30 Kilogramm Kokain in Wien aus dem Verkehr gezogen

Drogenfahndern ist heuer die größte Sicherstellung von Kokain in Wien seit zehn Jahren gelungen. Die Ermittlungen von Herbst 2025 bis Februar dieses Jahres endeten mit dem Aufgriff von in Summe gut 30 Kilogramm Koks und sechs Festnahmen, sagte Christoph Hackl vom Landeskriminalamt am Montag. Die Gruppierung, die zusammen mittlerweile schon 17 Jahre und zwei Monate an unbedingten Haftstrafen ausgefasst hat, gehöre zu einer “mafiösen Struktur”.
Geschmuggelt wurden die Drogen aus Valencia in Spanien in einem speziell präparierten Mercedes-Benz-S-Klasse. Der Wagen verfügte über ein derart raffiniertes Geheimversteck mittels Magnetschalter hinter der Rückbank, dass die Suchtmittel bei “normalen” Kontrollen verborgen blieben. Erst forensische Untersuchungen durch Spezialisten des Bundeskriminalamts förderten die Schmuggelware ans Tageslicht, sagte Hackl. “Getarnt” hatte sich der Lenker, indem er Skiausrüstung mitführte.
Den Anstoß gab ein Hinweis auf eine serbische Tätergruppe, die rund um ein Meidlinger “Dealerlokal” einen regen internationalen Drogenhandel betreibe. Ermittler hefteten sich auf die Fersen eines 43-jährigen Serben, der von einer angemieteten Bunkerwohnung und Garage in einem Mehrparteienhaus in Liesing aus die Geschäfte leitete. Bei ihm wurden 20 Kilo Koks gefunden.
Aufgriff auch in Spielfeld
Die weiteren zehn Kilogramm waren da schon mit dem Schmuggelfahrzeug, gelenkt von einem professionellen Drogenkurier, in Richtung Slowenien unterwegs. Der 31-jährige Kroate wurde an der Grenze in Spielfeld geschnappt. Zudem wurden ein weiterer 31-Jähriger, österreichischer Staatsbürger und Lieferant von 27 Kilo Cannabisharz, festgenommen, ebenso zwei “Subdealer” des Hauptverdächtigen, ein Serbe (39) und ein Iraker (36), die für die Weiterverteilung der Drogen in Wien sorgten.
Im März mussten die Ermittler ihre Pläne zur weiteren Verfolgung der Gruppierung über den Haufen werfen: Ein dritter “Subdealer”, ein 38-jähriger österreichischer Staatsangehöriger, stellte für seine Ex-Frau, die er zuvor schon mehrfach gefährlich bedroht und auch gestalkt hatte, eine ernste Gefahr dar. “Die Delikte nach dem Suchtmittelgesetz und die Suchtmittelkriminalität wurden hinten angestellt, um gegen den Beschuldigten eine Festnahme zu erwirken und die Gefahr abzuwenden”, berichteten die Kriminalisten. Zu diesem Zeitpunkt hatten schon mehrere Betretungsverbote gegen ihn bestanden, dazu kam dann noch die Morddrohung. Bei der Anhaltung hatte der 38-Jährige eine geladene Faustfeuerwaffe in der Mittelkonsole seines Autos griffbereit.
“Femizid verhindert”
“Das unterstreicht aus unserer Sicht auch die Gewaltbereitschaft und die Gefahr”, betonte Hackl. Unter anderem dürfte der Mann am Pkw seiner Ex-Frau einen Peilsender angebracht haben. “Ein verhinderter Femizid” sei mehr wert als alle Drogenaufgriffe, meinten die Ermittler sinngemäß.
Insgesamt erfolgten somit fünf Festnahmen wegen grenzüberschreitender Suchtmittelkriminalität und eine weitere in erster Linie wegen der Morddrohung. “Insgesamt konnten über 30 Kilogramm Kokain mit einem Schwarzmarktwert von circa drei bis 3,5 Millionen Euro sichergestellt werden, weitere 27 Kilogramm Cannabisharz, eine fünfstellige Summe an Bargeld sowie drei Fahrzeuge, wo die Abschöpfung veranlasst wurde”, hieß es abschließend.