Der Mann, der Holzingers Glocke im Bodensee versenkte

Stefan Ganahl (57), Chefpilot von Wucher Helicopter, über seinen Einsatz bei der „Bodensee Étude“.
Stefan Ganahl hat die Glocke bei Florentina Holzingers „Bodensee Étude“ nicht als Spektakel verstanden. Zumindest nicht aus Pilotensicht. „Für mich war es ein ganz normaler Transport“, bekräftigt der Wucher-Pilot. „Nur dass jetzt halt eine Glocke dranhängt und nicht ein Betonkübel oder ein Lawinenverbau.“
Ziellandung mit Luftfracht
Ganz gewöhnlich war der Einsatz dennoch nicht. Die Fracht wog rund 1400 Kilo. Geflogen wurde sie an einem 32 Meter langen Seil. Unten hing eine elektrische Klinke. Ganahl konnte sie per Knopfdruck lösen. Das Ziel war eine Boje im Wasser.

Vorab habe es Gespräche mit den Künstlern und dem Kunsthaus gegeben. Nicht alles war machbar. „Dass jemand auf der Glocke sitzt“ oder Menschen als Außenlast geflogen werden, sei für das Luftfahrtunternehmen nicht möglich gewesen. Auch ein echtes Glockengeräusch durch Pendeln konnte der Pilot nicht versprechen. Was er konnte: Die Glocke sichtbar schwingen lassen.
Vor allem der Flug über den Bodensee sei schwierig gewesen. „Das glitzernde Wasser macht es einem Piloten nicht ganz einfach.“ Dazu kamen die vielen Zuschauer. „Da schauen nicht vier Leute zu, sondern 3000 Leute.“
Nach dem Abwurf musste er wieder rasch verschwinden. „Das Hubschraubergeräusch darf nicht bleiben, die Show geht weiter.“

Was danach geschah, sah der Pilot erst auf Fotos. „Ich weiß immer noch nicht, wie die im Wasser Luft gekriegt haben“, zeigt sich Ganahl verblüfft.

Kleines Geheimnis mit Gewicht
Er weiß aber von einem anderen Geheimnis zu berichten: „Es waren zwei Glocken im Einsatz.“ So wurde Holzinger an einer vorab versenkten, vorbereiteten Glocke nach oben gezogen. Die abgeworfene wurde laut Ganahl in den Stunden nach der einmaligen Aufführung von einem Kran gesichert.

Routine
Für den Piloten blieb der Einsatz dennoch Routine auf hohem Niveau. Seit 28 Jahren fliegt er für Wucher, seit 25 Jahren ist er Chefpilot. Spektakel sei das vor allem für das Publikum gewesen. Für den 57-Jährigen zählt vor allem: „Dass da natürlich gar nichts daneben geht.“