Arbeitslosigkeit im Juli erneut gestiegen – 364.000 ohne Job
Die schwache Konjunkturentwicklung lässt die Zahl der Arbeitslosen und AMS-Schulungsteilnehmer seit dem Frühjahr 2023 steigen. Ende Juli waren 364.200 Personen beim Arbeitsmarktservice (AMS) arbeitslos oder in Schulung gemeldet. Das ist ein Anstieg im Vergleich zum Vorjahresmonat von 1,3 Prozent. Sinkende Arbeitslosenzahlen gab es am Bau und im Verkehrs- und Lagerwesen, im Handel wurden mehr Arbeitslose verzeichnet.
Die Arbeitslosenquote stieg um 0,2 Prozentpunkte auf 6,9 Prozent, wie das Arbeitsmarktservice (AMS) am Montag mitteilte. Die Zahl der Langzeitbeschäftigungslosen kletterte um knapp 13 Prozent auf über 102.000 Betroffene.
“Nach nunmehr 40 Monaten steigender Arbeitslosigkeit wiederholt sich meine Analyse leider zwangsläufig”, so AMS-Vorstand Johannes Kopf in einer Stellungnahme. Es gebe “zu wenig internationale Nachfrage, zu hohe Energie- und Lohnstückkosten, zu wenig Konsum, zu wenig Investitionen. Kurz: zu wenig Wirtschaftswachstum.” Laut dem AMS-Chef gibt es aber erste positive Signale für eine Trendwende: “Arbeitsmärkte drehen irgendwann und erste Anzeichen sind erkennbar.” Es gebe “eine Stabilisierung im Baubereich und in der Industrie”, sagte Kopf am Montag im Ö1-“Mittagsjournal” des ORF-Radio. Sorgen bereitet dem AMS-Chef die Krise der deutschen Automobilindustrie und die Auswirkungen auf die österreichischen Zulieferbetriebe. Manche Zulieferer werden “veritable Probleme” bekommen, erwartet Kopf.
Weniger Arbeitslose am Bau und im Verkehrswesen
Wie in den Vormonaten sank die Zahl der arbeitslosen Männer und männlichen AMS-Schulungsteilnehmer (-1,7 Prozent), während bei Frauen ein Plus von 4,8 Prozent verzeichnet wurde. Rückläufig war die Anzahl der Arbeitslosen und Schulungsteilnehmer im Bereich Arbeitskräfteüberlassung (-2,4 Prozent), am Bau (-1,3 Prozent) und im Verkehrs- und Lagerwesen (-0,9 Prozent). Das stärkste Plus bei den Arbeitslosenzahlen gab es im Gesundheits- und Sozialwesen (+11 Prozent), gefolgt vom Handel (+4,3 Prozent), Warenherstellung (+2,7 Prozent) sowie Beherbergung und Gastronomie (+0,3 Prozent).
Der überdurchschnittliche Anstieg im Gesundheits- und Sozialbereich habe auch statistische Gründe, hieß es zuletzt vom AMS. Neben der stark steigenden Beschäftigung wegen des höheren Pflegebedarfs steige die Beschäftigung auch, weil immer mehr Pflege- und Gesundheitseinrichtungen, die bisher von der öffentlichen Hand geführt wurden, ausgegliedert werden. Diese Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter würden in der Statistik nicht mehr als öffentlich Bedienstete gezählt werden, sondern der Branche Gesundheits- und Sozialwesen zugerechnet, so das AMS.
Weniger Arbeitslose nur in Wien
Einen Rückgang bei Arbeitslosen und AMS-Schulungsteilnehmern verzeichnete Ende Juli nur Wien (-1,4 Prozent). Den stärksten Anstieg gab es in Vorarlberg (+6,6 Prozent), gefolgt von Niederösterreich (+5,4 Prozent), Burgenland (+4,3 Prozent), Steiermark (+3,4 Prozent) und Tirol (+3,2 Prozent). Etwas geringer fiel das Plus in Salzburg (+2,3 Prozent), Oberösterreich (+1,5 Prozent) und Kärnten (+0,6 Prozent) aus.
FPÖ-Sozialsprecherin und Klubobmannstellvertreterin Dagmar Belakowitsch warf der Arbeitsministerin Arbeits- und Sozialministerin Korinna Schumann Untätigkeit bei der Bekämpfung der Arbeitslosigkeit vor. Um die steigende Arbeitslosigkeit von Älteren und Frauen zu senken, fordert die Arbeiterkammer “ein Umdenken” der Unternehmen beim Recruiting. ÖGB-Bundesgeschäftsführerin Helene Schuberth und der Arbeits- und Sozialsprecher der Grünen, Markus Koza, forderten erneut ein Bonus-Malus-System, um die Beschäftigungschancen von älteren Arbeitskräften zu erhöhen. Die Wirtschaftskammer ortet “einen anhaltenden Arbeits- und Fachkräftemangel” und drängt auf “verstärkte Anstrengungen, um Arbeitsuchende und offene Stellen besser zusammenzubringen”. Die Industriellenvereinigung (IV) fordert “positive Reformen, die den Arbeitsmarkt stärken”, unter anderem im Bereich Fachkräfte.
Schumann will Fachkräftestrategie heuer präsentieren
Die Konjunkturschwäche in Österreich ist weiter auch bei den Stellenanzeigen spürbar. Die Zahl der beim Arbeitsmarktservice (AMS) gemeldeten sofort verfügbaren offenen Stellen sank Ende Juli gegenüber dem Vorjahr um 3 Prozent auf knapp 80.000. Der ÖVP-Wirtschaftsbund erfasst in seinem Stellenmonitor alle Online-Jobportale und verzeichnete knapp 169.000 offene Stellen in Österreich.
“Einerseits steigt die Arbeitslosigkeit, andererseits fehlen in wichtigen Bereichen weiterhin qualifizierte Fachkräfte”, so Arbeits- und Sozialministerin Korinna Schumann (SPÖ) in einer Aussendung. Die im Februar angekündigte Erstellung einer Fachkräftestrategie schreitet laut Arbeitsministerium voran. Man habe sich als Bundesregierung unter Federführung des Sozialministeriums “zum Ziel gesetzt, noch in diesem Jahr eine zukunftsorientierte Fachkräftestrategie zu erarbeiten”, sagte die Ministerin. Details zur geplanten Strategie und laufenden Verhandlungen gibt es noch nicht.
Beim Fachkräftebarometer des Arbeitsministeriums und des AMS waren im zweiten Quartal 2026 die Top-5-Engpassberufe Elektroinstallateur/in, Kraftfahrzeugmechaniker/in, sonstige Techniker für Maschinenbau, Maurer und Ärztin/Arzt. Der Fachkräftemangel ist laut einer aktuellen Umfrage für über drei Viertel der Unternehmen ein Thema. Zu diesem Ergebnis kommt das “Fachkräfte-Radar” der Wirtschaftskammer (WKÖ), das vom Institut für Bildungsforschung der Wirtschaft (ibw) erhoben wurde. Am stärksten betroffen von fehlenden Fachkräften sind Betriebe im Bereich Transport und Verkehr (66 Prozent), Tourismus und Freizeitwirtschaft (63 Prozent), Gewerbe und Handwerk (62 Prozent) sowie Industrie (58 Prozent).