Gross: “Ab jetzt gleicht niemand mehr den Verlust aus”

Pioneers-Geschäftsführer Christian Gross bezieht im Gespräch mit der NEUE Stellung zum Neuanfang der Pioneers ohne Pit Gleim. Gross gesteht Fehler ein, erklärt, warum die Feldkircher trotz Minibudget in der ICE Hockey League verbleiben – und geht auf die finanzielle Lage der Pioneers ein.
Ich freue mich, dass dieses Interview stattfindet, es gab von der NEUE ja immer wieder Interviewanfragen an die Pioneers, diese wurden aber immer kategorisch abgelehnt.
Christian Gross: Ich finde es auch gut, dass wir dieses Interview führen. Wir wollen bei den Pioneers einen etwas anderen Weg einschlagen, uns ist bewusst, dass wir in der Vergangenheit zu wenig kommuniziert haben.
Wir haben ein offenes Gespräch vereinbart, dementsprechend direkt fällt auch gleich die erste Frage aus: Viele in der Eishockeyszene wundern sich, dass die Pioneers nach dem Ausstieg des Präsidenten und Mäzen Pit Gleim mit einem abgespeckten Budget weitermachen, der Etat war ja davor schon nicht hoch. Der Kader ist extrem auf Kante genäht, sowohl qualitativ als auch quantitativ. Macht es so überhaupt einen Sinn?
Gross: Es wäre der einfachere Weg gewesen, aus der ICE Hockey League auszusteigen, aber aufgeben kam für uns nie infrage. Nach dem Ausstieg von Pit Gleim war uns bewusst, dass mit 31. Mai alles zu Ende sein kann, und ich sage das auch ganz offen: Dass wir weitermachen können, hat sich erst am Wochenende vor der Generalversammlung vom 1. Juni in Salzburg entschieden. Wir haben um den Ligaverbleib gekämpft, weil wir der Meinung sind, dass eine Eishockeyhochburg wie Vorarlberg in der ICE Hockey League vertreten sein muss.
Unter dem Motto: Wenn wir erst Mal draußen sind aus der Liga, kommen wir auch nicht so schnell wieder hinein?
Gross: So ist es, da braucht man sich keine Illusionen zu machen, wobei wir das schon auch standortunabhängig sehen. Vor uns waren jahrelang die Bulldogs der Vorarlberger Vertreter, die haben es unter anderen Voraussetzungen gut gemacht. Vor den Bulldogs hatte Vorarlberg viel zu lange keinen Klub in der höchsten Spielklasse, und das war nicht gut für das Eishockey in Vorarlberg. Wenn wir uns zurückgezogen hätten, wäre Vorarlberg wieder von der Profilandkarte in Österreich verschwunden. Das hätte den Eishockeysport hierzulande weit zurückgeworfen.

Was sagen Sie den durchaus vielen Vorarlberger Sportfunktionären, Ex-Spielern, Fans und Beobachtern, die offen mutmaßen: Die machen weiter in Feldkirch, weil Christian Gross und Michael Lampert ihren Gehalt behalten wollen?
Gross: Diese Stimmen kenne ich natürlich, als Vereinsverantwortlicher lernt man, mit solchen Übergriffen umzugehen.
Ich kenne solche hartnäckigen Attacken zum Beispiel von einigen Pioneers-Fans.
Gross: Man braucht ein dickes Fell, wenn man in der Öffentlichkeit steht, denn jedem kann man es nie recht machen. Wenn ich höre, Michael Lampert und ich würden wegen des Zahltags weitermachen, kann ich das klar verneinen. Zudem möchte ich gerne die Frage aufwerfen, wer diesen Schritt denn gegangen wäre. Ich trage das Risiko, das scheint vielen nicht bewusst zu sein. Es wäre sicherlich die rationalere Entscheidung gewesen, es bleiben zu lassen. Aber ich bin seit meinem fünften Lebensjahr dem Eishockey verbunden, bei Michael ist das nicht anders. Deshalb haben wir um die Pioneers gekämpft und sind sehr froh, dass es uns geglückt ist, weiter in der ICE Hockey League zu verbleiben.
Das ist sicherlich eine berechtigte Frage, wer denn in Feldkirch einen Neuaufbau gewagt hätte, wenn sich die Pioneers zurückgezogen hätten. Trotzdem muss ich da hartnäckig bleiben: Welchen Sinn macht es, mit einer sportlich so unterlegenen Mannschaft in die Saison zu gehen?
