AK zu Nahrungsergänzungsmitteln: Ohne Befund nicht sinnvoll

21.10.2026 • 12:26 Uhr
AK zu Nahrungsergänzungsmitteln: Ohne Befund nicht sinnvoll

Knapp zwei Drittel der 14- bis 25-Jährigen in Österreich nehmen Nahrungsergänzungsmittel (Supplements) ein. Das ist das Ergebnis einer Umfrage, die laut Arbeiterkammer Wien zwar nicht repräsentativ für die Bevölkerungsgruppe ist, aber valide Ableitungen zulasse. Beliebt sind vor allem Whey Protein sowie Vitamine und Mineralstoffe. Auf die Frage, was davon sinnvoll sei, betonte AK-Ernährungsexpertin Petra Lehner: “Ohne Befund gar nichts.” Die AK fordert Regeln und Kontrollen.

Es werde sehr viel Geld ausgegeben “für Produkte, die man vielleicht überhaupt nicht braucht und die eigentlich gesundheitlich gar keinen Sinn machen für einen”, sagte Gabriele Zgubic, Leiterin der AK Wien Konsumentenpolitik. “Ich muss den Bedarf wissen, den jetzigen Stand, und dann kann ich es implementieren”, betonte Lehner.

Vitamine könnten Sinn machen in Zeiten des erhöhten Bedarfs, also durchaus im Wachstum von Jugendlichen und bei Schwangeren und Stillenden. Für Proteinpulver gebe es keine generelle Evidenz, für Kreatin “ein bisschen”, sagte Lehner. “So grundsätzlich eine Empfehlung zum Supplementieren gibt es auch da nicht und die Supplemente im Sport machen erst dann Sinn, wenn ich mindestens fünf Stunden pro Woche trainiere.”

Viele glauben Influencern

Laut der Online-Befragung der Österreichischen Gesellschaft für Ernährung (ÖGE) mit 569 Teilnehmenden von 14 bis 25 Jahren haben 65 Prozent in den drei Monaten zuvor mindestens ein Nahrungsergänzungsmittel eingenommen. Im Schnitt sind es mindestens vier verschiedene Produktkategorien und die ältere Gruppe der 18- bis 25-Jährigen nimmt signifikant mehr ein als die Jüngeren. Whey Protein wurde ebenso von 46 Prozent der Befragten konsumiert wie die Gruppe der Vitamine und Mineralstoffe, gefolgt von Omega-3-Fettsäuren mit 43 Prozent.

48 Prozent gaben an, Supplements zur Stärkung des Immunsystems einzunehmen, 45 Prozent zum Muskelaufbau und 37 Prozent zur Vorbeugung von Mängeln. Burschen geht es mehr um den Muskelaufbau, Mädchen um die anderen beiden Kategorien, berichtete Lehner. Überwiegende Informationsquelle zu dem Thema sind laut der Umfrage digitale Medien mit sogenannten Fitfluencern, Healthfluencern sowie Coaches für die Gesundheit und für die Sportebene. Fachleute sowie Ärztinnen und Ärzte spielen eine eher untergeordnete Rolle. Neun von zehn der jungen Menschen vertrauen auf nicht gesicherte Informationen, warnte Lehner.

Pflichten und Kontrollen

Nahrungsergänzungsmittel sind Lebensmittel und fallen daher unter lebensmittelrechtliche Vorschriften, erläuterte Zgubic. Laut Agentur für Gesundheit und Ernährungssicherheit (AGES) würden Nahrungsergänzungsmittel oft beanstandet, vor allem wegen Kennzeichnungen, die nicht die Kriterien erfüllen. Hier sieht die AK ebenso Nachschärfungsbedarf wie im digitalen Raum, wo Plattformen und Influencer stärker in die Pflicht genommen werden sollten und irreführende Werbeaussagen wirksam bekämpft werden müssten, forderte Zgubic.

Ernährungsberaterinnen und -berater brauchen eine Gewerbeberechtigung und eine entsprechende Ausbildung. “Auch für jene, die behaupten, sie sind Ernährungsexperten im Netz, müssen diese Vorschriften gelten”, so Zgubic. “Was auch noch fehlt, sind gesetzliche Höchstmengen für Vitamine, Mineralstoffe und Ähnliches, um Überdosierungen zu vermeiden”, betonte sie.