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Die Frage, die junge Vorarlberger derzeit überall stellen

01.08.2026 • 16:38 Uhr
Die Frage, die junge Vorarlberger derzeit überall stellen
Julian Bitsche und Claudia Bauer im Gespräch mit der NEUE an der FHV. Stiplovsek(6)

Viele Junge wollen sich etwas schaffen. Doch im Gespräch Ministerin Claudia Bauer und JVP-Vorarlberg-Obmann Julian Bitsche wurde klar, wie eng dieser Wunsch inzwischen geworden ist.

Wer mit jungen Menschen spricht, hört derzeit immer wieder dieselben Fragen. Werde ich mir irgendwann Eigentum leisten können? Reicht mein Einkommen für eine Familie? Wie sieht meine Zukunft in Österreich und Europa aus? Genau diesen Themen widmeten sich Europaministerin und Familienminis­terin Claudia Bauer sowie JVP-Landesobmann Julian Bitsche bei ihrem Besuch in Vorarlberg.

Diese Fragen seien erstaunlich ähnlich, egal ob in Wien oder Vorarlberg, sagt Bauer. „Kann ich mir später einmal etwas schaffen? Kann ich eine Familie gründen? Das sind Fragen, die ich derzeit überall höre“, sagt Bauer.

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Für sie zeigen Gespräche mit Jugendlichen und Studien ein ähnliches Bild. Neben globalen Krisen und der allgemeinen Unsicherheit beschäftigten viele vor allem ganz konkrete Alltagssorgen. Der Wunsch nach den eigenen vier Wänden sei nach wie vor groß, erscheine für viele aber kaum noch erreichbar.

„Für einen Großteil ist Wohneigentum einfach keine Realität mehr und ein Traum geblieben“, sagt die Ministerin. Umso wichtiger sei es, jungen Menschen wieder das Gefühl zu geben, dass sich Leistung auszahle und sie sich mit Arbeit eine Zukunft aufbauen könnten.

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Eigentum darf kein Traum bleiben

Besonders deutlich wird Bauer beim Thema Wohnen. Dass sich junge Menschen trotz Vollzeitbeschäftigung kaum noch Eigentum leisten könnten, bezeichnet sie als eine der größten politischen Herausforderungen. „Man muss wieder wissen: Es zahlt sich aus, wenn ich arbeiten gehe. Ich kann mir dann früher oder später etwas schaffen, eine Familie gründen und eigene vier Wände kaufen.“

„Wir haben uns als Junge Volkspartei massiv auf die Füße gestellt, dass diese unsägliche KIM-Verordnung fällt.“ Diese habe gerade jungen Paaren den Zugang zu Wohnbaukrediten erschwert. Allerdings sei das Problem damit noch nicht gelöst. Nach wie vor gebe es Fälle, in denen Kreditnehmer bei deutschen Banken bessere Bedingungen erhielten als in Österreich.

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Auch die Nebenkosten beim Immobilienkauf sieht Bauer als Belastung. Die zeitweise Abschaffung der Eintragungsgebühren ins Grundbuch und Pfandrecht sei für viele junge Familien eine spürbare Entlastung gewesen. Dass diese Regelung aus Budgetgründen ausgelaufen sei, bedaure sie. Langfristig müsse man hier wieder ansetzen.

Julian Bitsche sieht das ähnlich. Im Austausch mit jungen Vorarlbergern stehe das Thema Wohnen regelmäßig an erster Stelle. Eigentum dürfe nicht zu einem Privileg jener werden, die bereits Vermögen mitbrächten. Gerade für Berufseinsteiger brauche es wieder realistische Perspektiven.

Familie braucht Wahlfreiheit

Eng mit dem Thema Wohnen verbunden ist für Bauer die Familienpolitik. Dass sich viele junge Menschen ihren Kinderwunsch erst spät oder gar nicht erfüllten, habe unterschiedliche Ursachen. Neben finanziellen Fragen spielten ausreichend Kinderbetreuungsangebote und die Vereinbarkeit von Familie und Beruf eine entscheidende Rolle.

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Für sie stehe dabei die Wahlfreiheit im Mittelpunkt. Eltern sollten selbst entscheiden können, wie sie Familie und Beruf organisieren möchten. Dafür brauche es sowohl finanzielle Unterstützung als auch genügend Betreuungsplätze, insbesondere für Kinder unter drei Jahren.

