Antike Stadt auf Krim nun auf “roter” UNESCO-Welterbeliste

Die UNESCO hat die antike Stadt Chersones auf der von Russland annektierten ukrainischen Halbinsel Krim auf die Liste des gefährdeten Welterbes aufgenommen. Sie sei unter der russischen Besatzung durch Bauarbeiten und archäologische Aktivitäten bedroht, erklärte die Organisation der Vereinten Nationen für Erziehung, Wissenschaft und Kultur am Donnerstag.
Die antike Stadt Chersones liegt auf der 2014 von Russland annektierten ukrainischen Halbinsel Krim und gehört seit 2013 zum Welterbe. Es handelt sich um eine im fünften Jahrhundert vor Christus von Griechen am Ufer des Schwarzen Meeres gegründete Siedlung. Sie gilt als eine der bedeutendsten archäologischen Stätten in der Schwarzmeerregion.
UNESCO hat keinen Zugang mehr
Seit Russlands Annexion der Krim hat die UNESCO keinen Zugang mehr zu der antiken Stadt. Die Organisation zeigte sich besorgt angesichts Satellitenbilder, die Bauarbeiten vor Ort zeigen. Darunter soll ukrainischen Angaben zufolge ein neues, von den von Russland eingesetzten Behörden errichtetes “Amphitheater” sein.
In einem am Donnerstag verabschiedeten Beschlussentwurf warnte das UNESCO-Welterbekomitee, das derzeit im südkoreanischen Busan tagt, die antike Stadt sei wegen “eines erheblichen Verlusts an Authentizität und Integrität infolge neuer Bauarbeiten und damit verbundener umfangreicher archäologischer Ausgrabungen bedroht”. Es forderte alle Parteien auf, von allem abzusehen, was “weitere irreversible direkte oder indirekte Schäden” verursachen würde.
Der ukrainische Außenminister Andrij Sybiha begrüßte die Entscheidung. Die antike Stadt werde “von den russischen Besatzungsbehörden ruiniert”, erklärte er im Onlinedienst X.
Russland erkennt Entscheidung nicht an
Russland erklärte, es erkenne die Entscheidung nicht an. “Wir tun alles in unser Macht stehende, um die antike Stadt und ihre Denkmäler zu erhalten”, sagte Russlands Unesco-Vertreter Rinat Aljautdinow.
Seit Beginn des russischen Angriffskrieges gegen die Ukraine 2022 hat die UNESCO Schäden an mehr als 500 Kulturstätten im Land dokumentiert, darunter Dutzende von Kirchen, Museen und Denkmälern. Im vergangenen Monat hatte ein russischer Angriff einen Brand in der weltberühmten Höhlenkloster-Anlage in Kiew – eine UNESCO-Welterbestätte – ausgelöst.