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Evangeliumkommentar: Dem Jetzt Raum geben

02.08.2026 • 09:00 Uhr
Evangeliumkommentar: Dem Jetzt Raum geben
Das Mosaik in der Kirche der Brotvermehrung in Tabgha am See Genezareth erinnert an die Speisung der Fünftausend aus dem Matthäusevangelium.Shutterstock

In unseren wöchentlichen Evangelienkommentaren geben Geistliche, Religionslehrerinnen, Theologinnen und andere ihre Gedanken zum Sonntagsevangelium weiter. Heute mit Brigitte Knünz, Mitglied des Werkes der Frohbotschaft Batschuns.

In jener Zeit, als Jesus hörte, dass Johannes enthauptet worden war, zog er sich allein von dort mit dem Boot in eine einsame Gegend zurück. Aber die Volksscharen hörten davon und folgten ihm zu Fuß aus den Städten nach. Als er ausstieg, sah er die vielen Menschen und hatte Mitleid mit ihnen und heilte ihre Kranken. Als es Abend wurde, kamen die Jünger zu ihm und sagten: Der Ort ist abgelegen und es ist schon spät geworden. Schick die Leute weg, damit sie in die Dörfer gehen und sich etwas zu essen kaufen! Jesus aber antwortete: Sie brauchen nicht wegzugehen. Gebt ihr ihnen zu essen! Sie sagten zu ihm: Wir haben nur fünf Brote und zwei Fische hier. Er antwortete: Bringt sie mir her! Dann ordnete er an, die Leute sollten sich ins Gras setzen. Und er nahm die fünf Brote und die zwei Fische, blickte zum Himmel auf, sprach den Lobpreis, brach die Brote und gab sie den Jüngern; die Jünger aber gaben sie den Leuten und alle aßen und wurden satt. Und sie sammelten die übrig gebliebenen Brotstücke ein, zwölf Körbe voll. Es waren etwa fünftausend Männer, die gegessen hatten, dazu noch Frauen und Kinder. Matthäus 14,13-21

Alles gut vorauszuplanen, das gehört zu mir. Das Planen hat den Vorteil, alles sorgfältig vorzubereiten und in Ruhe durchzuführen. Die Kehrseite davon ist, dass ich unflexibel und nicht offen bin für andere, vielleicht bessere Lösungen. Heute lerne ich bei Jesus, im Jetzt zu leben, zu entscheiden und zu handeln.

Wir steigen im Evangelium an jener Stelle ein, wo Jesus gerade erfahren hat, dass man einen für ihn sehr wichtigen Menschen ermordet hat. Trauer überfällt ihn und er will allein sein. Doch am vermeintlich einsamen Ort empfangen ihn schon Scharen von Menschen mit großen Erwartungen an ihn. Und da! Jesus kehrt nicht um und sucht sich einen anderen Ort für seine Trauer, sondern er lässt sich berühren, hat Mitleid mit diesen Menschen, sieht ihre Leiden, ihre Sehnsucht nach Heilung. Ohne zu zögern, stellt er sein eigenes Bedürfnis zurück und wendet sich den Menschen zu bis es Abend wird. Vorrang hat, wo die Not am größten ist.

Nun setzt Jesus noch eins drauf: Die Menschen sollen nicht weggeschickt werden, sondern Gemeinschaft erfahren im miteinander Essen. Für die Jünger ist das so nicht geplant gewesen, sie sind dafür nicht vorbereitet, haben nicht Essen für so viele dabei – das geht doch nicht! Aber Jesus fordert sie auf, das Wenige, das sie haben, zu bringen. Es ist mehr als überschaubar. Aber es ist da. Das Wenige, das ich einbringen kann, mit anderen teilen – dazu fordert Jesus uns auf. Aber das nützt doch nichts, könnte ich als Jüngerin realistischerweise einwerfen. Und was tut Jesus? Er hält das Wenige seinem Vater im Himmel hin, erwartet von ihm, dass er dazutut, was uns fehlt, und legt so seinen Segen auf die Gaben. Mein kleiner Beitrag geht durch den Segen Gottes zu den Menschen. Nur so wird es reichen. So wird mein Mangel aufgefüllt. So wird es zur Fülle, ja Überfülle.

Wenn ich mich davon löse, alles selbst überlegen, organisieren, machen zu müssen, dann entstehen Freiräume, die ein Mehr zulassen. Dann finden Ideen, Menschen, Fügungen zusammen, die ungeahnt Großes entstehen lassen. Religiös gesprochen nenne ich das: Dem Heiligen Geist den Platz für sein Wirken zugestehen. Das geht nur, wenn ich meine Zügel nicht straff angezogen halte, sondern auch Abweichungen durch diesen göttlichen Beweger zulasse. Ich bin auf dem Weg, das Planen immer mehr sein zu lassen und aufmerksam gegenwärtig auf seine Zeichen zu achten.

Brigitte Knünz
Brigitte Knünz ist Mitglied des Werkes der Frohbotschaft Batschuns.