Gross: Es wird ein schwieriges Jahr, das steht außer Zweifel. Wir haben es aber auch in den vergangenen Jahren geschafft, aus unseren begrenzten finanziellen Mitteln eine Mannschaft zu formen, die ein unbequemer Gegner war. Mir ist schon klar, dass uns Außenstehende wenig zutrauen, wir sind jedoch überzeugt, dass wir um den zehnten Platz und damit die Pre-Play-offs mitspielen. Das ist unser angestrebtes Ziel: Wir wollen den Grunddurchgang überstehen. Der Schlüssel dazu wird das Powerplay sein. Als wir in der Saison 2023/24 ins Viertelfinale kamen, waren wir mit einer Powerplay-Quote von 32 Prozent europaweit in den Top drei. Diese Überzahlstärke hat uns vor allem in der letzten Saison gefehlt, da lag unsere Quote bei unter zehn Prozent. Uns hat in der Vorsaison sicher da und dort die individuelle Klasse gefehlt, aber speziell die österreichischen Unterschiedsspieler bewegen sich in einer Preisklasse, die außerhalb unseres Budgets liegt.
Aber der Kader ist doch nicht besser geworden?
Gross: Unser größtes Problem ist sicherlich die Kadertiefe, das war schon letzte Saison so, als wir die Verletzungen von Schlüsselspielern wie Julian Metzler oder Daniel Woger nicht auffangen konnten. Es ist natürlich sehr schade, dass uns sehr viele österreichische Spieler verlassen haben, aber wir konnten den Spielern einfach nicht versprechen, dass es weitergeht. Manche hatten für die kommende Saison ohnehin schon woanders unterschrieben. Dass ein Ramón Schnetzer nicht zu halten war, werden Sie sicherlich wissen, auch bei Oskar Maier, der sich sehr gut entwickelt hat in Feldkirch, waren wir chancenlos. Andere wollten nicht warten, bis wir Sicherheit hatten – das haben wir auch verstanden. Wir haben bei unserer internen Verlautbarung Ende März den Spielern gesagt, dass sich alle einen neuen Verein suchen können. Bevor sie aber woanders unterschreiben, sollen sie sich jedoch bitte bei uns melden, dann geben wir ihnen ein Update über den aktuellen Stand. So ist das dann auch bei jedem Spieler abgelaufen.

Waren eigentlich auch Spieler dabei, die noch Vertrag gehabt hätten?
Gross: Ja, wir wollten den Spielern nicht im Weg stehen, denn wie gesagt: Es war schon sehr lange unklar, ob es weitergeht. Wir waren grundsätzlich zwar schon optimistisch, dass wir es schaffen. Aber du kannst die Spieler nicht monatelang hinhalten, das wäre einfach nicht fair gewesen. Unser neuer Österreicher-Block besteht aus vielen jungen Wilden, sie haben die Möglichkeit, sich bei uns zu beweisen, das ist unser Weg: Jenen Spielern eine zweite Chance zu geben, bei denen es bislang vielleicht noch nicht ganz so gepasst hat. Sich beim KAC oder VSV nicht gegen die starke Konkurrenz durchzusetzen, bedeutet nicht, dass man nicht die Anlagen für die ICE Hockey League hat. Aber ich will nicht drum herumreden: Wir werden Glück mit den Verletzungen brauchen, fallen Schlüsselspieler länger aus, wird es eng werden.
Wie konnte es so weit kommen, dass die Pioneers nach vier Jahren so mit dem Rücken zur Wand stehen?
Gross: Das Liga-Niveau hat sich in den vier Jahren, in denen wir dabei sind, sprunghaft nach oben entwickelt. Weil gleich mehrere Klubs neue finanzielle Möglichkeiten haben. Laibach und vor allem Graz sind dafür die besten Beispiele. Die Grazer haben sich durch den Einstieg von Herbert Jerich über Nacht von einem Nachzügler zum Top-Team entwickelt und sind in der neuen Konstellation gleich im zweiten Jahr Meister geworden. Vizemeister Pustertal hat sein Budget für die anstehende Saison erhöht, da können wir nicht mithalten.
