20. Grafenegg-Festival opulent eröffnet
Ein opulentes Bilderbuch-Konzert ist am Freitagabend im ausverkauften Wolkenturm von Grafenegg über die Bühne gegangen: Rudolf Buchbinder, der Wiener Singverein, die Wiener Chormädchen, Nikola Hillebrand, Nicholas Phan, Germán Olvera und das Philharmonia Orchestra London unter der Leitung von Cristian Măcelaru eröffneten das 20. Grafenegg Festival.
Auf dem Programm standen Beethovens “Chorfantasie” und die “Carmina Burana” von Carl Orff: Eine Kombination, der durchaus eine gewisse innere Logik zugrunde liegt, war es doch Orffs ursprüngliche Intention, eine Chorfantasie zu schaffen. Und das Rad der Fortuna dreht sich ohnehin weiter, auch in der bisher glückhaften Erfolgsgeschichte des Festivals, das ab Herbst mit Johannes Neubert als Nachfolger von Rudolf Buchbinder eine neue künstlerische Leitung erhält.
Bemerkenswert, dass diesmal nicht das Tonkünstler-Orchester NÖ als Residenz-Orchester, sondern die Londoner den Eröffnungsabend gestalteten. Sie machten ihre Sache ausgezeichnet, spielten präzise und klanglich gut austariert. Auch der Wiener Singverein war von Johannes Prinz prächtig einstudiert, ebenso die Wiener Chormädchen (der Mädchenchor der Wiener Sängerknaben) durch Stefan Foidl.
Atemberaubend schöne Momente
Highlight des Abends war wohl das Solistentrio bei Orff: Nicholas Phan ließ den gebratenen Schwan zum Erbarmen jammern, German Olvera legte viel Sorgfalt und Lebendigkeit in seine Bariton-Arien, und die deutsche Sopranistin Nikola Hillebrand sorgte für atemberaubend schöne Momente, etwa im “Dulcissime”-Solo. Orff sei “ein Sadist” gewesen, indem er derart schwierige Solopartien komponiert habe, meinte Buchbinder beim Empfang nach dem Konzert, doch seien die Carmina Burana für ihn “eines der bedeutendsten Werke überhaupt”.
Buchbinder hatte zuvor bei Beethovens “Chorfantasie” den Klavierpart mit souveränem Impetus übernommen: Ein Werk, in dem sich der letzte Satz der neunten Symphonie mit der Ode “An die Freude” bereits ankündigt. Freude und Glück sind allerdings fragile Emotionen. Wie heißt es doch bei Orff: “O Fortuna! Wie der Mond so veränderlich…” An diesem Abend zumindest passte alles zusammen.
Die Eröffnung des Grafenegg Festival wurde zeitversetzt auf ORF 2 übertragen. Nachhörbar ist das Konzert am Sonntag, 16. August ab 20 Uhr auf Radio Niederösterreich.
(Von Ewald Baringer/APA)
(S E R V I C E – Festival Grafenegg, bis 6. September. )