Dokumentenfälschung. Solange die Ermittlungen laufen, bleibe Gräve freigestellt.

KUGES-Aufsichtsratsvertreterin Claudia Voit sagte laut APA, Wagner habe „nach bestem Wissen und Gewissen gehandelt“. Wagner selbst sprach von einem „unbeabsichtigten administrativen Fehler“. Hätte sie früher von dem Problem erfahren, wäre dieses aus ihrer Sicht rasch und unkompliziert lösbar gewesen. Demnach schenkt der KUGES-Aufsichtsrat in der aktuellen Situation offenbar der Darstellung Wagners mehr Glauben; ihr wurde ausdrücklich das Vertrauen ausgesprochen.

Im internen Gespräch sei zudem erwähnt worden, dass es im Theaterbetrieb üblich sei, Unterschriften für Vertragsangelegenheiten einzuholen beziehungsweise zu verwenden. Der KUGES-Aufsichtsrat schenke in der aktuellen Situation offenbar der Darstellung von Wagner mehr Glauben.

Zerrüttetes Verhältnis seit März

Das Verhältnis zwischen Gräve und der KUGES galt spätestens seit März als zerrüttet. Damals wurde bekannt, dass Gräves Vertrag nicht verlängert werden soll. Begründet wurde dies damit, dass „ein guter Zeitpunkt für neue Impulse“ gekommen sei. Die 1968 geborene Deutsche, die die Theateragenden in Bregenz im August 2018 übernommen hatte, hätte bis 2030 weitermachen wollen.

Die Entscheidung hatte in der Vorarlberger Kulturszene für Irritation und Kritik gesorgt. Auch Intendantinnen und Intendanten österreichischer Landes- und Städtetheater zeigten sich enttäuscht und kritisierten insbesondere die Art der Kommunikation. Weitere Erklärungen der Verantwortlichen führten laut APA nicht zu einer Beruhigung, sondern verschärften die Situation zusätzlich.

Beobachter sehen laut APA unter anderem Gräves Einsatz für eine ausreichend dotierte Sanierung des Kornmarkttheaters, eine bessere Finanzierung und den Erhalt der künstlerischen Möglichkeiten des Hauses als Hintergrund für die Nichtverlängerung.