Kultur

Feldkircher Lyrikpreis kennt keinen Promibonus

06.11.2026 • 17:49 Uhr
Dominik Kohl
Der 1992 geborene Autor Dominik Kohl gewann den auf 3000 Euro dotierten Preis. privat

Dominik Kohl aus Leipzig und die Liechtensteinerin Anna Ospelt überzeugten die Jury im anonymen Auswahlverfahren.

Mit präzise gesetzten Zeilenbrüchen, ungewöhnlichen Sprachbildern und Gedichten über Erinnerung und Verlust hat Dominik Kohl die Jury des 24. Feldkircher Lyrikpreises überzeugt. Der 1992 in Regensburg geborene und heute in Leipzig lebende Autor erhält die mit 3000 Euro dotierte Auszeichnung. Jurymitglied und Vorjahressiegerin Lorena Pircher hebt insbesondere die eigenwillige Form seiner Verse hervor, die beim Übergang in die nächste Zeile neue Bedeutungen entfalten. Kohl studierte Literaturwissenschaft in Regensburg, Kanazawa und Heidelberg. Seit 2023 besucht er das Deutsche Literaturinstitut Leipzig. Seine Arbeiten erschienen unter anderem im „Jahrbuch der Lyrik“.

Feldkircher Lyrikpreis kennt keinen Promibonus
Autorin Anna Ospelt aus Liechtenstein. Maier

Den zweiten, mit 2000 Euro dotierten Preis erhält die Liechtensteiner Autorin Anna Ospelt (Jahrgang 1987). Die in Vaduz lebende Schriftstellerin veröffentlichte 2020 ihr Prosadebüt „Wurzelstudien“, drei Jahre später folgte „Frühe Pflanzung“. In ihren ausgezeichneten Gedichten beschäftigt sich die zweifache Mutter mit dem Spannungsfeld zwischen literarischem Schaffen und Fürsorgearbeit. Jurymitglied Raoul Eisele hebt hervor, wie Ospelt die Erfahrungen von Mutterschaft und Schreiben miteinander verwebt. Dabei finden auch die Stimmen ihrer Kinder Eingang in die Texte. Die Autorin studierte in Basel und arbeitet heute unter anderem als Lektorin und Leiterin von Schreibwerkstätten.

Plattform bieten

„Die Lyrik war am Anfang, als wir den Preis ins Leben gerufen haben, nicht viel wert“, schildert Initiatorin Erika Kronabitter im Gespräch mit der NEUE. Sie erinnert sich noch gut dran, wie in den Jahren davor die Besucherin einer Lesung meinte, sie würde auch Gedichte verfassen, die Texte mangels Möglichkeiten aber in der Schublade aufbewahren. So gäbe es viele Menschen, die gut schreiben können, aber mangels Plattform keine öffentliche Präsenz erlangen.

Erika Kronabitter
Erika Kronabitter. rainer

Um auch unbekannten Autoren eine Chance zu geben, werden die Einsendungen anonym beurteilt. Ein Prinzip, auf das Kronabitter großen Wert legt. Schließlich würden regelmäßig auch namhafte Schriftsteller teilnehmen, ohne einen Preis zu erhalten. Dass sich eine Jury von bekannten Namen beeinflussen lassen könnte, soll damit ausgeschlossen werden.

Während Marie-Rose Rodewald-Cerha als Vertreterin des Theaters am Saumarkt dauerhaft in der Jury vertreten ist, wechseln die beiden Fachleute aus dem Literaturbetrieb alle zwei Jahre. Aktuell sind das der Schriftsteller Raoul Eisele und der Herausgeber Erwin Uhrmann. Hinzu kommt jeweils der Vorjahressieger. Deren Aufgabe ist es auch, das jeweilige Motto aus einem Satz der zuvor eingereichten Texte auszuwählen.

Publikum bestimmt Platz drei

Über die dritte, mit 1000 Euro dotierte Auszeichnung, entscheiden die Besucher. Acht Autoren stehen heuer zur Wahl. Von 16. November, 9 Uhr, bis 20. November, 12 Uhr, können Interessierte auf www.feldkircher-lyrikpreis.at abstimmen. Weitere Stimmen werden beim „Fest der Lyrik“ am 21. November im Theater am Saumarkt gesammelt. Dort stellen auch Kohl und Ospelt ihre ausgezeichneten Arbeiten vor. Begleitend ist bei Edition V eine Anthologie erschienen, die neben den preisgekrönten Gedichten auch die Texte der Anwärter auf den Publikumspreis enthält.