100. Geburtstag von Ingeborg Bachmann in Klagenfurt gefeiert

25.06.2026 • 20:00 Uhr
100. Geburtstag von Ingeborg Bachmann in Klagenfurt gefeiert

Vor dem im Vorjahr nach einem Umbau als Museum, Erinnerungs- und Begegnungsstätte eröffneten ehemaligen Wohnhaus Ingeborg Bachmanns in der Klagenfurter Henselstraße ist am Donnerstagnachmittag der 100. Geburtstag der Dichterin mit einem Straßenfest gefeiert worden. Bruder Heinz Bachmann (87) las passend zur Wetterlage und zu der vor zwei Tagen im Vorgarten aufgestellten neuen Skulptur von Anselm Kiefer eine Strophe aus dem Bachmann-Gedicht “An die Sonne”.

Als er vor 53 Jahren, “an jenem schweren Herbsttag 1973”, als man sich von seiner “viel zu früh und viel zu plötzlich” verstorbenen Schwester verabschieden musste, “hätte ich mir nie träumen lassen, zu ihrem 100. Geburtstag hier vor Ihnen zu stehen”, sagte Bachmann, der 2023 sein sehr persönliches Erinnerungsbuch “Ingeborg Bachmann, meine Schwester” veröffentlicht hatte, in seiner Rede. “Was seither geschehen ist, übertrifft alles, was wir als Familie zu hoffen gewagt haben.”

“Sie hat überlebt – durch die Kraft ihrer Sprache”

Tatsächlich ist das kleine Reihenhaus am Fuße des Kreuzbergls, in dem Ingeborg Bachmann 1933 bis 1945 bei ihren Eltern lebte, 2021 von Land und Stadt mit Hilfe der Kärntner Privatstiftung angekauft und großzügig zu einem Gedenkort umgebaut worden, in dem neben vielen Manuskripten und Fotos auch Kleider und Schmuck der Dichterin, aber auch ihre Schreibmaschinen ausgestellt sind. Man begegne in dem Haus nun mit jedem Schritt “nicht nur einer Biografie, sondern einer Welt aus Sprache”, mit der die Dichterin gezeigt hätte, dass man Gegebenes nicht einfach hinnehmen dürfe: “Die Welt muss erzählt, befragt und herausgefordert werden”, sagte Heinz Bachmann.

“Ingeborg hat sich behauptet. Sie hat überlebt – durch die Kraft ihrer Sprache”, sagte der Bruder der Dichterin und wies auf die erschreckende Aktualität ihrer Dichtung hin, die sich etwa auch durch ein Zitat aus ihren Frankfurter Vorlesungen äußere, das auf vielen roten Liegestühlen derzeit im Klagenfurter Stadtbild präsent sei: “Hätten wir das Wort, hätten wir die Sprache, wir bräuchten die Waffen nicht.” – “Wann hätten diese Worte mehr gegolten als heute?”, fragte Heinz Bachmann und sprach im Namen der ganzen Familie, die es außerordentlich schätze, wie liebevoll und ernsthaft das Erbe Ingeborg Bachmanns gepflegt werde: “Wir sind bewegt. Wir sind dankbar.”

Bürgermeister legte Bekenntnis zum Fortbestand des Bachmann-Preises ab

Bei diesem bereits dritten Straßenfest in der Henselstraße (das erste fand 2024 zur Projektvorstellung, das zweite im Vorjahr zur Eröffnung statt), das von Sarah Rebecca Kühl, Markus Achatz, Sabine Kristof-Kranzelbinder und Michael Kristof-Kranzelbinder literarisch-performativ und von Akkordeonist Aleksander Ipavec musikalisch gestaltet wurde, lobte nicht nur Landeshauptmann-Stellvertreterin und Kulturreferentin Gaby Schaunig (SPÖ) die “universelle Gültigkeit der Gedanken Ingeborg Bachmanns”, sondern legte der Klagenfurter Bürgermeister Christian Scheider auch ein Bekenntnis zur Fortführung des Wettlesens um den Bachmann-Preis ab: “Wir werden alles daran setzen, dass es in dieser Form weitergeht!”