Kultur

Bezau dreht den Sound auf

04.08.2026 • 18:02 Uhr
Bezau Beatz
Das Festival findet heuer in seiner 19. Auflage statt. Bezau Beatz

Von 6. bis 9. August zieht Bezau Beatz durch die Gemeinde. Kurator Alfred Vogel setzt auf Musik, die nicht stehen bleibt, sondern Räume und Ohren öffnet.

Bezau Beatz ist kein Festival, bei dem man vor einer Bühne stehen bleibt. Man geht weiter, von Location zu Location und wird mit jedem Stopp eine Erfahrung reicher. So auch heuer, wenn die Festlichkeiten vom 6. bis zum 9. August über die Bühnen der Bregenzerwälder Gemeinde ziehen.

Alfred Vogel
Alfred Vogel. Marx

Schlagzeuger Alfred Vogel, Kopf und Kurator der heuer zum 19. Mal stattfindenden Bezau Beatz, beschreibt diese Bewegung als übergreifendes Motiv: „Wir veranstalten Musik, die wirklich nach vorne geht.“ Gemeint ist zeitgenössischer Jazz, improvisierte Musik, Grenzgänger des Sounds. Also Klänge, die nicht auf Wiedererkennen setzen, sondern auf den Moment. „Wichtig ist einfach, dass man mit einer offenen Geisteshaltung daherkommt.“

Bezau Beatz
Bezau Beatz

Kirche, Klub und Kunstschmiede

Jeder Raum bekommt seine eigene Aufgabe, die hier ohne Anspruch auf Vollständigkeit kurz beleuchtet wird: Im Subbwayz, dem Keller des Hotel Post, passt Meat.Karaoke.Quality.Time. mit seiner experimentellen Wucht zum Underground-Charakter. Das Zucker-Gyárfás Duo wird die Hotellobby der Post in einen Clubraum voll schräger Energie verwandeln. Die Remise wiederum trägt mit Kalle Kalima Detours feat. Leo Genovese und Christian Lillinger eine größere, kraftvolle Formation. In der Kirche Reuthe spielen die Holzblas-Virtuosen vom Littorina Saxophone Trio. „Die Raumakustik ist natürlich ausgezeichnet“, versichert Vogel. Oben auf der Bergstation Baumgarten laden Florian King und Studierende der Musikhochschule Feldkirch zum mittäglichen Jäzzspätzle. Und in der Kunstschmiede Figer rückt das Trio José Lencastre, João Hasselberg und Kresten Osgood nahe an jene konzentrierte Werkstattatmosphäre, in der man den Klängen fast beim Entstehen zusieht.

Bergstation Baumgarten
Bergstation Baumgarten. Ehm

Kleines Team

Mit mindestens einer Stunde Pause zwischen vielen Konzerten bleibe genug Zeit, um von einem Ort zum nächsten zu kommen, zu verdauen, das Erlebte zu reflektieren. Vogel, Produktionsleiter Valentin Schuster, einige freiwillige Helping Hands und das Unternehmernetzwerk Witus bilden dafür eine überschaubare Struktur. „Über den Daumen gepeilt sind wir um die zehn Leute.“ Gerade diese Größe will der Kurator bewahren. Im besten Fall rechne man mit 250 bis 300 Besucherinnen und Besuchern am Abend. „Das ist eine gesunde, gute Größe, die mir Spaß macht.“

Bezau Beatz
Bezau Beatz

Was im Jazz nicht möglich ist

Dass Bezau Beatz dennoch wächst, zeigt der Vorverkauf. Bei den Festivalpässen gebe es heuer eine Steigerung von rund 15 Prozent. „Das freut mich brutal“, strahlt Vogel. Es seien Menschen, „die sich wirklich diesen Konzertmarathon das ganze Wochenende geben“. Wer kommt, müsse nicht alle Namen kennen. Im Jazz sei das ohnehin unmöglich. Entscheidend sei das Live-Erlebnis. „Du siehst, wie die Musiker die Sounds produzieren, was für Gesichter, was für Gesten dazugehören.“

Bezau Beatz
Bezau Beatz

Für Vogel liegt genau darin die Kraft dieser Musik. Improvisation sei eine der letzten Kunstformen, die „radikal ehrlich“ seien. „Es passiert einfach im Moment und dann ist es weg.“ In einer von Playlists, Streaming und zunehmend KI-generierten Klängen dominierten Kultur bietet Bezau Beatz die immer seltener werdende Möglichkeit, doch noch einmal überrascht zu werden.

SAV