Arbeitgeber im Tourismus bieten erneut 3 Prozent KV-Erhöhung

18.05.2026 • 11:36 Uhr
Arbeitgeber im Tourismus bieten erneut 3 Prozent KV-Erhöhung

Die Fronten im Ringen um die kollektivvertraglichen Zahlungen im Tourismus scheinen weiterhin verhärtet zu sein. Die Arbeitgeberseite erneuerte am Montag ihr Angebot mit einer Anhebung der Mindestlöhne und -gehälter um durchschnittlich 3 Prozent und schlug eine nächste Verhandlungsrunde noch in dieser Woche vor. Die Gewerkschaft hatte in der Vergangenheit 3,8 Prozent gefordert und die angebotenen 3 Prozent bisher vehement abgelehnt. Die Stimmung ist abgekühlt.

“Wir nehmen zur Kenntnis, dass trotz laufender Gespräche zwischen Arbeitgeber- und Arbeitnehmerseite die öffentlichen Angriffe der Gewerkschaft vida auf die gesamte Branche fortgesetzt werden”, kritisierten die Obleute des Fachverbandes Gastronomie, Alois Rainer, und des Fachverbandes Hotellerie, Georg Imlauer, in der Wirtschaftskammer Österreich (WKÖ) “mediale Hetzkampagnen”.

Sauer aufstoßen dürfte der Kammer auch die vor dem Wochenende rausgegangene Einladung der Gewerkschaft zu einer Pressekonferenz mit dem Titel “Tourismusboom ohne Beschäftigte: Warum dem Aushängeschild Österreichs seine Mitarbeiter:innen ausgehen”, die für diesen Mittwoch angesetzt ist.

Vertrauens- und Gesprächsbasis angekratzt

Bereits vor der ersten geplanten Verhandlungsrunde habe die Gewerkschaft vida das Verhandlungsklima “mit pauschalen, populistischen Anwürfen schwer beschädigt”, sodass der erste Verhandlungstermin mangels der notwendigen Vertrauens- und Gesprächsbasis von der Arbeitgeberseite abgesagt werden habe müssen, so die WKÖ.

Mittlerweile wurden zwei Gesprächsrunden erfolglos beendet – seit über einem Monat liegen die KV-Verhandlungen auf Eis. Zuletzt hatten die Arbeitgeber auf ein Gehaltsplus von 3 Prozent beharrt, sich aber bei der Gewichtung der Lohngruppen gesprächsbereit gezeigt. Die Gewerkschaft will eine reale Lohnerhöhung über der Teuerungsrate, zwölf garantierte freie Sonntage pro Jahr und eine bezahlte Mittagspause. Nun wird um die dritte Verhandlungsrunde gerungen.

Steigende Nächtigungszahlen, vermeintliche Umsatzzuwächse und eine stabile Auslastung bedeuten laut Arbeitgeberseite “nicht automatisch wirtschaftliches Wachstum”. Bereinigt um die Inflation, stünden die realen Umsätze unter Druck bzw. seien teilweise rückläufig. Gestiegene Kosten für Energie, Lebensmittel und Beschäftigte sowie die fehlende Preisdurchsetzung führten zu “sinkenden oder stagnierenden Betriebsergebnissen”, hieß es seitens der Wirtschaftskammer.

Gastro unter Vor-Corona-Niveau

Besonders deutlich zeige sich diese Entwicklung in der Gastronomie. Dort liegt die Gästefrequenz laut WKÖ “nach wie vor unter dem Vor-Pandemie-Niveau”. Die gesamtwirtschaftlichen Rahmenbedingungen seien angespannt und das Konsumverhalten zurückhaltend.

“Gerade wegen der schwierigen Ausgangsbedingungen für die diesjährigen Lohn- und Gehaltsverhandlungen haben wir vollen Einsatz gezeigt und uns konsequent für einen sozialen und wirtschaftlich tragfähigen Abschluss eingesetzt”, teilten die Arbeitgeber-Verhandlungsführer Rainer und Imlauer mit. “So haben wir heute erneut ein – insbesondere im Vergleich zu den sonstigen Kollektivvertragsabschlüssen der letzten Monate – sehr faires Angebot vorgelegt”, erklärten die beiden Branchenvertreter.

Übers Jahr sind in der Gastronomie und der Hotellerie zwischen 200.000 und 240.000 Menschen nach Kollektivvertrag in rund 65.000 Betrieben beschäftigt. Die Einstiegsgehälter variieren leicht je nach Bundesland, in Wiener Hotels und Kaffeehäusern werden monatlich 2.264 Euro brutto bezahlt. Der Mindestlohn für Hilfskräfte ist in allen Bundesländern mit 2.026 Euro brutto gleich.