Wir können und sollten auch nicht die ersten vier Jahre der Pioneers im Detail aufarbeiten, an einem Thema kommen wir aber nicht vorbei: Dem Ausstieg von Hauptsponsor Bemer nach nur zwei Jahren. War man da bei den mittelfristigen Planungen zu blauäugig bei den Pioneers – denn mit so einem kurzen Hauptsponsorenvertrag kann man doch eigentlich nicht in die ICE-Liga einsteigen?
Gross: Es war natürlich schade, dass Bemer den Vertrag nicht verlängert hat. Das lag daran, dass es bei Bemer firmenintern zu einer Umstrukturierung in der Geschäftsführung gekommen ist. Der Vater von Pit Gleim war ja der Bemer-Gründer, mit seinem Rückzug hat Bemer die Partnerschaft mit uns neu bewertet und sich für den Rückzug entschieden. Pit hat als unser Präsident den Wegfall des Hauptsponsors kompensiert, er hat nicht nur im Vorfeld der Saison Mittel zur Verfügung gestellt, sondern auch immer am Saisonende unsere Bilanzen ausgeglichen, die sicherlich nicht schön ausgefallen sind.

Die Geschäftszahlen der Pioneers Betriebs GmbH sind katastrophal. Nach drei Spielzeiten hat man einen Bilanzverlust von über 2,6 Millionen Euro aufgebaut, die Verbindlichkeiten belaufen sich auf knapp 750.000 Euro. Diese Gesellschaft befindet sich in der Auflösung, ab sofort wird der Betrieb unter einer neuen GmbH abgewickelt, der Pioneers Vorarlberg PRO-Hockeyteam GmbH. Wird Pit Gleim alle Außenstände der alten GmbH inklusive der wirtschaftlich noch nicht abgeschlossenen Saison 2025/26 abdecken?
Gross: Ja. Pit wird die Betriebs GmbH sauber abschließen.
Haben die Pioneers als Verein Schulden?
Gross: Nein, der Verein hatte bisher weder Verbindlichkeiten noch Außenstände.
Das bedeutet, die Pioneers gehen ohne Schulden in die Saison?
Gross: Richtig, und dafür sind wir Pit auch sehr, sehr dankbar. So können wir guter Dinge in die Zukunft blicken.
Das sind ja wirklich sehr positive Neuigkeiten. Und um diesen klaren Schnitt zwischen Vergangenheit und Zukunft zu machen, wurde die neue Pioneers Vorarlberg PRO-Hockeyteam GmbH gegründet – sowohl zur finanziellen Abgrenzung als auch, um eine neue Epoche einzuläuten?
Gross: Wir hätten diesen Schnitt schon bei der Gründung der Pioneers machen sollen. Weil wir das verabsäumt haben, ist es vier Jahre lang zu Vermischungen zwischen den Pioneers und der VEU gekommen, die keinem geholfen haben. Die VEU steht für den Nachwuchs und konnte seit unserem ICE-Einstieg die Zahl der Nachwuchsspieler von 65 auf 130 verdoppeln. Aber für Profieishockey in Feldkirch stehen die Pioneers.
Was in Richtung der VEU-Nostalgiker nichts anderes heißt, als dass sie sich damit abfinden müssen, dass die Zeiten der VEU als Aushängeschild vorbei sind?
Gross: Ich hätte einen anderen Ausdruck als „abfinden“ verwendet, weil das so ein bisschen von oben herab klingt. Aber inhaltlich trifft der Begriff die Sachlage. Veränderungen gehören zum Leben dazu. Nur weil jetzt die Profimannschaft unter dem Namen Pioneers Vorarlberg spielt, ist ja die Geschichte nicht unterbrochen. Im Gegenteil: Sie geht weiter. Und es ist ja auch nicht so, als ob die Feldkircher Kampfmannschaft durchgängig immer VEU geheißen hätte, die hatte auch andere Namen und auch die Abkürzung VEU stand weit nicht immer für Vorarlberger Eishockey Union. Außerdem möchte ich etwas mal anmerken: So großartig die Erfolge der VEU waren, ich habe ja selbst mehrere Jahre bei der VEU gespielt, aber die VEU hat finanzieller Natur auch sehr negative Schlagzeilen geschrieben, die bis heute nachwirken.

Die Pioneers haben aktuell keinen Präsidenten. Bis wann wird der Gleim-Nachfolger präsentiert?
