Kultur

Schubert in feinster Ausleuchtung

25.08.2026 • 12:27 Uhr
Schubertaide Konzert
Pianist David Fray und Sängerin Christiane Karg (Sopran). Schubertiade

In Schwarzenberg zeigte die Schubertiade erneut, warum ihre Konzerte als besonderer Gewinn gelten: Christiane Karg, David Fray und Elisabeth Leonskaja formten Abende voller Spannung, Harmonie und feiner Zwischentöne.

Die August-Schubertiade in Schwarzenberg hat am Freitag mit einem Klavierabend des Franzosen David Fray begonnen und wurde am Samstag mit einem Kammermusikprogramm mit Elisabeth Leonskaja und dem belgischen Quatuor Danel fortgesetzt. Am Sonntag präsentierten sich beide nochmals, David Fray als feinsinniger Liedpianist an der Seite von Christiane Karg, Elisabeth Leonskaja mit einem anspruchsvollen Soloprogramm.

Schubertaide Konzert
Schubertiade

„Leichenfantasie“ und „Elysium“

Christiane Karg berührt seit ihrem Schubertiadedebüt im Jahr 2010 immer wieder mit ihrer feinen, innig aufblühenden Stimme, ihrer Linienführung, dem schimmernden Piano und nicht zuletzt ihrer Ausstrahlung. Für dieses Recital hatte sie Schubert-Lieder nach Texten von Friedrich Schiller ausgewählt, zum Teil in etwas weniger bekannten Fassungen. Wieder konnte man staunen, dass sich der junge Schubert bereits als 14-jähriger Konviktszögling von einem schauerlichen Text wie der „Leichenfantasie“ hat anregen lassen und die starken Wortbilder in jugendlich frische Deklamation und bildhafte Klavierfiguren mit Spannungsklängen und Tremolo umgewandelt hat. Christiane Karg verströmt sich in mühelosen leuchtenden Bögen, unterstrichen von dezenter Gestik, verband selige Heiterkeit mit zartem Schwingen. In einem dramatischen Text wie „Elysium“ oder der erwähnten „Leichenfantasie“ wird sie zur Erzählerin, die Höhen und Tiefen erfahrbar macht und doch alles in Harmonie bringt. David Fray trägt sie mit rundem, warm federndem Spiel, sensibel und mit reich differenzierter Dynamik, aufflammend oder weich strömend.

Bescheidene Haltung

Seit über 40 Jahren bereichert Elisabeth Leonskaja mit Klavier- und Kammermusikabenden die Schubertiade, mit ihrer bescheidenen, ganz der Musik dienenden Haltung nimmt sie ihr Publikum mit in die manchmal zerklüfteten, oft in unendliche Weiten führenden Klanglandschaften Schuberts. In der H-Dur-Sonate D 575 markiert sie die aufsteigenden Dreiklänge und Sforzati, präsentiert das Seitenthema heiter und verspielt, alles wird getragen von einem warm abgefederten Puls. Im langsamen Satz bringt sie mit ihrer Anschlagskultur den Flügel zum Singen, die Oberstimme leuchtet über einem sich stetig verdichteten Satz, als hätte sich ein Vokalquartett zum Choral versammelt.

Konzert
Pianistin Elisabeth Leonskaja. Schubertiade

Auch in den viel gespielten und geliebten Impromptus D 935 bettet die Pianistin die Themen fein ein, die schwingenden Akkorde im As-Dur-Impromptu lösen sich in Bewegung auf und kehren verwandelt zurück. Im dritten Stück, dessen Thema im Rosamunde-Quartett wiederkehrt, folgt man der Künstlerin durch die fein ausgeleuchteten Variationen und lässt sich von den hüpfenden Figuren des vierten Stücks mitziehen.

Konzert
Schubertiade

In der vorletzten Sonate Franz Schuberts D 959 besticht Elisabeth Leonskaja wieder mit ihrem vielgestaltigen Spiel von Licht und Schatten, dem mächtigen Hauptthema und den feinen Differenzierungen. Einem großen Kosmos gleicht der langsame Satz mit ruhigem Einschwingen und den tobenden Urgewalten des Mittelteils. Wenn die Pianistin zum ersten Charakter zurückkehrt, lässt sie den Schrecken nachzittern und findet zu einer wunderbaren Ruhe. Die trägt sie auch über den fröhlichen Tanz des Scherzos und die Melodieströme des letzten Satzes. Im vergangenen Jahr hat die sympathische Wahlwienerin ihren 80. Geburtstag gefeiert und immer noch, immer wieder sind ihre Konzerte ein großes Geschenk!

Katharina von Glasenapp