Ars-Electronica-Themenausstellung als Rundgang durch Linz

09.09.2026 • 15:03 Uhr
Ars-Electronica-Themenausstellung als Rundgang durch Linz

Inwieweit sind unsere Wahrheiten konstruiert, unsere Wirklichkeiten von dem abhängig, was wir hören und sehen können? “Negotiating the Real – The Desire to Believe” als einer von drei Teilen der Themenausstellung des diesjährigen Ars Electronica Festivals in Linz fühlt den offenbaren Gewissheiten nach, will sie überprüfen und neu verhandeln und begibt sich dazu als “Festival Walk” an Orte in der Linzer Innenstadt, die sonst nicht als Ausstellungsräume dienen.

Es sei eine Exkursion zu Orten, die man selten sieht, die im Alltag eine andere Funktion haben und sehr speziell seien, so Gerfried Stocker, künstlerischer Leiter der Ars Electronica, bei einer Presseführung durch die Schau am Mittwoch. Der Ausstellungsrundgang startet am zentralen OK-Platz und führt in die Kirche des nahen Priesterseminars, zum Hospiz der Elisabethinen, zur Kirche des Ordens, dessen Konvent, den Höfen und ins Krankenhaus. Von dort geht es weiter ins Landeskulturmuseum Francisco Carolinum als einzigem Ort des Rundgangs, der auch sonst Kunstausstellungen gewidmet ist. Nach dem Gebäude der Fadingerschule und der Katholischen Privat-Universität Linz kehrt man zum Ausgangspunkt zurück.

Auffallend viele katholische Einrichtungen

An acht Schauplätzen sind insgesamt 39 Ausstellungsprojekte zu sehen, einige davon wie eine Plakatinstallation direkt an den Wegen dazwischen. Die Orte seien “Teil der Erzählung, sie stehen für ihre speziellen Funktionen und die Projekte sind danach ausgerichtet”, erklärte Festivalleiterin Christl Baur. Die Intention sei zum Teil auch, sich konträr zu diesen Funktionen zu stellen. Dass es sich um auffallend viele katholische Einrichtungen handelt, liege zum einen darin, dass hier die Räumlichkeiten für die Ausstellungen geeignet waren. Zum anderen seien kirchliche Funktionen mit dem Ausstellungsschwerpunkt kompatibel, hieß es.

In der Kirche des Priesterseminars ist beim Projekt “Qwen Stefanie Against Techfascism” der Mediengruppe Bitnik ein digitaler Altarbildschirm zu sehen. Die Mehrkanal-Videoinstallation thematisiert techno-autoritäre Tendenzen und offeriert ein zeitgenössisches Handbuch des Widerstandes. Im Zentrum steht die virtuelle Figur Qwen Stefani, die von einer realen kritischen Influencerin abgeleitet ist.

Vögel sollen Protestsongs zwitschern

Auf dem Weg zur nächsten Location findet man klingende Nistkästen im Baum. Mit “Radical Climate Action Bird” verwandelt Dennis Siering antifaschistische Protestlieder in Vogelgesänge, um sie auch den Vögeln beizubringen. Insbesondere Amseln sollen leicht neue Gesänge erlernen können, hieß es.

Die Sound-Installation “Noise of War” okkupiert den Raum der Kirche der Elisabethinen mit aus Zinkblech gefertigten Orgelpfeifen, die erklingen, sobald man sich nähert und die über Sensoren mit der Kirchenorgel verbunden sind. Durch Veränderung der Luftzufuhr entsteht ein Rauschen, der “Noise of War”. Die Besucher können sich den Pfeifen nähern und ändern so mit den elektromagnetischen Feldern den Luftstrom, sodass leise Obertöne aus dem Rauschen entstehen.

Ein überdimensionales Nashorn

Auch das große, weiße Nashorn ist hier im Verlauf des Ausstellungs-Rundgangs zu finden. Die Installation “The Rhinoceros in the Room” von Itamar Gov aus Dänemark hat ursprünglich in doppelter Größe in einem Kirchenraum Platz gefunden. Hier füllt es in reduzierter Form immerhin fast einen Turnsaal aus. Hintergrund ist Eugène Ionescos Theaterstück “Rhinocéros” aus dem Jahr 1959, in dem das Tier als Metapher für Mitläufertum steht und das an Aktualität nichts verloren hat.

(S E R V I C E – )