Angriffe am 35. Jahrestag von Unabhängigkeit der Ukraine

24.08.2026 • 17:23 Uhr

Am 35. Jahrestag der Unabhängigkeit der Ukraine ist das Land erneut von Russland attackiert worden. Ein Angriff in der Stadt Charkiw tötete nach Angaben des regionalen Gouverneurs in der Nacht auf Montag drei Menschen. In der Industriestadt Pawlohrad gab es einen Toten und zwei Verletzte. Parallel dazu wurden bei einem Drohnenangriff auf Tschernihiw mindestens 20 Menschen verletzt. Bei ukrainischen Gegenangriffen starben in Russland fünf Menschen, darunter drei Kinder.

Daraufhin ermächtigte der russische Präsident Putin am Montag die Behörden, die Kontrolle über unzureichend geschützte kritische Infrastrukturen zu übernehmen. Damit reagierte Putin auf die zunehmenden ukrainischen Drohnenangriffe etwa auf Ölraffinerien und Logistikzentren.

Die Regelung erlaubt es, Vermögenswerte sowie Eigentumsrechte unter vorübergehende staatliche Zwangsverwaltung zu stellen, wenn die Betreiber ihre Schutzpflichten verletzen oder Schäden nach Angriffen zu langsam beheben, hieß es in dem am Montag veröffentlichten Erlass. Betroffen sind unter anderem Einrichtungen aus den Bereichen Energie, Industrie, Verkehr, Logistik und Kommunikation, die für die Sicherheit und wirtschaftliche Stabilität des Landes von zentraler Bedeutung sind.

Putin hatte die Regierung in der vergangenen Woche angewiesen, ein Wiederaufbauprogramm für beschädigte Gewerbe- und Lagerhallen aufzulegen. Vor allem die Attacken auf Raffinerien werden in Russland zunehmend zu einem Problem. Ein Mangel an Benzin und Diesel sorgt in der Bevölkerung für Unmut. An Tankstellen bilden sich vielerorts lange Schlangen, mitunter ist die Abgabe von Treibstoff bereits rationiert.

Ukraine und Russland tauschen Gefangene aus

Unterdessen erhielt Kiew nach Angaben von Präsident Selenskyj zehn als vermisst geglaubte Soldaten aus russischer Kriegsgefangenschaft zurück. Die Angehörigen der Streitkräfte und der Nationalgarde seien bei einer über Belarus organisierten Sonderphase des Gefangenenaustausches in die Heimat zurückgekehrt, teilte Selenskyj bei Telegram mit. Er veröffentlichte Fotos der in ukrainische Flaggen gehüllten Männer. “Sie haben das Land an der Front im Raum Donezk verteidigt. Sie alle galten als vermisst. Und es ist sehr wichtig, dass es uns gelungen ist, sie zurückzuholen”, sagte Selenskyj. Details nannte er nicht.

Weil Selenskyj von einem Austausch sprach, dürfte auch die russische Seite Gefangene zurückerhalten haben. Nach Medienberichten erhielt Moskau ebenfalls zehn Soldaten zurück. Eine offizielle russische Bestätigung stand noch aus.

Selenskyj: Ukraine “nicht bereit, sich einfach zu ergeben”

Laut Präsident Wolodymyr Selenskyj strebt die Ukraine weiterhin ein Ende des Krieges an, ist jedoch nicht bereit, bedingungslos aufzugeben. “Die Ukraine will unbedingt Frieden, doch sie ist nicht bereit, sich einfach zu ergeben”, sagte Selenskyj am Montag in einer Rede zum Unabhängigkeitstag in Kiew.

Während in Kiew Vorbereitungen für die Feierlichkeiten liefen, tötete in Charkiw ein russischer Angriff in der Nacht auf Montag drei Menschen und verletzte zahlreiche weitere, wie Gouverneur Oleh Synjehubow über den Kurznachrichtendienst Telegram mitteilte. Die Suche nach weiteren möglichen Opfern dauere an.

Darüber hinaus traf das russische Militär nach eigenen Angaben einen Tanker mit Treib- und Schmierstoffen für ukrainische Truppen in der Nähe von Odessa. Das Schiff habe sich im Hafen von Piwdennyj befunden, teilte das Verteidigungsministerium in Moskau mit. Zudem seien Anlagen der Hafeninfrastruktur getroffen worden, die zum Entladen und Lagern von militärischen Gütern genutzt würden. Eine Stellungnahme der Ukraine dazu lag zunächst nicht vor.

Ukraine verübte in Russland Gegenangriffe

Das ukrainische Militär griff unterdessen die russische Region Belgorod mit Drohnen an. Dabei wurden zwei Menschen getötet. Zwei weitere Personen wurden verletzt, wie die Regionalregierung auf dem Kurznachrichtendienst Telegram mitteilte. In der südrussischen Stadt Krasnodar kamen nach Angaben des örtlichen Gouverneurs drei Kinder durch herabstürzende Drohnentrümmer ums Leben. Neun weitere Menschen seien verletzt worden, als die Trümmerteile in der Nacht eine private Kindertagesstätte trafen, teilte Gouverneur Wenjamin Kondratjew über den Kurznachrichtendienst Telegram mit.

Außerdem verübte die Ukraine nach Angaben des russischen Online-Händlers Ozon Drohnenangriffe auf vier seiner Logistikzentren im Süden Russlands. Die Aktien des Unternehmens brachen zum Wochenauftakt an der Moskauer Börse ein. In einer Anlage in Machatschkala in der Republik Dagestan sei ein Feuer ausgebrochen, teilte der Wildberries-Rivale Ozon mit. Ersten Erkenntnissen zufolge seien dort mehrere Menschen verletzt worden. Der Betrieb sei eingestellt worden. Außerdem stürzten Trümmer auf Wohnhäuser und lösten einen Brand in Lagerhallen aus. Auch in der russischen Region Dagestan im Nordkaukasus setzten herabstürzende Drohnentrümmer Lagerhallen in Brand, wie die Nachrichtenagentur Interfax unter Berufung auf regionale Behörden meldete.

Der Kommandant der ukrainischen Drohnentruppen, Robert Browdi, gratulierte mit den Treffern seinem Land zum 35. Jahrestag der Unabhängigkeit. “Moskau wird fallen!”, schrieb er auf Telegram. Es seien insgesamt 66 russische Ziele getroffen worden, darunter ein Kampfflugzeug im Gebiet Rostow. Dort wurde außerdem eine russische Rüstungsfabrik angegriffen und dabei ein Brand ausgelöst. Auch diese Angaben sind von unabhängiger Seite nicht ohne Weiteres überprüfbar.