40 Jahre Mountainfilmfestival Graz mit großen Sonderprogramm

In Graz ist vom 17. bis 21. November im Congress und im Schubertkino die Jubiläumsausgabe des 1986 gegründeten internationalen Mountainfilmfestivals zu sehen. Gezeigt werden 79 Filme aus 270 Einreichungen aus 32 Ländern. Erstmals seit langem ist wieder Japan dabei, aber auch Beiträge aus Albanien oder der Türkei gibt es. “Es ist eine Institution geworden”, sagte Organisator Robert Schauer zu der Veranstaltung mit vielen Rückblicken auf 40 Jahre und alten Haudegen als Gästen.
“Als ich die verrückte Idee hatte, vor fast 40 Jahren, begann es hier im Congress”, sagte Schauer bei der Programmpräsentation am Mittwoch in Graz. Der Vertreter des Hauptsponsors Dachstein Seilbahnen, Aufsichtsratschef Michael Krainer, sagte über Festivalmotor Schauer: “Es ist unglaublich, wie vielseitig solche Menschen sind, speziell er. Robert hat eine Spengler- und Glasermeisterlehre gemacht und dann ein Medizinstudium begonnen, aber abgebrochen, weil er sich ganz dem Bergsteigen gewidmet hat. Er stand auch als erster Österreicher am Mount Everest.”
Block mit Siegerfilmen aus vier Jahrzehnten
Das Festival besteht heuer aus zwei Teilen, dem Hauptprogramm vom 17. bis 21. November sowie einer Jubiläumsveranstaltung am 10. und 11. November im Rechbauerkino. Bei letzterer werden ausgewählte Siegerfilme aus 40 Festivaljahrzehnten gezeigt, in einem Nachmittags- und einem Abendblock. Höhepunkte dabei sind Filme wie Fulvio Marianis “Cumbre – Cerro Torre” aus dem Jahr 1986. Mariani holte sich mit dem Streifen damals den Hauptpreis und startete damit seine Karriere.
Im Wettbewerb in der Kategorie Alpinismus und Expeditionen ist u. a. “Simon Messner – Aus dem Schatten” von Veronika Kaserer zu sehen. “Simon Messner kommt leider nicht”, sagte Schauer zu der “sehr persönlichen Geschichte” über den Bergsteiger und Sohn Reinhold Messners. Der Film läuft als Österreich-Premiere. In dieser Kategorie sind 16 Filme zu sehen.
“Das Flüstern der Wälder”
In der Kategorie Sport in Berg- und Naturräumen (19 Filme) zeigt man unter anderem “The Dawn Wall by your Side” über die Franzosen Seb Berthe und Soline Kentzel, die auch Regie führte. “Eine außergewöhnliche Seilschaft”, so Schauer über die beiden, die auch Nachtklettertouren im Yosemite National Park wagen.
Sehr stark bestückt ist traditionell die Kategorie Natur und Umwelt mit 34 Filmen. Einer davon ist “Das Flüstern der Wälder” des Franzosen Vincent Munier. Dieser spielt laut Schauer mit dem “magic element” der Waldlandschaften. Die vielen Tieraufnahmen sind nicht gestellt, es wurde geduldig gewartet – und somit über drei Jahre in den Vogesen gedreht.
Internationale Talk-Gäste
Ein Dutzend Filme werden in der Kategorie “Menschen und Kulturen” gescreent. “Bergdenken. Versuch über das Elementare” des Österreichers Wolfgang Tonninger beschäftigt sich mit den kleinen Dingen, auch mit dem Romantikbegriff in der Natur. Es gebe zwei Seiten des Abenteuers, heißt es in dem Streifen. Das wäre einerseits das Vorbereiten in jeder Hinsicht und andererseits das Feiern des Zufalls. Schauer nannte noch die Doku des Grazers David Immanuel Rauchenberger “The Kogi. An Indigenous Tribe from the Heart of the World”.
Im Sonderprogramm des Festivals gibt es einen Rückblick auf alpine Großtaten. “Nanga Parbat – Echoes of Sisyphus” von Tom Dauer hat die mehrmaligen Versuche David Göttlers zum Thema, den Berg zu erklimmen. Göttler und Dauer werden auch zum Bühnengespräch am Donnerstag, 19. November, im Steiermarksaal des Congress erscheinen. Eine Weltpremiere ist der ORF-Film “Steile Welt – zwischen Abgrund und Zuflucht” von Patrick Centurioni am Freitag, 20. November.
Lange Nacht des Mountainfilms
Würdigungen sind für zwei große alpine Namen im Spezialprogramm vorgesehen: “Leo Dickinson im Porträt”. Der 80-jährige Brite und seine Frau Mandy sind am Donnerstag, 19. November, zu Gast, wenn das Porträt des Deutschen Werner Bertolan gezeigt wird. Dickinson überfuhr den Everest in einem Heißluftballon, porträtierte Peter Habeler und Reinhold Messner am Everest bei deren Besteigung ohne Sauerstoffflaschen. Weiters steht eine Würdigung von Leo Schlömmer zum 90. Geburtstag samt Bühnengespräch am Programm. Schlömmer war Heeresbergführer, einer der ersten Steirer im Kletterparadies Yosemite und Teilnehmer zahlreicher Expeditionen auf höchste Gipfel weltweit.
Den Abschluss bildet wie jedes Jahr die Verleihung der Preise und die lange Nacht des Mountainfilms am letzten Festivaltag am 21. November. Hier wird auch bei freiem Eintritt der Film von Günther Schilhan “Das gibt mir Berge! 40 Jahre Mountainfilm Graz” gezeigt. Mit exakten Daten zum Jubiläum wollte Schauer nicht aufwarten: “Ich bin kein Zahlenmensch”, er tracke auch nicht seine Wanderungen mit Uhr am Handgelenk. Aber “einige tausend Filme und einige zigtausend Besucher” werden es schon gewesen sein, sagte er. Das Budget – 2025 waren es rund 350.000 Euro – belaufe sich auf unter 400.000 Euro. “Mit unbaren Kooperationen haben wir ein wenig die Kurve gekratzt, Gott sei Dank hat es keine Kürzung durch das Land Steiermark gegeben.” Die Ticketpreise seien gleich geblieben, nur bei Sonderveranstaltungen habe man sie erhöht. Schauer berichtete von 72 Prozent Auslastung im Jahr 2025, doch leichter werde es für Veranstalter wohl nicht werden. “Es ist hier leider keine Perspektive des Verbesserns in Sicht”, sagte der 73-jährige Grazer.
(S E R V I C E – Mountainfilm Graz 2026 vom 17. bis 21. November im Congress und im Schubertkino, Tickets: )