Wo man in Feldkirch noch Krach machen kann

Wolfram Reiter, Fuad Buaita und Felix Sauermoser zeigten im Antiquariat Chybulski, wie lebendig Vorarlbergs experimenteller Untergrund noch ist.
Während sich die Hochkultur zunehmend im Stadtzentrum breit macht und so die Subkultur immer weiter an den Rand gedrängt wird, bieten allein Hinterhöfe noch städtisch-subversives Potenzial. So auch am 11. Juli im Antiquariat Chybulski in Feldkirch, einer der letzten Vorarlberger Bastionen niederschwelliger Avantgarde als Gegenpol zu subventionierten Spektakeln. Drei Generationen von experimentellen Musikern bespielten den Abend mit selbstgebauten Instrumenten, DIY-Elektronik und Synthesizern und ließen es im wahrsten Sinne des Wortes krachen.

Den Anfang machte Wolfram Reiter, der schon Mitte der 1990er-Jahre inspiriert von einem zufällig besuchten Wien-Konzert der japanischen Noise-Pioniere Masami Akita und Haino Keiji begann, mit selbstgebauten Instrumenten Klangforschung zu betreiben. Eher auf Dynamik als auf Lautstärke fokussiert, aber keineswegs altersmilde, erkundete der Musiker die Klanglandschaft seiner selbstgebauten Gitarre. Genreübergreifend zwischen Country und Metal arbeitend blickt Reiter schon auf 30 Jahre Musikschaffen zurück, verpflichtet sich aber immer noch der Suche nach dem Neuen.
Keine Rücksicht für das eigene Gehör
Dass sich die Vertreter jüngeren Generationen, Fuad Buaita und Felix Sauermoser, noch keine Sorgen um ihr Gehör machen, gingen sie am zweiten Teil des Abends mit der Lautstärke an die Grenzen des Möglichen und sorgten so für einen kathartischen Abschluss.
Der aus der Ukraine stammende und mittlerweile in Schwarzenberg lebende Buaita (Jahrgang 2004) die von ihm mit enormer Dringlichkeit vorgetragen Texte nach dem Konzert bewusst beiläufig an das Publikum verteilte, rundete den Abend zusätzlich in poetischer Form ab. Kennengelernt haben sich alle Musiker auf verschlungenen Wegen mit selbst kopierten Kassetten und Underground-Plattenläden.

Auf die Frage, warum er diese Art von Musik überhaut macht, antwortete Sauermoser lapidar: „Weil es jeder kann, aber niemand macht“.

Die nächste Gelegenheit Buaita zu hören ist übrigens am 19. September im Between in Bregenz.
Albert Allgaier