Anja Silja beim Österreichischen Musiktheaterpreis gewürdigt

Im weihevollen Ambiente der Wiener Votivkirche sind am Dienstagabend die Gewinner des 14. Österreichischen Musiktheaterpreises gekürt worden. Darunter fanden sich die 86-jährige Sopranlegende Anja Silja als Lebenswerk-Preisträgerin, Asmik Grigorian als aktueller Topstar des Stimmfachs und der geschasste Salzburger Ex-Festspielintendant Markus Hinterhäuser, der mit klaren Worten zu seinem Abgang aufhorchen ließ. Er wurde mit dem Großen Preis der Jury gewürdigt.
“Die Kunst ist so viel größer als der Kleingeist der Politik”, machte der 68-Jährige deutlich, von dem sich die Festspiele im März nach langen Diskussionen um seinen Führungsstil und Alleingänge getrennt hatten. “Mit seinem Mut zum Ungewöhnlichen, seiner programmatischen Weitsicht und seinem untrüglichen Gespür für außergewöhnliche Künstlerpersönlichkeiten hat er neue Räume für Begegnung, Diskurs und künstlerische Erfahrung geschaffen”, hatte die Jury unter Vorsitz von Kulturredakteur Heinz Sichrovsky indes die Zuerkennung der Ehrung an Hinterhäuser begründet. Als Laudator für Hinterhäuser hatte dann der Starschriftsteller Christoph Ransmayr fungiert, der seinem Weggefährten den tibetischen Gruß “Tashi Delek” entbot – der Wunsch inneren und äußeren Glücks.
Auch der im Juli für viele überraschend nicht von den Bühnen Graz unter Geschäftsführer Bernhard Rinner im Amt verlängerte Grazer Opernintendant Ulrich Lenz, kritisierte in einer Dankesrede die Kulturpolitik, ohne konkrete Namen zu nennen. “Es gibt in unserem Bereich Entscheidungsträger, denen die Qualität dessen, was wir machen, blunzenwurscht ist.” Da würden kurzsichtige Einsparungen nur zum Zwecke des eigenen Machterhalts getroffen.
Grigorian und Spyres holen sich Hauptrollen-Sparten
Mit Asmik Grigorian wurde in der Sparte Weibliche Hauptrolle eine der Entdeckungen Hinterhäusers ausgezeichnet. Die 45-jährige Litauerin, die mit der “Salome” bei den Festspielen einst ihren internationalen Durchbruch feierte, obsiegte mit ihrer Interpretation der Titelpartie der “Norma” am Musiktheater an der Wien. Ihr zur Seite stand am Abend in der Votivkirche der 1979 geborene US-Amerikaner Michael Spyres, der für seine Leistung als Giovanni Pierluigi Palestrina in “Palestrina” an der Wiener Staatsoper als beste männliche Hauptrolle gewürdigt wurde und sich in einer Eloge auf das Land der Preise erging: “Österreich ist eines der großartigsten Länder der Welt, weil man hier versteht, dass Kunst ein richtiger Beruf ist.”
In den Nebenrollensparten konnten sich Patricia Nolz (als Silla in “Palestrina” an der Staatsoper) und Jörg Schneider (als Doktor in “Drei Schwestern” bei den Salzburger Festspielen) jeweils den Sieg sichern. Der Titel als bester Regisseur ging an Claus Guth für seinen “Blaubart” und “Die menschliche Stimme” bei den Festspielen Erl, während Maxime Pascal für seine Leistung bei den “Drei Schwestern” im Rahmen der Salzburger Festspiele als bester Dirigent ausgezeichnet wurde.
Salzburger “Zaide” beste Oper
Ebenfalls nach Salzburg ging die Renommierkategorie Gesamtproduktion Oper, wobei das von Raphaël Pichon konzipierte, ungewöhnliche Mozart-Projekt “Zaide” bedacht wurde, während als beste Operette der von Josef E. Köpplinger gestaltete “Waldmeister” im Rahmen des Wiener Festjahres “Johann Strauss 2025” geehrt wurde. “Heutzutage ist das Wichtigste, dass wir frei bleiben”, unterstrich der 62-Jährige in seiner Dankesrede und gab damit den Grundton einer durchaus politischen Preisverleihung vor.
Mit der für das Genre ungewohnten Thematik des Holocaust hat das Musical “Briefe von Ruth” von Gisle Kverndokk in der Fassung der mittlerweile geschlossenen Kammeroper Wien sich die Würdigung als beste Musicalproduktion erspielt, während die Volksopern-Produktion “Alma” als Bio-Oper über Alma Mahler-Werfel von Komponistin Ella Milch-Sheriff den Titel der besten Uraufführung zugesprochen bekam. Und schließlich triumphierte das kleine Wiener Avantgardehaus Bronski & Grünberg mit seiner ESC-Hommage “Eurobronski” in der Sparte der besten Off-Produktionen.
Bei den am häufigsten bedachten Institutionen lagen die Salzburger Festspiele und die Volksoper Wien mit je drei Ehrungen an der Spitze, gefolgt von der Wiener Staatsoper und dem Tiroler Landestheater Innsbruck mit je zwei Auszeichnungen.
Ehrungen für Silja und Nucci
Abseits des aktuellen (kulturpolitischen) Geschehens wurden am Abend auch zwei große Namen der Oper für ihre Lebensleistung gewürdigt. Die 86-jährige, deutsche Sopranistin Anja Silja erhielt den Lebenswerkpreis, den sie persönlich entgegennahm. “Anja Silja hat Rollen nicht ausgelegt, sie hat sie sich angeeignet – mit einer Direktheit, die dem Musiktheater ihrer Generation oft fremd war”, begründete Karl-Michael Ebner als Präsident des Österreichischen Musiktheaterpreises die Ehrung der Künstlerin. Der Publikumspreis ging hingegen an den mittlerweile 84-jährigen Bariton Leo Nucci. Dieser bedankte sich mit angesichts seines Volumens immer noch beeindruckender Arie aus dem “Rigoletto” beim Publikum in der Votivkirche.
Gewinner des Österreichischen Musiktheaterpreises 2026
(S E R V I C E – )