250 Jahre USA: Ruf nach Freiheit mit paradoxen Widersprüchen

01.07.2026 • 08:37 Uhr
250 Jahre USA: Ruf nach Freiheit mit paradoxen Widersprüchen

Die mit der “Declaration of Independence” am 4. Juli 1776 verkündete Unabhängigkeit der Vereinigten Staaten von Amerika gründete auf den Ideen der europäischen Aufklärung, dem Widerstand gegen die Steuerpolitik des Mutterlands Großbritannien ohne Mitspracherecht sowie dem Drang nach Selbstverwaltung der 13 Kolonien. Die philosophische Basis bildeten die Rechte auf “Leben und Freiheit und das Streben nach Glück”. Im Widerspruch dazu hielt man freilich an der Sklaverei fest.

Nach dem Siebenjährigen Krieg (1756-1763) gegen Frankreich samt indigenen Bündnispartnern war die britische Staatskasse leer. Das britische Königreich wollte die Kolonien in Übersee durch neue Zölle und Steuern sanieren. Allerdings stellten die Siedler keine Abgeordneten im Parlament von London und empfanden diese Abgaben (etwa auf Stempelakte oder Importwaren wie Tee) als illegitime Tyrannei. Unter Schlagworten wie “No taxation without representation” (“Keine Besteuerung ohne politische Vertretung”) wuchs das Streben nach Selbstbestimmung. Der Unabhängigkeitskrieg begann bereits 1775, nachdem es zuvor zu handfesten Protesten wie der Boston Tea Party (1773) gekommen war. Die von Thomas Jefferson verfasste Unabhängigkeitserklärung sorgte für den endgültigen Bruch mit dem britischen Königshaus.

Gemeinsam mit George Washington, James Madison oder James Monroe zählte Thomas Jefferson zu den Gründervätern der Vereinigten Staaten von Amerika. Alle vier stammten aus dem Bundesstaat Virginia, waren Plantagenbesitzer und amtierten in den Anfangsjahren der USA als Präsidenten. Sie propagierten eben Werte wie Freiheit, Gleichheit oder Gewaltenteilung, auf denen der junge Staatenbund aufgebaut wurde.

Doch war ihr eigenes Verhalten diesbezüglich höchst widersprüchlich. Unter den ersten fünf Präsidenten der Vereinigten Staaten gab es mit John Adams, der im Gegensatz zu den anderen vier Genannten nicht aus Virginia, sondern aus Massachusetts stammte, nur einen, der nicht tief in die Sklaverei verstrickt war. Aber selbst er konnte sich nicht als wehrhafter Gegner etablieren. Die Sklaverei in den USA bestand von 1619 bis letztlich 1865 und war prägend für die ökonomische, politische und auch kulturelle Entwicklung des Landes. Sie basierte auf der brutalen Ausbeutung und Unterdrückung von in die USA verschleppten Afrikanern.

Im Folgenden ein Überblick über das Verhältnis der ersten US-Präsidenten zur Sklaverei:

George Washington (Erster US-Präsident)

Als General der Kontinentalarmee hatte er die amerikanischen Kolonien zum Sieg gegen das britische Empire geführt. Zudem war er an der Gestaltung der US-Verfassung beteiligt: Nach der Staatsgründung war er von 1789 bis 1797 der erste Präsident der USA. Die nach ihm benannte Hauptstadt samt Weißem Haus und Kapitol war damals erst im Bau. Washington hatte seinen Regierungssitz abwechselnd in New York City und Philadelphia.

Sein Landsitz befand sich auf Mount Vernon und kann bis heute besichtigt werden. Neben einem mondänen Herrenhaus, das auch Repräsentationszwecken diente, sind die erbärmlichen Behausungen der Versklavten erhalten geblieben. In kleinen Hütten waren Dutzende Menschen untergebracht. Zwölf Personen oder mehr teilten sich einen Raum. Während den Washingtons täglich viergängige Menüs serviert wurden, ernährten sich die Sklaven vor allem von Mais und Bohnen. Auch die zur Verfügung gestellte Bekleidung war höchst einfach und bloß zweckdienlich.

