„Wie oft telefonieren Sie mit Kickl, Herr Landestatthalter?“

Landesstatthalter und FPÖ-Landesparteiobmann Christof Bitschi (FPÖ) über Sparzwänge, Migration und den Stadttunnel. Außerdem verrät er, wie eng der Austausch mit Bundesparteiobmann Herbert Kickl ist und warum zu Hause seine Frau das „Finanzministerium“ führt.
Herr Landesstatthalter, unsere Startfrage an alle Interviewpartnerinnen und -partner: Käsekrainer oder Kimchi-Toast?
Christof Bitschi: Käsekrainer, ganz klar.
Aus Prinzip oder einfach, weil sie jetzt gerade mehr Lust darauf haben?
Bitschi: Erinnert mich an ein Fußballmatch und darum immer Käsekrainer.
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Kimchi-Käsetoast oder
Käsekrainer?
Mit dieser Einstiegsfrage begrüßt die Redaktion der NEUE Vorarlberger Tageszeitung die Parteispitzen aller Landtagsparteien zum kurzweiligen Sommerinterview im Bregenzer Kiosk International.
Sind Sie generell jemand, der lieber bei Bewährtem bleibt oder gerne mal was Neues ausprobiert?
Bitschi: Ich glaube, als Vorarlberger schätzt man es, wenn sich Bewährtes auch in Zukunft fortsetzt. Aber ich bin als 35-jähriges Regierungsmitglied, also der Jüngste in der Reihe, doch auch offen für Neues.
Der Rechnungsabschluss 2025 fällt besser aus als erwartet, ÖVP und FPÖ sagen „der Sparkurs wirkt“. Wenn man sich das näher anschaut, ist das bessere Ergebnis aber vor allem auf höhere Einnahmen und Sondereffekte zurückzuführen. Verkauft sich die Landesregierung hier nicht ein bisschen besser, als die Zahlen tatsächlich hergeben?
Bitschi: Als wir in die Landesregierung eingestiegen sind waren wir durchaus überrascht vom negativen Budget. Wir haben das Jahr 2025 genutzt, in ein laufendes Budget einzugreifen, was gar nicht so einfach ist. Wir haben doch einiges an Sparpotenzial gefunden, aber ich bin völlig bei Ihnen. Wir sind noch lange nicht am Ziel angekommen. Diese Landesregierung hat sich zum Ziel gesetzt, das Nulldefizit wieder normal zu machen und da liegt noch einiges an Arbeit vor uns.

Sparen ist natürlich nach wie vor unausweichlich. In welchem Bereich hat es Ihnen denn ganz besonders wehgetan?
Bitschi: Ich glaube, wir haben den Sparkurs flächendeckend angelegt. In der Öffentlichkeit wurde das ab und zu so dargestellt, als würden wir nur im Gesundheits- und Sozialbereich sparen. Schaut man sich den Rechnungsabschluss 2025 an, gibt es aber gerade dort trotzdem Steigerungen. Von einem Kahlschlag kann also wirklich keine Rede sein. Was wir in einem ersten Schritt geschafft haben, ist, diese großen Steigerungen abzudämpfen. Das wird auch in den kommenden Jahren das große Ziel sein.
Sie sprechen oft von Budgetdisziplin. Wer schaut eigentlich in der Familie Bitschi aufs Geld?
Bitschi: Ich habe das Finanzministerium ganz klar an meine Frau abgegeben. Es ist bewundernswert, wie sie unser Leben organisiert, obwohl ich nicht viel zu Hause bin. Sie hat auch im Betrieb ordentlich Verantwortung übernommen und kümmert sich gleichzeitig um unsere kleine Familie. Ich bin froh, dass ich eine so gute Finanzministerin habe.
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Gibt es auch bei Ihnen zu Hause den einen oder anderen Bereich, in dem Sie sagen: Diese Anschaffung überlegen wir uns zweimal?
Bitschi: Ich bin so erzogen worden, dass man jeden Euro zweimal umdreht und überlegt, ob diese Investition wirklich sein muss. Darum höre ich es auch in der Politik auch nicht gerne, wenn jemand sagt: Das sind nur 10.000 Euro oder nur 500.000 Euro. Jede sinnlose Ausgabe oder jede Ausgabe, die zu hoch ist, muss hinterfragt werden. Jede Struktur muss hinterfragt werden. So bin ich auch privat. Ich glaube, die Finanzministerin zu Hause ist mit mir zufrieden.
Was sagen Sie einer alleinerziehenden Mutter, die sich das Leben in Vorarlberg kaum noch leisten kann? Weder die Kinderrichtsätze noch der Familienzuschuss wurden an die Teuerung angepasst, während, so der Vorwurf der Opposition, Hunderte Millionen Euro in den Stadttunnel investiert werden.
Bitschi: Die Darstellung ist grundlegend falsch. Ich habe das auch im Budget 2026 sehr klar dargelegt. Wenn man sich den Stadttunnel anschaut, sind das 1,7 Prozent des Landesbudgets. Es wird immer so getan, als hätte man das Budget saniert, wenn es den Stadttunnel nicht gäbe. Das ist faktisch falsch. Fakt ist aber auch: Die Teuerung der vergangenen Jahre und die Nicht-Handlungsfähigkeit der Bundesregierung in den vergangenen fünf Jahren haben dazu geführt, dass die Teuerungsraten in Österreich deutlich höher sind als in anderen Ländern der Europäischen Union. Dass ausgerechnet die Grünen das jetzt kritisieren, obwohl sie fünf Jahre auf Bundesebene und zehn Jahre auf Landesebene mitregiert haben, ist in Summe nicht unbedingt glaubwürdig.