Gross: Wir arbeiten daran. Dass wir eine neue GmbH gegründet haben, war sicherlich auch notwendig, um uns interessant für eine neue Führungspersönlichkeit zu machen. Wenn da immer wieder Altlasten auftauchen können, sind mögliche Kandidaten natürlich skeptisch. Wir sind auch dabei, ein Supporter-Gremium zu gründen, die Mitglieder sollen repräsentative Aufgaben übernehmen. Wir wissen, dass wir uns breiter aufstellen müssen, uns schwebt ein Board mit etwa acht bis zwölf Mitgliedern vor: Das sollen Unternehmer, Sportler oder Rechtsanwälte sein, die uns dabei helfen sollen, neues Vertrauen aufzubauen. Erste Zusagen haben wir bereits. Irgendwann wird sich dann, vielleicht aus dieser Gruppe heraus, ein Präsident herauskristallisieren.
Welche Ansatzpunkte stimmen Sie denn optimistisch, dass die anstehende Saison nicht wie alle bisherigen Pioneers-Spielzeiten hoch defizitär ausfallen wird?
Gross: Wir sind budgetär eng aufgestellt, wir sind aber bei der Kaderzusammenstellung kein Risiko eingegangen und werden auch während der Saison kein Risiko eingehen. Der Rahmen ist klar definiert. Es kommt nicht infrage, diesen finanziellen Rahmen zu verlassen. In den Vorjahren wussten wir, dass Pit am Ende der Saison den Verlust abdeckt, dadurch konnten wir den ein oder anderen Spieler mehr verpflichten. Jetzt wissen wir, dass am Ende der Saison niemand den Verlust ausgleicht.
Pit Gleim ist also kein Geldgeber mehr?
Gross: Nein, wir sind nach wie vor im Kontakt, gerade auch, was die Abwicklung der alten GmbH betrifft. Aber er ist kein Teil der Pioneers-Organisation mehr und wird keine neuen Außenstände mehr begleichen. Pit hat knapp 20 Jahre lang sehr viel für das Vorarlberger Eishockey geleistet, er hat für stabile Verhältnisse in Feldkirch gesorgt, aber ich verstehe ihn, dass er nach so vielen Jahren mit diesem Kapitel abschließen möchte. Wie ich schon gesagt habe: Das Leben besteht aus Veränderung.
Mit dem Einstieg von Mailand scheiden vier Teams nach dem Grunddurchgang aus. Der Modus kommt den Pioneers nicht entgegen?
Gross: Der Modus war schon mit 13 Teams schwierig, wir haben interveniert, wollten zurück zur Lösung, dass die Liga nach dem Grunddurchgang wieder in eine Platzierungs- und eine Qualifikationsrunde aufgeteilt wird. Dadurch hätten wir unabhängig vom Saisonstart bis zum Schluss hin eine Chance auf einen Play-off-Platz gehabt, doch unser Vorschlag hat keine Mehrheit gefunden. Grundsätzlich sehe ich den Einstieg von Mailand dennoch nicht negativ.
Weil Mailand Sponsorengelder in die Liga einbringt, die unter den Klubs aufgeteilt werden?
Gross: Wir freuen uns vor allem über zwei Heimspiele mehr, damit können wir den Saisonkartenbesitzern mehr Eishockey bieten. Positiv ist auch, dass es nun aufgrund der geraden Teilnehmerzahl keine spielfreien Spieltage mehr gibt. An Mailand gefällt uns auch, dass die Anreise verhältnismäßig kurz ist, da sind wir Schlimmeres gewohnt.
Der aktuelle Modus bringt es mit sich, dass schlimmstenfalls schon deutlich vor Weihnachten absehbar ist, dass die Pioneers die Pre-Play-offs verpassen?
Gross: Sie haben völlig recht, der Start wird sehr wichtig sein. Wenn du von den ersten zehn Spielen sieben oder acht verlierst, dann bist du gleich sehr unter Druck. Ich will nicht sagen, dass der Play-off-Zug dann schon abgefahren ist, aber nach so einem Start muss dann wirklich alles passen. Wir beginnen mit drei Heimspielen, das Auftaktspiel ist gegen Villach. Wenn wir eine Chance haben wollen, um Platz zehn mitzuspielen, müssen wir diese Partie gewinnen. Das sage ich im Wissen, dass Villach eine starke Mannschaft hat, aber Villach muss zu Hause in Reichweite sein. Danach gegen Graz wird es schwierig, im dritten Heimspiel empfangen wir Mailand, die, auch da muss man ehrlich sein, bei den Imports andere Möglichkeiten haben als wir. Trotzdem glauben wir an unsere Chance, wir haben eine körperlich sehr robuste Mannschaft, die Frage wird sein, wie schnell sie zusammenfindet.