Als George Washington 1799 starb, waren 123 versklavte Menschen als sein persönlicher Besitz vermerkt. Washington machte in seinem Testament von dem Recht Gebrauch, sie nach seinem Tod freizusetzen. Auf seinem Anwesen lebten jedoch insgesamt sogar 317 Versklavte. 153 waren sogenannte “Dower Slaves”: Sie gehörten zum Nachlass der Familie Custis, aus der seine Frau Martha stammte. Dazu kamen 41 Personen, die von anderen Eigentümern gemietet worden waren.

Auch sein Verhältnis zur amerikanischen Urbevölkerung war kontrovers. Zwar war er kein Befürworter einer völligen Ausrottung, aber seine Politik förderte die Vertreibung der Indigenen von ihren Territorien. Von Historikern wird Verhältnis zu den Ureinwohnern als komplex und bisweilen sehr widersprüchlich beschrieben.

John Adams (Zweiter US-Präsident):

Der zweite Präsident (1797-1801) der Vereinigten Staaten war in der Frage der Sklaverei die große Ausnahme unter den Gründungsvätern. Er lehnte diese persönlich entschieden ab und bezeichnete sie laut historischen Quellen als “abscheuliches System”. Er besaß daher auch zeit seines Lebens (1735-1826) keine versklavten Personen. Allerdings trat er auch nicht massiv für ihre Abschaffung ein, da er soziale Unruhen fürchtete. Dass er damit wohl nicht falsch lag, zeigt sich in den weiteren Entwicklungen. Es war nicht zuletzt die ungelöste Frage der Sklaverei, die zum Bürgerkrieg zwischen den Süd- und Nordstaaten (1861-1865) führte.

Adams trat für einen sukzessiven Abbau ein. Seine Haltung bewirkte in der übrigen Gesellschaft indes wenig. 1800 unterlag er bei der Präsidentenwahl Thomas Jefferson. Sein ältester Sohn John Quincy Adams wurde im Jahr 1824 zum sechsten US-Präsidenten gewählt.

Thomas Jefferson (Dritter US-Präsident)

Thomas Jefferson (1743-1826) galt als Autor der amerikanischen Unabhängigkeitserklärung und damit als Verfechter der individuellen Freiheitsrechte sowie der Demokratie. Doch war der dritte Präsident der USA (1801 bis 1809) in eine Sklavenhalterfamilie hineingeboren worden und behielt zu Lebenszeiten 600 versklavte Menschen in seinem Besitz. Er erbte zunächst etwa 175 Personen von seinem Vater und Schwiegervater und vermehrte diese Zahl stetig. Er war letztlich der Präsident der Vereinigten Staaten mit den meisten Sklaven.

Rund 400 davon lebten und arbeiteten auf seinem Landgut “Monticello” nahe Charlottesville. Jefferson war sich historischen Quellen zufolge des Widerspruchs bewusst, der zwischen den von ihm geforderten Idealen und der Sklaverei bestand. Dennoch blieb er darin verstrickt. Mit seiner Sklavin Sally Hemings pflegte Jefferson eine langjährige Beziehung und hatte mindestens sechs Kinder mit ihr. Insgesamt befreite er zu Lebzeiten und nach seinem Tod durch sein Testament aber lediglich sieben “Enslaved Persons”, die alle aus der Familie von Sally Hemings stammten. Nach seinem Tod hinterließ er auch gehörige Schulden. Um diese zu begleichen, verkauften die Nachfahren viele Versklavte. Das riss wiederum zahlreiche Familien auseinander.

Thomas Jefferson warnte aber auch davor, dass die Sklaverei zu ernsthaften Konflikten führen könnte. Er starb am 4. Juli 1826, genau am 50. Jahrestag der Unabhängigkeitserklärung. Rund 35 Jahre später, 1861, begann der Bürgerkrieg zwischen den Nord- und Südstaaten, in dem es auch um den Erhalt oder die Abschaffung der Sklaverei ging. Er dauerte vier Jahre und forderte über 700.000 Menschenleben.

James Madison (Vierter US-Präsident)

James Madison (1751-1836) ging als “Vater” der US-Verfassung von 1787 in die Geschichte ein, weil er den “Virginia-Plan” konzipierte, der die Grundlage des neuen Bundesstaats mit drei Gewalten bildete: Exekutive, Legislative und Judikative. Trotz der von ihm propagierten “Bill of Rights”, die unter anderem die Gleichheit aller Bürger propagierte, war auch er nicht bereit, die Sklaverei aufzugeben. Madison, der später von 1809 bis 1817 der vierte Präsident der USA werden sollte, ließ sich auch durch die ursprünglichen Werte der damals zeitgenössischen Französischen Revolution inspirieren und galt als Hauptautor dieser grundlegenden Freiheitsrechte.

