50 Euro für einen Kaffee: Debatte nach Filmfestival Venedig

50 Euro für einen Kaffee und Hotelzimmer für mehrere Hundert Euro pro Nacht: Auch nach Ende der Filmfestspiele von Venedig hält die Debatte über das Preisniveau auf dem Lido an. Hoteliers weisen den Vorwurf überzogener Preise zurück und verweisen auf die üblichen Marktmechanismen bei einem Großereignis mit hoher Nachfrage.
Ausgelöst wurde die Debatte unter anderem durch Äußerungen von Alberto Barbera, dem Direktor der Filmfestspiele. Er kritisierte, dass der Lido während des Filmfestivals teurer sei als Cannes. Vertreter der Hotellerie widersprechen dieser Darstellung und fordern einen sachlichen Dialog mit den Organisatoren des Festivals.
Streit über die Kosten ist nicht neu
Michela Cafarchia, Präsidentin des Konsortiums “Venezia e il suo Lido”, schlug vor, bereits im Oktober Gespräche zwischen Hoteliers und der Biennale, die das Festival organisiert, aufzunehmen. Ziel müsse es sein, die Unterbringung während der Filmfestspiele besser zu planen und wiederkehrende Kontroversen über die Preise zu vermeiden.
Der Streit über die Kosten ist nicht neu. Die Diskussion gehört inzwischen zu den regelmäßigen Themen rund um das Ende des Filmfestivals. Cafarchia verwies darauf, dass ihr Verband bereits seit Jahren mit der Biennale zusammenarbeitet. In 24 Hotels würden rund 200 Zimmer für Gäste der Biennale zu vorher vereinbarten Preisen reserviert. Der Verband verfüge zudem über eine Plattform, mit der Angebot und Nachfrage in Echtzeit beobachtet werden könnten, sagte Cafarchia. Ein Vergleich mit Cannes während der dortigen Filmfestspiele habe gezeigt, dass auch dort hohe Preise verlangt würden. In Cannes seien beispielsweise Vier-Sterne-Hotels mit Preisen von rund 1.000 Euro pro Nacht sowie Drei-Sterne-Häuser mit ebenfalls hohen Preisen gefunden worden.
440 Euro pro Nacht für ein Vier-Sterne-Zimmer
Auch Antonio Vianello von der “Associazione Veneziana Albergatori” rief zur Differenzierung auf. Wenn ungewöhnlich hohe Preise festgestellt würden, sollten diese gemeldet und überprüft werden. Für ein Vier-Sterne-Zimmer auf dem Lido habe der durchschnittliche Preis während der Filmfestspiele bei etwa 440 Euro pro Nacht gelegen.
Besonders viel Kritik löste ein Vorfall im traditionsreichen Hotel Excelsior aus, das während des Filmfestivals zu den zentralen Hotels für Interviews mit Filmstars gehört. Ein Kaffee für 50 Euro und Einschränkungen beim Fotografieren sorgten für Beschwerden bei der Biennale. Nach Angaben aus dem Umfeld der Filmfestspiele wurden die Vorwürfe inzwischen an die Eigentümergesellschaft in London weitergeleitet.
“Normale Marktlogik”
Für Teodoro Russo, Präsident des Luxushotels Grande Albergo Ausonia Hungaria, sind die hohen Preise dagegen Ausdruck normaler Marktmechanismen. “Das sind normale Marktlogik und normale Marktentwicklung”, sagte Russo der Tageszeitung “Il Gazzettino”.
Die Filmfestspiele dauerten lediglich zehn Tage, während die Hoteliers das ganze Jahr über hohe Kosten hätten, um ihre Betriebe aufrechtzuerhalten, argumentierte Russo. Statt über die Preise zu streiten, könne man sich beispielsweise fragen, warum auf dem Lido kein dauerhaftes Filmmuseum eingerichtet werde. Eine solche Einrichtung könnte auch außerhalb der Festivalzeit Besucher anziehen und ganzjährig Arbeitsplätze schaffen.