„Ich habe das Gefühl, dass wir uns viel zu sehr mit den Dingen beschäftigen, die gegen Kinder sprechen, und nicht auch die schönen Seiten des Familienlebens hervorstreichen.“ Viel zu oft würden ausschließlich Belastungen thematisiert. Dabei zeigten Umfragen, dass sich viele junge Menschen durchaus Kinder wünschen. Politik könne dafür Rahmenbedingungen schaffen, letztlich gehe es aber auch darum, wieder mehr Zuversicht zu vermitteln.

Zivildienst

Ein zentrales Thema des Gesprächs war die kürzlich beschlossene Wehrdienstreform. Dass der Grundwehrdienst künftig länger dauert, hält Bauer für notwendig. Noch wichtiger sei aus ihrer Sicht allerdings die Zukunft des Zivildienstes. Der demografische Wandel werde in den kommenden Jahren dazu führen, dass deutlich weniger junge Männer für Wehr- oder Zivildienst zur Verfügung stünden, während der Bedarf in Pflegeeinrichtungen, Rettungsorganisationen und sozialen Einrichtungen weiter steige.

Die Ministerin rechne deshalb damit, dass der Automatismus, der den Zivildienst bei sinkenden Wehrpflichtigenzahlen verlängert, schon bald greifen könnte. „Ich gehe davon aus, dass sich der Zivildienst schon im nächsten Jahr automatisch von neun auf elf Monate verlängern wird“, sagt Bauer. „Die Verlängerung des Zivildienstes braucht’s nicht, damit der Grundwehrdienst attraktiver ist. Die braucht’s, weil uns sonst die Zivildiener ausgehen.“ Laut Prognosen würden ab 2040 jährlich rund 4000 Zivildiener fehlen.

Julian Bitsche bestätigt das aus Vorarlberger Sicht. Bei Gesprächen mit Rettungsorganisationen werde immer wieder deutlich, wie schwierig es bereits heute sei, ausreichend Zivildiener zu finden. Gerade Blaulichtorganisationen seien auf deren Unterstützung angewiesen.

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Standortvorteil Europa

 Dass die Gespräche im Rahmen der Sommertour an der FH Vorarlberg stattfanden, war für Bauer kein Zufall. Vorarlberg sei ein starker Forschungs- und Wirtschaftsstandort und profitiere in besonderem Maß von europäischen Förderprogrammen. Gerade die enge Zusammenarbeit zwischen Wissenschaft und Unternehmen mache den Standort aus.

„Unser wichtigster Bodenschatz ist das Hirnschmalz“, sagt Bauer. Gleichzeitig fordert sie, dass sich die EU stärker auf jene Bereiche konzentriert, in denen gemeinsames Handeln tatsächlich notwendig sei. „Wir müssen uns als Europäische Union auf die Bereiche konzentrieren, wo wir ein starkes, geeintes Europa brauchen.“ Weniger Bürokratie und effizientere Strukturen seien ebenso notwendig wie eine klare Aufgabenverteilung zwischen Brüssel und den Mitgliedstaaten.

Integration als Verpflichtung

In der Integrationspolitik setzt Bauer weiterhin auf klare Regeln. Freiwilligkeit allein habe sich nicht bewährt. Wer angebotene Deutsch- oder Wertekurse ohne Entschuldigung abbreche oder sich einer Arbeitsaufnahme verweigere, müsse mit Konsequenzen rechnen. Gleichzeitig müssten jene unterstützt werden, die sich aktiv integrieren wollten.

Bitsche verweist in diesem Zusammenhang auf den Vorarl­berg-Kodex. Integration könne nur gelingen, wenn alle ihren Beitrag leisteten. „Es gehören beide Seiten dazu“, sagt der Vorarlberger JVP-Obmann.

Chancen und Grenzen der Künstlichen Intelligenz

Zum Abschluss richtet sich der Blick erneut auf die Studierenden. „Künstliche Intelligenz ist eine große Chance“, sagt Bauer, warnt aber davor, die Technologie unkritisch zu nutzen. Zeitlose Kompetenzen wie Kreativität, Urteilsvermögen und kritisches Denken würden künftig sogar noch wichtiger. KI könne unterstützen, die Verantwortung für Entscheidungen bleibe aber beim Menschen.

Auch beim Umgang mit digitalen Medien sieht die Familienministerin Eltern in der Verantwortung. Gesetze allein könnten Medienkompetenz nicht vermitteln. „Analoge Fähigkeiten zählen und sind etwas wert, gerade in einer Welt, die sich immer mehr digitalisiert“, sagt Bauer. Gerade für junge Menschen werde der verantwortungsvolle Umgang mit neuen Technologien deshalb zu einer Schlüsselkompetenz.