Gerade auch die jungen nordamerikanischen Collegespieler brauchen oft eine Anlaufzeit?
Gross: Das ist so, die gestehen wir ihnen aber auch zu. Am Ende kommt es darauf an, dass wir so schnell wie möglich harmonierende Linien finden.
Dass Headcoach Janne Grönvall wenige Stunden vor seinem Amtsantritt die Stelle abgesagt hat, hilft natürlich auch nicht?
Gross: Nein, aber er hat driftige private Gründe, die wir respektieren. Wir hatten danach sofort die Idee, den Assistant Coach Marko Ojanen zum Chef zu machen, weil er fast dieselbe Vita mitbringt wie Grönvall, mit Tony Virta haben wir das Trainerteam wieder komplettiert.
Welche mittelfristigen Perspektiven bzw. Entwicklungschancen sehen Sie bei den Pioneers?
Gross: Unser größtes Ziel ist es, mehr Vertrauen aufzubauen, mehr Vertrauen bringt mehr Sponsoren, mehr Geld bringt bessere Spieler, bessere Spieler bringen mehr Zuschauer. Es ist ein Kreislauf, und diesen Kreislauf wollen wir stärker in Gang setzen.
Sie haben vorhin angesprochen, dass sich die Pioneers ihr knappes Budget einhalten müssen. Bedeutet das auch, dass während der Saison keine Spielertäusche möglich sind?
Gross: Wir haben glücklicherweise gute Beziehungen zu den verschiedenen Agenten aufgebaut, wenn es mal mit einem Spieler nicht passt, dann finden wir immer eine faire Lösung. Deshalb werden auch in dieser Saison Spielertäusche möglich sein. Aber wir hoffen natürlich, von Anfang an auf die richtigen Spieler gesetzt zu haben.

Durchaus viele Eishockey-Fans, selbst eingefleischte Pioneers-Anhänger sind skeptisch, ob sie eine Pioneers-Saisonkarte kaufen sollen. Sie können jetzt Werbung machen: Was macht die Pioneers in der Saison 2026/27 für die Zuschauer attraktiv?
Gross: Wir haben mit Guus van Nes, Alex Caffi und Roni Allén drei Säulen, die nach innen und nach außen eine wichtige Rolle spielen. Caffi ist seit vielen Jahren ein Publikumsliebling in Feldkirch, Van Nes ist den Fans auch sehr ans Herz gewachsen. Außerdem glaube ich, dass viele unserer österreichischen Spieler massiv unterschätzt werden.
Gehen Sie davon aus, dass es sich bei den Besucherzahlen auswirken wird, dass sich die Zahl der Vorarlberger Spieler bei Pioneers von zwölf auf drei reduziert hat?
Gross: Wir hätten gerne mehr Vorarlberger Spieler im Kader, aber ich glaube nicht, dass das große Auswirkungen auf unsere Besucherzahlen haben wird. Wir haben einen Stamm von 1200 bis 1400 Zuschauern, die uns die Treue halten. Ich verstehe schon, wenn bemängelt wird, dass wir bei den Heimspielen bislang kein großes Event aufgezogen haben. Wir wollen uns da auch verbessern, aber das ist alles nicht so einfach. Wir sind stolz auf unseren Kern an ehrenamtlichen Helfern, die uns tatkräftig unterstützen. Für ein Rahmenprogramm braucht es viele freiwillige Helfer, diesen Stamm auszubauen, wird allerdings immer schwieriger. Und was die Halle selbst betrifft, die ist zwar alt, doch die Stadt Feldkirch hat die Vorarlberghalle wirklich sehr gut auf Vordermann gebracht. Klar ist es kalt in der Halle, aber wir sprechen eben von Eishockey.
Müssen sich mitunter die Fans in Feldkirch vom alten Anspruchsdenken lösen: Ist nicht mehr möglich in Vorarlberg, als um einen Pre-Play-off-Platz zu kämpfen?
