Kurz vor „Die Höhle der Löwen“ stellten sie alles auf den Kopf

Karim und Mia Allouche wollen mit ihrer App Bewegung zum Zahlungsmittel machen. Kurz vor „Die Höhle der Löwen“ änderten sie nicht nur den Namen, sondern noch einiges mehr.
“Sie wissen schon, wo Sie sind?” Als Karim Allouche von einem Anruf bei der Österreichischen Gesundheitskasse (ÖGK) erzählt, muss er lachen. Rund fünf Jahre liegt dieser zurück, seine Geschäftsidee war gerade erst entstanden.
Während der Corona-Pandemie im Jahr 2021 beschäftigte Allouche und seine Tochter Mia noch ein ganz anderes Thema, nämlich der Bewegungsmangel der Bevölkerung. Allouche erinnert sich damals eine Statistik der Weltgesundheitsorganisation (WHO) gelesen zu haben. “75 Prozent der Menschen bewegen sich weltweit zu wenig und die Weltgesundheitsorganisation hat damals von 150 moderaten Bewegungsminuten gesprochen. Das heißt, drei Spaziergänge auf 50 Minuten pro Woche ist für drei Viertel der Weltbevölkerung nicht mehr möglich.”
Die Folgen seien vielfältig: Krankheiten wie Depressionen, Krebs, Diabetes oder Fettleibigkeit. Selbst zu Suiziden soll es durch die fehlende Produktion verschiedener Hormone gekommen sein. Beispielhaft nennt Allouche Endorphin, Dopamin und Adrenalin, die durch Bewegung natürlich produziert werden.
Schließlich stellten sich Karim und Mia Allouche die Frage, warum Bewegung nicht belohnt wird. Er rief bei der Gesundheitskasse an, wollte 120 Euro für täglich 10.000 Schritte im vorangegangenen Monat. Die Antwort sei oben stehende verdutzte Nachfrage und die Klarstellung gewesen: “Dafür haben wir kein Budget.”

Bewegung als Zahlungsmittel
Fünf Jahre später vertreibt Allouches Unternehmen Svax Gmbh die App “Move2Pay”. Der Gedanke dahinter ist Bewegung zu belohnen. Die App wird aufs Handy geladen, anschließend mit einer Fitness-App – beispielsweise “Apple Health” oder “Health Connect” – verknüpft. Durch Bewegung und sportliche Betätigung wird anhand eines standardisierten Koeffizienten die errechnete Belastung in Guthaben umgerechnet. Über die App können Produkte von rund 100 Partnermarken eingekauft und bis zu 50 Prozent des Einkaufs über Bewegungsguthaben bezahlt werden. Bei den meisten Partnern seien es zwischen 30 und 40 Prozent.
Durch die verschiedenen Spezialisierungen der Partnerunternehmen ist neben Sportartikeln vom Hundefutter über Zahnbürsten bis hin zu Lebensmitteln das Guthaben für ein breites Sortiment an Warengruppen einlösbar.
Allouche strebt an, Bewegung als ergänzende Zahlungsmethode im stationären Handel – also in herkömmlichen Lebensmittelgeschäften oder kleinen Gewerben wie Bäckereien – zu etablieren. Dieses Ziel verbindet er mit einer konkreten Zahl. “Ich glaube, wenn wir es schaffen würden, eine Million Österreicher auf die App zu bringen, dann sind wir im stationären Handel.” Das könne ab 2028 in seinen Augen bereits Thema werden.
Weg mit vielen Fehlern
Das Unternehmen hat seine Hauptniederlassung inzwischen in Wien. Dort werden aktuell zehn Mitarbeiter beschäftigt. Viel Arbeit fließt in den Social-Media-Auftritt. Instagram, TikTok, LinkedIn und Facebook werden bespielt.
“Fünf Mitarbeiter sind in Wien aktuell für Social Media zuständig. Der eine ist für Influencer-Marketing zuständig, der andere für die Meta-Ads, der nächste ist Videograf, macht also Videos, die Medien posten”, führt Mia Allouche zwischenzeitlich den Aufwand an. Das Unternehmen wächst derzeit, gerade erst seien drei weitere Personen eingestellt worden.
Bis zu diesem Punkt mussten jedoch einige Schwierigkeiten überwunden werden. Über die Jahre hinweg wurden fünf Millionen Euro investiert und wie Karim Allouche anmerkt “viele, viele Fehler gemacht”. Darum ist er “Startup V” dankbar. Diese bezeichnen sich selbst als “zentrale Anlaufstelle für Startups in Vorarlberg”. Die Initiative unterstützt junge Gründungsvorhaben, berät und fördert einen aktiven Austausch auch zwischen den Unternehmern.
Das Konzept für “Move2Pay” sei durch diese Unterstützung komplett neu aufgebaut worden. Beispielsweise wurde aus einem B2B-Vertrieb, also von Unternehmen an andere Unternehmen, ein B2C-System. Nun wird der Einzelkunde beziehungsweise Endverbraucher direkt angesprochen.
Allouche ist daher wichtig zu erwähnen: “Das muss ich noch einmal betonen, ohne Startup V würden wir heute das Interview nicht führen.”
Höhle der Löwen
Die Entwicklung hat Karim und Mia Allouche auch auf die Fernsehbühne geführt. Vor rund sechs Monaten waren sie zu Gast bei der deutschen Show “Die Höhle der Löwen”, wo sich junge Startup-Unternehmen bei bekannten Geschäftsleuten für ein Investment bewerben. Die Episode wird am Montag, 19. Oktober um 20.15 Uhr auf VOX ausgestrahlt. Aus rechtlichen Gründen darf vor Ausstrahlung nicht bekannt gegeben werden, ob einer der “Löwen” investiert hat.

Vater und Tochter sprechen von einem langen Auftritt und dass zum ersten Mal seit der Sendung eine Ruhephase eingekehrt sei. Die App habe in den vergangenen Wochen, seit der Fernsehauftritt angekündigt wurde, überproportional viele Nutzer hinzugewonnen.
Was allerdings nicht zu sehen sein wird, ist die Arbeit, welche dem Auftritt voranging. Karim Allouche zählt auf, was das Unternehmen knapp zwei Wochen vor dem Fernsehauftritt machte: Logo geändert, Website und App komplett umgebaut, sodass Shoppartner ersichtlich wurden. Zu Grunde liegt nämlich, dass der Name geändert wurde. Aus “benmo” wurde erst vor wenigen Monaten der sprechende Name “Move2Pay”.