Ihre Frau Julia ist Tunnelpatin, sprich die irdische Vertreterin der heiligen Barbara, Schutzpatronin der Mineure. Hat sie bisher Glück gebracht?
Bitschi: Das Projekt Stadttunnel ist auf Kurs. Gestern haben wir ein Etappenziel erreicht. Die ersten 500 Meter sind geschafft. Wir sind auf halber Distanz bis zum Kreisverkehr. Bis dato bin ich mit der Arbeit der Tunnelpatin sehr zufrieden.
Der rechtswidrige Baustopp beim Stadttunnel hat Zeit und Geld gekostet. Können Sie heute schon sagen, wie teuer er das Land Vorarlberg zu stehen kommt?
Bitschi: Wir haben in Summe knapp fünf Monate verloren, konnten inzwischen aber schon wieder einiges aufholen. Unser Ziel ist es, das Tempo in den nächsten Monaten so zu erhöhen, dass wir diese Zeit wieder hereinholen können. Damit sollen letztlich auch die Mehrkosten für das Land so gering wie möglich bleiben. Mein großes Ziel als Verkehrslandesrat ist, dass wir die Kosten einhalten können.
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Aber es hat Gutachten und Rechtsanwälte benötigt, und es braucht auch mehr Personal, um die verlorene Zeit wieder hereinzuholen. Da werden wohl noch zusätzliche Kosten auf das Land zukommen.
Bitschi: Die ersten Abrechnungen der Projektteile, die wir bisher abgeschlossen haben, zeigen aber, dass wir teilweise unter Budget, also unter den Erwartungen, liegen. Wenn das so weitergeht, ist der Verkehrslandesrat zufrieden.
Kommen wir zum öffentlichen Verkehr. Sie sind dafür politisch zuständig und Aufsichtsratsvorsitzender des Verkehrsverbunds Vorarlberg. Viele Fahrgäste ärgern sich über die kräftigen Tariferhöhungen von bis zu 150 Prozent. Wie passt das mit dem freiheitlichen Versprechen zusammen, die Menschen zu entlasten?
Bitschi: Auch hier muss man bei den Fakten bleiben. Speziell Ex-Landesrat Daniel Zadra (Anm.: Grüne) versucht hier, eine Blase zu erzeugen. Ich orientiere mich vor allem an den Beschwerden, die tatsächlich beim Verkehrsverbund eingegangen sind. In der Worst-Case-Situation hatten wir 24 Beschwerden in einer Woche, in der vergangenen Woche waren es noch zwei. Ja, es ist die größte Tarifumstellung seit mehr als zehn Jahren. Das führt vor allem in den ersten Monaten zu Unsicherheiten. Für 85 Prozent wird das Fahren mit den Öffis nicht teurer, sondern bleibt gleich teuer oder wird sogar günstiger. Mir war wichtig, dass die Jahreskarten nicht stärker als der Index erhöht wurden. Wenn man sich zum Beispiel Wien anschaut, wurde die Jahreskarte deutlich stärker als der Index erhöht. Das wäre dann die große Belastung. Die Zahlen, die Kollege Zadra ab und zu in die Luft schleudert, sind leider hinten und vorne falsch.