Gross: Ich will es mal so sagen, die Vergleiche mit den Bulldogs sind uns gegenüber unfair, weil die Bulldogs aufgrund des Modus mehr Zeit hatten, eine Mannschaft zu formen. Nach dem Grunddurchgang ging die Saison fast wieder von null los. Und Vergleiche mit der alten VEU sind sowieso sinnlos, das waren andere Zeiten. Zuschauermäßig hängt alles vom Erfolg ab. Das zeigen auch die Mottospiele, die wir veranstalten, wie zum Beispiel die Ladies Night: Da kommen vielleicht 200 oder 300 Zuschauer mehr, aber die ganzen Kartenaktionen bringen dir mittelfristig ohne Erfolg nichts. In Wahrheit kämpfen doch auch in den anderen Sportarten viele Vorarlberger Profiteams um die Zuschauer, die Besucherzahlen hängen fast immer vom Erfolg ab. Jeder Klub hat seine Stammzuschauer, mehr kommen nur bei besonderen Anlässen – oder, wenn es sportlich sehr gut läuft.

Die Kooperation mit dem ECB-Nachfolgeverein HC Tigers geht weiter?
Gross: Ja, das ist möglich, weil die Spieler der Tigers auch in der Oberliga Süd mit einer österreichischen Lizenz auflaufen. Es ist angedacht, dass es einen Austausch von jeweils zwei oder drei Spielern nach oben und nach unten geben kann. Die räumliche Trennung zwischen Feldkirch und Dornbirn macht die Zusammenarbeit nicht immer ganz einfach. Im Grunde ist es wie immer im Sport: Wenn es läuft, wenn beide Vereine keine großen Sorgen haben, dann klappt auch so eine Kooperation, weil beide Vereine auch an den Partnerverein denken können. Ich glaube, das war davor schon bei der Wälder Kooperation mit Dornbirn so. Aber ich will da niemanden zu nahe treten, das war nur mein Eindruck von außen.
Ein letzter Themenwechsel: Sind Sie zufrieden mit der Entwicklung der Pioneers?
Gross: Wir wussten von Anfang an, dass wir Kämpferqualitäten beweisen müssen, aber wir schauen nicht mehr zurück, sondern nur mehr nach vorne.
Die Pioneers Vorarlberg haben sich also nach dem Abschied von Pit Gleim zu einem Neustart entschlossen?
Gross: Das trifft es ziemlich genau. Es ist nie schön, wenn ein so langer Wegbegleiter wie Pit Gleim von Bord geht, ohne ihn gäbe es die Pioneers nicht. Aber jetzt können neue Köpfe neue Ideen einbringen. Das wird nicht von heute auf morgen gehen, aber wir bemühen uns.
Ich wage zum Abschluss die These aufzustellen, dass sich die öffentliche Kritik zumindest während der Saison in Grenzen halten wird, wenn die Pioneers in keine finanziellen Turbulenzen geraten und man zumindest um Platz zwölf mitspielt.
Gross: Ich finde, das ist ein sehr schönes Schlusswort eines interessanten und angenehmen Gesprächs. Wir setzen alles daran, den Fans guten Eishockeysport zu bieten, und hoffen, dass möglichst viele an uns glauben.
Die Fakten im Überblick
Pioneers-Einstieg in ICE Hockey League: Saison 2022/23
Abwicklung Spielbetrieb 2022–2026: Pioneers Vorarlberg Betriebs GmbH. Diese GmbH befindet sich in der Auflösung. Per 25. Juni 2026 wurde der Jahresabschluss per 30. Juni 2025 veröffentlicht. Demnach betrug das Defizit der Pioneers in der Saison 2024/25 868.482,83 Euro. Nach drei Spielzeiten beläuft sich der Bilanzverlust auf 2.639.923,84 Euro. Abzüglich der Kapitaleinlagen bleiben Verbindlichkeiten von 744.959,91 Euro. Sobald auch die Saison 2025/26 abgeschlossen ist, wird die GmbH aufgelöst, laut Christian Gross deckt Pit Gleim alle Verbindlichkeiten ab.
Abwicklung Spielbetrieb ab der Saison 2026/27: Pioneers Vorarlberg PRO-Hockeyteam GmbH
Grund für GmbH-Neugründung: Um zukünftig Altlasten zu vermeiden, zum Abschluss der Gleim-Ära sowie Trennung zur VEU.