Innovationsquartier liegt derzeit auf Eis

Gestaltungsbeiräte von Stadt und Land sind am Zug. Prisma-Vorstand Bernhard Ölz ist weiter vom Projekt überzeugt.
Das vom Standort- und Projektentwickler Prisma geplante Innovationsquartier Bregenz auf dem Areal der Vorarlberg-Niederlassung von Siemens hängt gegenwärtig mit unbekanntem Ausgang in der Luft. Der Grund dafür liegt allerdings nicht im Korruptionsskandal rund um Siemens, sondern in den Gestaltungsbeiräten der Stadt Bregenz und des Landes Vorarlberg.
Siegerprojekt mit drei Baukörpern
Wie die wpa aus gut informierten Kreisen erfahren hat, spießt es sich vor allem an der geplanten Höhe und Baudichte des Siegerprojektes mit seinen drei Baukörpern mit unterschiedlichen Höhen. Im Fokus steht dabei das höchste der drei Gebäude, das vorne bei der Kreuzung auf dem derzeitigen Siemens-Parkplatz stehen würde.
Keine Vorgabe von Prisma
Wie Bernhard Ölz, Vorstand der Prisma Holding AG, im wpa-Gespräch erklärte, habe man sich bei dem Wettbewerb an die vorher mit der Stadt vereinbarten Vorgaben gehalten, auch was Baudichte und Höhe betreffe. Das gelte auch für das Siegerprojekt. Dass man bis heute ein Geheimnis aus der geplanten Höhe des höchsten Gebäudes mache, begründet Ölz damit, dass man darüber zuerst die Fachgremien von Stadt und Land entscheiden lassen wolle. Auch im wpa-Gespräch nannte Ölz keine Höhe. Er sagte nur, dass das höchste Gebäude eine „markante“ Höhe habe. Allerdings sei es keine Vorgabe von Prisma gewesen, möglichst hoch zu bauen. Dazu komme, dass mehrere der eingereichten Projekte sehr ähnliche Gebäudehöhen vorgesehen hätten. „Wir sind nach wie vor davon überzeugt, dass dieses Siegerprojekt die richtige Entscheidung war.“
Jury war einhellig für das Projekt
Erst im vergangenen März wurde in Bregenz das Ergebnis des Architekturwettbewerbs für das Innovationsquartier im Bereich von Josef-Huter-Straße und Arlbergstraße präsentiert. Bei dem anonymen Wettbewerb mit zehn geladenen Architekturbüros aus Österreich wurde schließlich das eingereichte Projekt des Dornbirner Architekturbüros Baumschlager Hutter Partners als Sieger gekürt. Die Abstimmung in der teils international besetzten Jury ist einstimmig ausgefallen, hieß es damals. Der Wettbewerb wurde in Abstimmung mit der Stadt Bregenz und der Architektenkammer ausgelobt. Bis heute gibt es aber kein öffentlich verfügbares Bild des Siegerentwurfes und auch die geplante Höhe des höchsten Gebäudes ist nicht bekannt. Dem Vernehmen nach bewegt sich die Gebäudehöhe in der Dimension der beiden benachbarten Hochhäuser.
Die Jury, der auch Vertreter der Stadt und des Gestaltungsbeirats angehörten, begründete die Entscheidung für das Siegerprojekt damit, dass das Ensemble für sich funktioniere und sich aufgrund der Höhenstaffelung sehr gut in die Umgebung einfüge. Die markante Architektur sorge für positive Brüche der jeweiligen Höhen, hieß es seitens der Jury weiters.

Da die Gebäudehöhe aber bereits in der Jury-Sitzung ein Thema gewesen sei, habe man Baumschlager Hutter Partners gebeten, das höchste Gebäude ein wenig zu redimensionieren. Mit diesem etwas verkleinerten Entwurf sei es im Mai 2023 in die Gestaltungsbeiräte von Stadt und Land gegangen. Dort befinde sich die Angelegenheit des voraussichtlich 60 Millionen Euro schweren Investitionsprojektes seither, sagt Ölz.

Claudio Vit ist bei Prisma der Projektleiter für das Innovationsquartier Bregenz. Er sagte, dass der Gestaltungsbeirat der Stadt Bregenz mitgeteilt habe, dass eines der Gebäude zu hoch sei. Vom Gestaltungsbeirat des Landes sei die Information gekommen, dass man das Siegerprojekt anhand der vorliegenden Unterlagen in städtebaulicher Hinsicht nicht beurteilen könne. Deshalb habe der Gestaltungsbeirat des Landes der Stadt Bregenz empfohlen, eine Studie zur städtebaulichen Gesamtbetrachtung bei entsprechenden Büros in Zürich in Auftrag zu geben. „Was hier der Stand der Dinge ist, wissen wir nicht, da wir in diesen Prozess nicht eingebunden sind.“
Terminfindungsgespräche
Bei der Stadt Bregenz sagte Florian Bachmayr-Heyda von der Abteilung Stadtentwicklung, dass man mit dem Land und den in Frage kommenden zwei Büros in Terminfindungsgesprächen sei. Bis wann eine Auftragsvergabe für die städtebauliche Studie erfolge, könne man derzeit nicht sagen. Es sei jedenfalls das Ziel der Stadt, dass die Ergebnisse der Studie bis Ende 2023 vorliegen.

Darauf angesprochen, ob der Zeitplan mit Baubeginn Sommer 2024 und Umzug von Siemens in das neue Gebäude im Sommer 2026 damit noch zu halten sei, sagte Projektleiter Vit, dass dies in erster Linie davon abhänge, bis wann die Studie zu welchem Ergebnis komme. „Das ist ja alles ergebnisoffen und danach müssen erst einmal die Gestaltungsbeiräte ihre Entscheidung treffen.“ Damit hätte Prisma aber noch lange keinen Baubescheid in der Hand, da das Bauverfahren noch bevorsteht. Denn bevor man keine Rechtssicherheit für das vorliegende Gesamtprojekt habe, könne man nicht in die Detailplanungen für die Baueingabe gehen, sagte Vit.
Langfristig angemietet
Prisma ist Eigentümerin der rund 5500 Quadratmeter großen Liegenschaft in Bregenz, da der Projektentwickler die Grundstücke der ehemaligen BP-Tankstelle und von Siemens gekauft hat. Das geplante Siemens-Gebäude wird langfristig von Siemens angemietet, die beiden anderen Gebäude bekommen andere Mieter und Nutzungen. Im Gegensatz vielleicht zu anderen Projekten spielt aber der genaue Zeitpunkt der Fertigstellung des Siemens-Gebäudes für Prisma eine wichtige Rolle. Das hängt mit dem per Ende Juli 2026 bereits fixierten Um- und Einzugstermin zusammen. Kann dieser nicht eingehalten werden, dann droht Prisma eine Pönale.
Günther Bitschnau/wpa