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Zukunft von „Handwerk + Form“ sehr ungewiss

03.03.2022 • 18:00 Uhr / 4 Minuten Lesezeit
Zukunft von „Handwerk + Form“ sehr ungewiss
Handwerkerverein möchte Rundgang beibehalten, Werkraum will Ausstellung in sein Gebäude verlegen. Steurer

Auffassungsunterschiede zwischen Handwerkerverein Andelsbuch und Werk­raum Bregenzerwald.

Der weit über die Region hinaus bekannte Bregenzerwälder Handwerker-Gestaltungswettbewerb Handwerk+Form in Andelsbuch wird auch für 2022 abgesagt (die NEUE berichtete).

Das bestätigten Martin Bereuter, Obmann des Vereins Werkraum Bregenzerwald, und René Schedler, der Obmann des Handwerker- und Gewerbevereins Andelsbuch, auf Anfrage der Wirtschaftspresseagentur. Geplant gewesen wäre der Wettbewerb samt dazugehörender Ausstellung für Oktober 2022. Schon im Vorjahr wurde Handwerk+Form vom Terminkalender gestrichen.

Martin Bereuter, Obmann Verein Werkraum Bregenzerwald. <span class="copyright">Paulitsch</span>
Martin Bereuter, Obmann Verein Werkraum Bregenzerwald. Paulitsch

Handwerk+Form fand erstmals Anfang der 1990er-Jahre statt und wurde in den vergangenen Jahrzehnten stets vom Werk­raum Bregenzerwald und dem Handwerkerverein Andelsbuch organisiert und umgesetzt. In der Regel fand die Veranstaltung alle drei Jahre statt. Die letzte Handwerk+Form ging im Herbst 2018 über die Bühne. Das Veranstaltungsformat umfasste zwei Wochenenden mit einem Rundgang durch diverse Ausstellungsstätten. Zu Spitzenzeiten zählte die Veranstaltung mehr als 7000 Besucher.

Zukünftige Ausrichtung

Die beiden Vereinsobmänner begründen die Absage mit unterschiedlichen Auffassungen zur zukünftigen Ausrichtung der Handwerk+Form. Diese Diskussion laufe schon längere Zeit. Nach Darstellung von Martin Bereuter sei aufgrund dieser offenen Fragen auch schon die Veranstaltung im Jahr 2021 ausgefallen. Wegen der Pandemie-Maßnahmen sei das nur nicht weiter aufgefallen, da ohnehin ein Veranstaltungsverbot herrschte.
Im Kern drehen sich die Gespräche und Auffassungsunterschiede um die Fragen, wie lange und wo der handwerkliche Gestaltungswettbewerb samt Ausstellung über die Bühne gehen soll. Während der Handwerkerverein Andelsbuch den schon bisher stattfindenden Rundgang durch verschiedene Stätten an zwei Wochenenden bevorzugt, möchte der Werkraum Bregenzerwald die Veranstaltung über mehrere Monate in seinem Gebäude in Andelsbuch im Werk­raumhaus abhalten.

Ohne Rundgang sinnlos

Nach Ansicht von Handwerkerverein-Obmann René Schedler sehe man aber ohne diesen Rundgang keine maßgebliche Beteiligungsmöglichkeit des Vereins mehr. Es sei korrekt, dass man folglich den Werkraum Bregenzerwald auf die Urheberrechte des Handwerkervereins hinwies, da er der ursprüngliche Initiator dieser Veranstaltung sei. Auf das Angebot, diese Urheberrechte pro Veranstaltung abzugelten, sei man beim Werkraum Bregenzerwald nicht eingegangen. Im Raum stand ein Betrag von rund 10.000 Euro. Stattdessen habe der Werkraum Bregenzerwald die Veranstaltung 2022 zur Gänze abgesagt.

Auf unser Angebot, die Urheberrechte pro Veranstaltung abzugelten, wurde nicht eingegangen.

Rene Schedler, Handwerker- und Gewerbeverein Andelsbuch

Im Großen und Ganzen bestätigt auch Werkraum Bregenzerwald-Obmann Martin Bereuter die Darstellung und Sicht der Dinge von René Schedler. „Durch den Neubau des Werk­raum-Gebäudes hat sich eine neue Situation ergeben, denn diese Örtlichkeit muss auch entsprechend genutzt werden.“ Es würden diverse Unklarheiten bestehen, vor allem was die Örtlichkeiten für die Ausstellung im alten Format betreffe.

Zukunft offen

Wie es in Zukunft mit der Handwerk+Form weitergeht, wissen die beiden Vereinsobmänner und damit auch mehrere 100 Vereinsmitglieder derzeit nicht. Die Debatte über die Urheberrechte sei jedenfalls nicht der maßgebliche Grund für die Absage. Es seien wesentlich fundamentalere Fragen zu klären.
Dass es jetzt außer der Absage für 2022 derzeit keine andere Lösung gebe, führen Bereuter und Schedler jedenfalls auch auf die Kollateralschäden der Coronamaßnahmen zurück. Denn durch die fehlenden persönlichen Gespräche, Besprechungen und Sitzungen sei es kaum möglich, grundlegendere Fragen von Angesicht zu Angesicht zu klären. „Es fehlt dann der zwischenmenschliche Kitt“, sagte Bereuter zur wpa. Online-Meetings oder Telefonate seien für solche Situationen un­geeignet.

Günther Bitschnau / wpa

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