Afrika blickt auf zehn Jahre wirtschaftlichen Aufschwungs
In Afrika verbessern sich vielerorts die Bedingungen für die Wirtschaft, während Sicherheit und politische Freiheiten abnehmen. In 44 der 54 Länder gab es in den vergangenen zehn Jahren wirtschaftliche Fortschritte, in 34 Ländern dagegen Rückschritte bei Sicherheit und Rechtsstaatlichkeit. Das zeigt eine in Kairo vorgestellte Untersuchung der Mo-Ibrahim-Stiftung für die Jahre 2016 bis 2025.
Fast die Hälfte der Afrikaner lebt demnach in 25 Ländern, in denen beides gleichzeitig geschah: Die wirtschaftlichen Bedingungen verbesserten sich, während Sicherheit und Rechtsstaatlichkeit insgesamt nachließen. Bewertet wird dabei unter anderem, wie gut Menschen vor Gewalt geschützt werden, ob Regierungen Gesetze einhalten und Gerichte unabhängig urteilen. Wo auch diese Bereiche Fortschritte machten, fiel der wirtschaftliche Zugewinn im Schnitt allerdings größer aus.
Mehr Internet, weniger politische Mitsprache
Die größten Fortschritte gab es beim Ausbau der Infrastruktur, vor allem bei Mobilfunk, Internet und Stromversorgung. Auch Gesundheit, Bildung und die Gleichstellung von Frauen wurden im Durchschnitt besser bewertet. So verbesserten sich etwa die gesetzlichen Regelungen gegen Gewalt an Frauen.
Deutliche Rückschritte gab es dagegen bei der politischen Mitsprache und der Sicherheit. In vielen Ländern schrumpfte der Spielraum für Bürgerinitiativen und andere gesellschaftliche Gruppen. Auch die Meinungs- und Glaubensfreiheit sowie die Kontrolle staatlicher Macht wurden schlechter bewertet. In 31 Ländern verschlechterte sich die Gesamtlage bei politischer Beteiligung, Rechten und Gleichberechtigung.
Insgesamt schnitten 30 Staaten besser ab als 2016, 23 dagegen schlechter, einer blieb unverändert. Weil darunter mit Nigeria, der Demokratischen Republik Kongo und Südafrika einige der bevölkerungsreichsten Länder zu den Verlierern gehören, lebt mehr als die Hälfte der Menschen Afrikas in Staaten, deren Gesamtbewertung gesunken ist.
Seychellen an der Spitze, Südsudan Schlusslicht
Für den seit 2007 veröffentlichten Index wertet die Stiftung des sudanesischen Unternehmers Mo Ibrahim Daten zu staatlichen Leistungen aus, darunter Sicherheit, politische Rechte, wirtschaftliche Rahmenbedingungen, Gesundheit und Bildung.
Am besten schnitten die Seychellen ab. Der Inselstaat verzeichnete zugleich den größten Fortschritt innerhalb von zehn Jahren. Dahinter folgen Mauritius und die Kapverden. Marokko schaffte es als einziges neues Land unter die besten zehn und teilt sich mit dem Senegal den siebenten Platz. Schlusslicht blieb der Südsudan, gefolgt von Somalia und dem Sudan.
Den stärksten Rückgang verzeichnete Burkina Faso, wo islamistische Gewalt das Land erschüttert und das Militär nach zwei Putschen 2022 politische Freiheiten zunehmend einschränkt. Auch Nigeria, das bevölkerungsreichste Land Afrikas, gehört zu den größten Verlierern. Dort verschlechterten sich sowohl die wirtschaftlichen Rahmenbedingungen als auch Sicherheit und Rechtsstaatlichkeit. Besonders stark fiel die Bewertung zudem im Sudan, wo seit 2023 ein verheerender kriegerischer Machtkampf auf dem Rücken der Zivilbevölkerung ausgetragen wird.