Dennoch besaß er als eine Art “notwendiges Übel” bis zu seinem Tod Sklaven, um seine Tabakplantage rentabel zu betreiben, heißt es dazu auf seinem ehemaligen Landgut Montpelier. Einer seiner Sklaven, Paul Jennings, diente ihm auch während seiner Präsidentschaft und schrieb einen Bericht über das Leben im Weißen Haus, einer der ersten seiner Art. Madison befreite seine Sklaven in seinem Testament nicht. James Madison und seine Entourage seien auch nur “Menschen mit Fehlern” gewesen, wird dazu im Rahmen der Ausstellung in “James Madison’s Montpelier” betont. Sie seien sich wohl bewusst gewesen, dass nicht alles, was sie taten, richtig war.

James Monroe (Fünfter US-Präsident)

Auch James Monroe (1758-1831) hielt im Laufe seines Lebens bis zu 250 versklavte Menschen, die auf seiner Plantage Highland in Virginia als Hausangestellte, Handwerker und Feldarbeiter arbeiteten. Für ihn waren sie Eigentum. Er verpfändete oder verkaufte sie, unter anderem um seine Schulden zu begleichen. Zu Lebzeiten setzte er laut Unterlagen nur einen einzigen Versklavten frei. Als fünfter US-Präsident (1817-1825) trat er für die sogenannte “Kolonisierung” ein. Diese sah vor, freigelassene Sklaven nach Afrika umzusiedeln, anstatt sie als gleichberechtigte Bürger in den USA zu integrieren.

Ab 1821 siedelte die American Colonization Society (ACS), eine Organisation weißer Amerikaner und US-Politiker, daher im Gebiet des heutigen Liberia an der westafrikanischen Küste freigelassene Sklavinnen und Sklaven aus den Vereinigten Staaten an. Dies geschah teils aus humanitären Gründen, aber auch, um Spannungen zwischen der weißen und schwarzen Bevölkerung in den USA zu verringern. Der Landstrich wurde in Ableitung des lateinischen Worts “liber” (“frei”) Liberia genannt und erlangte 1847 die Unabhängigkeit. Monroe wurde im Namen der Hauptstadt Monrovia verewigt. Das Projekt war aber ein Flop. Es wanderten nur rund 15.000 Afroamerikaner aus. Bei einer Volkszählung von 1820 waren aber mehr als 1,5 Millionen Menschen als Versklavte registriert gewesen.

Das Projekt scheiterte einerseits an finanziellen Problemen, andererseits lebten die meisten Afroamerikanerinnen und -amerikaner seit Generationen in den USA und wollten trotz ihrer Diskriminierung nicht nach Afrika auswandern. Sie forderten stattdessen Bürgerrechte und Gleichberechtigung. Letztendlich führte erst der blutige Amerikanische Bürgerkrieg (Sezessionskrieg/1861-1865) zur Abschaffung der Sklaverei in den USA.

Weitere Präsidenten als Sklavenhalter

Insgesamt waren 12 US-Präsidenten Sklavenhalter. Neben den bereits genannten noch Andrew Jackson (7. Präsident von 1829-1837), John Tyler (10./1841-1845), James K. Polk (11./1845-1849) und Zachary Taylor (12./1849-1850). Dazu kamen vier Präsidenten, die Sklaven besaßen, diese aber vor dem Antritt ihrer Amtszeit freiließen: Martin Van Buren (8./1837-1841), William Henry Harrison (9./1841), Andrew Johnson (17./1865-1867) und Ulysses S. Grant (18./1869-1877).

Die rechtliche Abschaffung der Sklaverei in den USA wiederum ist untrennbar mit dem 1865 ermordeten 16. Präsidenten (ab 1861), Abraham Lincoln, und seinem Nachfolger Andrew Johnson verbunden. Lincoln proklamierte 1863 mit der “Emanzipationsproklamation” die Freiheit aller Sklaven in den rebellischen Südstaaten und trieb das Vorhaben politisch massiv voran. Unter Johnson wurde der Verfassungszusatz, der die Sklaverei landesweit offiziell verbot, am 18. Dezember 1865 endgültig ratifiziert.