Krimmel springt ein und glänzt in vollen Zügen

Für Andrè Schuen eingesprungen, machte Konstantin Krimmel aus „Die schöne Magelone“ einen charmanten Abend mit Liedern und romantischer Ironie.
Umbesetzungen sind bei der Schubertiade meistens kein Problem oder führen zu spannenden Überraschungen. Konstantin Krimmel, der am Samstag Lieder von Schubert und Schumann (unter anderem die „Dichterliebe“ nach Heinrich Heine) gestaltet hatte, verlängerte kurzerhand seinen Aufenthalt und sprang für Andrè Schuen ein – wohl dem Festival, das so einfach umdisponieren kann!
Wundersame Wendungen
„Die schöne Magelone“ ist eine an wundersamen Wendungen reiche, märchenhafte Liebesgeschichte, in die der Dichter Ludwig Tieck fünfzehn Romanzen eingeflochten hat, die wiederum Johannes Brahms vertont hat. Ohne die Erzählung sind die Romanzen zwar schöne und abwechslungsreich vertonte Lieder, die Rahmenhandlung aber, die der Verleger eingefügt hat, verbindet sie zu einem Ganzen. Und Konstantin Krimmel, der ja auch eine sonore Sprechstimme hat (und sich sicher bei seiner Frau, die Profi-Sprecherin beim Bayerischen Rundfunk ist, einiges abgelauscht hat) bot dem Publikum charmant ein „Upgrade“, indem er an der Seite des wie stets souveränen Liedpianisten Daniel Heide sowohl die Lieder sang als auch die Erzählung vom Grafen Peter und der vornehmen Königstochter Magelone vortrug.

Hörbare Freude
Mit dem Aufbruch von zuhause, dem Abschied von den Eltern, den ritterlichen Turnieren, der Begegnung von Peter und Magelone, der heimlichen Flucht und den unglaublichen Wendungen ist die Geschichte herrlich ausgeschmückt. Konstantin Krimmel hat sichtlich und hörbar Freude an der Sprache, genießt die romantische Ironie und die leisen Zwischentöne und meistert auch den manchmal undankbaren Wechsel zwischen Sprechen und Singen. Musikalisch bieten die beiden einander wohlvertrauten Künstler einen facettenreichen Reigen zwischen forschem Aufbruch, inniger Schwärmerei, drängendem Puls und tiefer Verzweiflung. Der Bariton schöpft aus der Fülle seiner Farben und Gestaltungsmöglichkeiten, die seine flexible Stimme mit der leicht anspringenden Höhe und der voluminösen Mittellage bietet. Stimme und Karriere entwickeln sich prächtig und es ist wunderbar, zu sehen, wie bodenständig der 33-jährige Sänger dabei bleibt. Zuletzt bezaubert er sein Publikum mit den fein gesponnenen Linien von Schumanns „Mondnacht“– Daniel Heide gibt ihm natürlich die liebevoll gestaltete Basis!
Katharina von Glasenapp