Arbeitslosigkeit nimmt weiter zu – 381.200 ohne Job
Die Arbeitslosigkeit hat im September weiter zugenommen. Die Zahl der Arbeitslosen und AMS-Schulungsteilnehmenden stieg auf rund 381.200, ein Plus von 6.000 Personen oder 1,6 Prozent gegenüber dem Vorjahr. Dies betraf beinahe alle Altersgruppen und Bundesländer mit Ausnahme von Wien, wie das Arbeitsmarktservice (AMS) am Donnerstag mitteilte. Gegenüber dem Vormonat August 2026 kam es ebenfalls zu einem Anstieg, damals waren 375.730 Personen auf Jobsuche.
Die Arbeitslosigkeit von Frauen erhöhte sich im September im Jahresvergleich um 6 Prozent, bei Männern sank sie um 0,6 Prozent. Die Jugendarbeitslosigkeit sank gegenüber September 2025 bundesweit um 1,5 Prozent. Die Zahl der arbeitssuchenden Lehrlinge legte aber um 8 Prozent zu, während die offenen Lehrstellen stagnierten. Die Lehrstellenlücke beträgt aktuell 3.977 Stellen.
Langzeitarbeitslosigkeit nahm zu
Die Arbeitslosigkeit bei Ausländern blieb auf konstantem Niveau, während die Beschäftigungslosigkeit bei Inländern um 4,3 Prozent zulegte. Ein kräftiges Plus von 11 Prozent auf 104.101 Betroffene gab es bei der Langzeitarbeitslosigkeit. Der Anteil der Langzeitbeschäftigungslosen an allen arbeitslos vorgemerkten Personen liegt bereits bei 34 Prozent, teilte das Sozialministerium am Donnerstag mit.
Einmal mehr verzeichneten Akademiker prozentuell den höchsten Anstieg bei der Arbeitslosigkeit (10,1 Prozent). Bei Personen mit Pflichtschulabschluss gab es gar einen Rückgang von 1,7 Prozent. Bei Frauen und Männern mit Lehrabschluss gab es hingegen ein Plus von 5 Prozent. Besonders dramatisch ist der Anstieg bei Personen mit Behinderung, hier betrug der Zuwachs 17 Prozent.
Rückgang bei Zeitarbeiter-Arbeitslosigkeit
Nach Branchen betrachtet war wieder einmal das Gesundheits- und Sozialwesen trauriger Spitzenreiter (plus 10,7 Prozent). Bei der Zeitarbeit gab es einen kleinen Rückgang von 1,7 Prozent. Im Handel, der kurz vor den Kollektivvertragsverhandlungen steht, gab es einen Anstieg der Arbeitslosigkeit im Jahresvergleich von 4,3 Prozent.
Die Zahl der Beschäftigungsverhältnisse legte gegenüber dem September des Vorjahres um 8.000 zu. Die Bestandszahl der beim AMS gemeldeten sofort verfügbaren offenen Stellen sank aber Ende September gegenüber 2025 um 0,5 Prozent auf 78.267. Der Zugang an offenen Stellen beim Arbeitsmarktservice war ebenso rückläufig.
Wien schlug sich am besten
Nach Bundesländern betrachtet schlug sich Wien mit einem Rückgang der Arbeitslosigkeit im Jahresvergleich von 1,1 Prozent noch am besten. Besonders hart traf es Niederösterreich mit einem Plus von 7,7 Prozent.
AMS-Chef Johannes Kopf sah die Lage am Donnerstag im Ö1-“Mittagsjournal” des ORF differenziert. “Man sieht eine leichte Erholung am Arbeitsmarkt”, meinte er. Gleichzeitig sei das Potenzial bei Frauen durch den späteren Pensionsantritt und Änderungen bei der Bildungskarenz gestiegen. Die weibliche Beschäftigung sei zwar stabil, aber diese Arbeitsplätze würden Suchenden nun nicht zur Verfügung stehen.
