Alpenverein will mehr Bundesmittel für alpine Infrastruktur

Der Österreichische Alpenverein (ÖAV) hat auf eine generelle massive Aufstockung der Bundesmittel für den Erhalt von alpiner Infrastruktur gedrängt. Notwendig seien angesichts der finanziellen Herausforderungen für alpine Vereine rund um Hüttensanierungen und Wegeerhalt “95 Millionen Euro auf einen Zeitraum von fünf Jahren”, sagte Georg Unterberger, Leiter der Abteilung Hütten und Wege beim ÖAV, am Donnerstag bei einer Pressekonferenz in Hall in Tirol.
Die aktuelle Aufstockung der Fördermittel “reicht absolut nicht aus”, strich er heraus. Die schwarz-rot-pinke Bundesregierung hatte sich im Juli 2025 darauf geeinigt, die Förderung für alpine Vereine für die Jahre 2026 und 2027 auf jeweils 7,72 Millionen zu erhöhen. Das ist doppelt so viel wie bisher. Zuvor hatte der ÖAV eine Verankerung der Hüttenfinanzierung im Regierungsprogramm gefordert.
Zweifel an künftiger Förderstruktur
“Wir werden im Regen stehen gelassen”, erklärte Unterberger zu den gewährten Fördermitteln. Immerhin habe allein der ÖAV österreichweit 223 Schutzhütten und 226.000 Kilometer Wege unter seiner Ägide. “Es gibt bei uns und auch bei anderen alpinen Vereinen einen großen Sanierungsstau, der mit den 95 Millionen angegangen werden könnte”, so der Leiter der ÖAV-Abteilung. Dass dieses Geld künftig auch tatsächlich fließt, zweifelte Unterberger aber an. Die Budgetrede von Finanzminister Markus Marterbauer (SPÖ) am Mittwoch lasse nämlich “nichts Gutes vermuten, was die Förderstruktur betrifft”, hielt Unterberger fest.
Fakt sei jedenfalls, dass der ÖAV stark damit zu kämpfen habe, dass Schutzhütten zum Teil “mehr als 100 Jahre alt sind” und dringend saniert gehörten, führte er aus. “Allein heuer stecken wir 25 Millionen in die Instandhaltung von Hütten und Wegen”, nannte er konkrete Zahlen. Wege könnten grundsätzlich nur deshalb erhalten werden, weil dies größtenteils auf Ehrenamt basiere. Sanierungen und auch Neubauten am Berg würden sich außerdem unter ganz besonderen Bedingungen abspielen: “Das Bauen am Berg ist doppelt so teuer wie im Tal.”
Dazu komme eine herausfordernde Lage in der Baubranche: “Firmen legen zum Teil gar keine Aufträge mehr für Bauten am Berg, weil es sich im Tal leichter kalkulieren lässt und es sicherer ist.” Weiters belasteten zum Teil komplexe und lange Behördenwege die Bauvorhaben im alpinen Gelände.
Beginn des Glungezerhütte-Umbaus
Dass es zu einem solchen langen Behördenverfahren nicht komme, hoffte man indes hinsichtlich des geplanten Umbaus der Tiroler Glungezer-Hütte, der bei dem Pressegespräch präsentiert wurde. “Die Einreichpläne sind abgeschickt, im Sommer 2027 soll der Baubeginn sein”, skizzierte Romed Giner, erster Vorsitzender des Alpenvereins Hall in Tirol, die Pläne. Finanziell zu Buche schlagen werde der Umbau mit rund drei Millionen Euro, von denen “80 bis 90 Prozent vom Alpenverein selbst übernommen werden.”
Einstiges “Starthäuserl” mit besonderem Charakter
Bei der Schutzhütte am Glungezer handle es sich um eine “historisch gesehen ganz besondere Hütte”, führte Herbert Freund, Hüttenreferent des Alpenvereins Hall in Tirol, aus. Diese sei 1932 “aus einem Ski-Starthäuserl” entstanden und über die Jahre sukzessive erweitert worden.
Eine historische Verantwortung, der sich auch Architekt Armin Neurauter, der den ausgelobten Architekturwettbewerb für sich entschied, bewusst war. “Für mich war es wichtig, dass man den ganz besonderen Charakter nach der Sanierung auch wieder erkennt”, betonte Neurauter. Dazu brauche es “keine spektakuläre, extravagante Architektur”, meinte er zu seiner Vorstellung von Form und Gestaltung des Umbaus auf 2.610 Metern Seehöhe.