Notwendigkeit des Sparens zur Unzeit
Weiters spüre der Arbeitsmarkt die Sparnotwendigkeiten des Staates. Die Sparpakete der Regierung seien erforderlich, kämen aber zu einer Unzeit. Normal müsste der Staat in einer Rezession mehr ausgeben – und nicht weniger. “Alle müssen sparen und das merkt man”, so Kopf. Seit dreieinhalb Jahren steige die Arbeitslosigkeit, was es brauche, sei mehr Wirtschaftswachstum. Dass die Arbeitslosigkeit in Wien, im Gegensatz zu den anderen Bundesländern, zurückgegangen sei, liege auch am Erfolg der Integrationsbemühungen für Geflüchtete.
SPÖ und ÖGB: Alarmzeichen bei Frauen-Beschäftigung
Arbeits- und Sozialministerin Korinna Schumann (SPÖ) erinnerte am Donnerstag unter anderem daran: “Frauen brauchen gute Beschäftigungschancen und eine eigenständige finanzielle Absicherung. Dazu gehört vor allem eine faire Bezahlung. Gleiche und gleichwertige Arbeit muss gleich bezahlt werden.” AK-Präsidentin Renate Anderl meinte: “Frauen tragen schon im Alltag eine enorme Last und müssen oft Erwerbs- und Sorgearbeit unter einen Hut bringen. Wenn sie dann auch noch häufiger arbeitslos werden, läuft etwas grundlegend falsch.”
ÖGB-Bundesgeschäftsführerin Helene Schuberth sprach ebenfalls die hohe Frauenarbeitslosigkeit an. Dies hänge auch mit der schrittweisen Anhebung des Frauenpensionsantrittsalters zusammen, gleichzeitig wachse aber auch die Zahl jener, die keinen Arbeitsplatz finden. Diese Entwicklung dürfe nicht ignoriert werden. Auch für den Pensionistenverband ist die Arbeitsmarkt-Entwicklung “besorgniserregend”, hier will Präsidentin Birgit Gerstorfer insbesondere die Situation älterer Frauen stärker in den Mittelpunkt rücken.
FPÖ und Grüne enttäuscht
FPÖ-Sozialsprecherin Dagmar Belakowitsch übte indes scharfe Kritik an der Bundesregierung. Besonders alarmierend sei, dass die Arbeitslosigkeit bei österreichischen Staatsbürgern um 4,3 Prozent zunahm, während sie bei Ausländern stagnierte.
Die Grünen werfen der Regierung vor, die hohen Arbeitslosenzahlen “achselzuckend” hinzunehmen. “Jede arbeitsmarktpolitische Maßnahme dieser Bundesregierung hat dazu geführt, dass sich die Arbeitsmarktchancen von Frauen, älteren Beschäftigten und Menschen mit guter Ausbildung verschlechtern”, kritisierte der Grüne Sozialsprecher Markus Koza.
Momentum: Österreich schmiert ab
Für das gewerkschaftsnahe Momentum-Institut war wiederum klar: “Österreich rutscht bei der Arbeitslosenquote von der Spitze ins Mittelfeld ab und fällt von Platz 3 auf Platz 13 zurück.” Noch im Jahr 2000 hatte Österreich demnach mit 3,8 Prozent die drittniedrigste Arbeitslosenquote von heute 27 Ländern der EU.
Die Industriellenvereinigung meinte, Rufe nach höheren Lohnnebenkosten, etwa durch eine Beitragserhöhung beim Insolvenzentgeltfonds, oder neuer Bürokratie, etwa durch ein Bonus-Malus-System zur Beschäftigung älterer Arbeitnehmer, seien kontraproduktiv. Die Wirtschaftskammer forderte Konjunkturimpulse in Form von Investitionsanreizen und Bürokratieabbau. Der Wirtschaftsbund betonte, eine Aktivpension sei die richtige Antwort auf die vielen offenen Stellen.