Wann sind Sie zuletzt mit Bus oder Zug gefahren?
Bitschi: Mein Sohn wird bald drei Jahre alt und ist ein großer Bus- und Zug-Fan. Deshalb bin ich in den vergangenen Monaten immer wieder mit Bus und Bahn unterwegs gewesen.
Und ein Bagger-Fan ist er wahrscheinlich auch? (Anm.: Die Familie Bitschi führt ein Unternehmen für Erdbau und Transporte)
Bitschi: Es geht ein bisschen in diese Richtung. Vielleicht übernimmt er einmal das Unternehmen und wird Baggerfahrer oder wir müssen eine Zugfirma gründen und in den Cargo-Bereich einsteigen.
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Wer mit Bus oder Zug unterwegs ist, kommt irgendwann auch am Bahnhof Dornbirn vorbei- dort ist Sicherheit immer wieder ein Thema. Die FPÖ setzt seit Jahren stark auf dieses Thema. Dabei klaffen subjektives Sicherheitsgefühl und tatsächliche Kriminalitätsentwicklung oft auseinander. Wo verläuft für Sie die Grenze zwischen berechtigter Warnung und politischer Zuspitzung?
Bitschi: Wir haben die Probleme an den Bahnhöfen und in den öffentlichen Bereichen in Vorarlberg immer wieder sehr deutlich angesprochen. Dafür wurden wir teilweise heftig kritisiert. Ich kann mich an eine meiner ersten Landtagsreden erinnern. Damals habe ich gesagt, dass ich mich dafür einsetze, dass sich speziell junge Frauen im öffentlichen Raum wieder sicher fühlen. Da ist ein Raunen durch die Landschaft gegangen. Ich glaube, wenn Sie heute auf der Straße eine Umfrage machen, ob sich speziell junge Frauen im öffentlichen Raum sicher fühlen, dann bekommen Sie ein sehr klares Stimmungsbild. Darum war es wichtig, Akzente zu setzen. Im Land selbst hat man leider relativ wenig Handlungsspielraum, weil die großen Themen in Wien entschieden werden. Die Umsetzung der Waffenverbotszone in Dornbirn war aber sicher ein wichtiger Schritt, der auch für mehr Sicherheit sorgt.
Mit Daniel Allgäuer verlässt ein langjähriger und erfahrener Weggefährte die politische Bühne. Er gilt als Politiker, der auch über die Parteigrenzen hinweg Anerkennung findet. Wie sehr wird er der FPÖ, aber auch Ihnen persönlich, fehlen?
Bitschi: Wenn sich ein Politiker, der mehr als 25 Jahre in der Landespolitik tätig war, entscheidet, in die wohlverdiente Politpension zu gehen, tut das natürlich immer weh. Daniel Allgäuer war weit mehr als ein Parteikollege. Er war ein väterlicher Freund, vor allem in meiner Anfangszeit als junger Politiker. Er ist mir immer mit Rat und Tat zur Seite gestanden. Wenn ich Fragen habe, wird er mir hoffentlich auch künftig als Berater zur Verfügung stehen.

Vor der Wahl war Migration eines Ihrer großen Themen. Heute tragen Sie Regierungsverantwortung. Können Sie den Vorarlbergern heute konkret sagen, was sich seit Ihrem Amtsantritt verbessert hat?
Bitschi: Natürlich ist Migration, wenn man sich die österreichweiten Forschungsergebnisse anschaut, das große Thema. In den vergangenen Jahren hat es oft geheißen, die FPÖ ziehe dieses Thema an den Haaren herbei. Die großen Eckpfeiler im Migrationsbereich, vor allem die Zuwanderung, müssen auf Bundesebene, wenn nicht sogar auf europäischer Ebene geregelt werden. Da scheint sich jetzt auch etwas zu bewegen, auch mit EU-Kommissar Magnus Brunner. Solange wir die Zuwanderung in unser Land nicht in den Griff bekommen, werden wir im Migrationsbereich relativ wenig regeln können. Was wir in Vorarlberg machen können, ist, klare Leitplanken zu definieren, was wir von Zuwanderern hier erwarten und was nicht. Mit dem Kodex und den Verschärfungen im Sozialbereich haben wir wichtige Eckpfeiler bereits umgesetzt.
Haben Sie eigentlich auch Begegnungen mit Menschen mit Migrationsgeschichte gehabt, die Ihr Bild positiv verändert haben?
Bitschi: Ich komme aus einer Baufirma und habe dort sehr viel mit zugewanderten Menschen zu tun gehabt. Sie waren für mich immer ein Musterbeispiel dafür, wie Integration und Migration funktionieren können. Mittlerweile hat auch ein großer Teil unserer Wählerschaft einen Migrationshintergrund. Von ihnen bekomme ich immer wieder eine sehr klare Botschaft: Wir sind damals gekommen, haben uns integriert, gearbeitet und Leistung gebracht. Die Zuwanderer, die jetzt teilweise neu ins Land kommen, machen das alles nicht. Die Kritik von Menschen mit Migrationshintergrund in unserem Land ist teilweise deutlich intensiver als jene von Menschen, die schon immer hier gelebt haben.
Auf Bundesebene hetzt Herbert Kickl regelmäßig gegen Migranten. Wie eng ist Ihr Austausch mit dem Bundesparteiobmann?
Bitschi: Ich verwehre mich gegen den Begriff „Hetzen“, den Sie jetzt verwenden. Ich glaube, wir sprechen auf Bundesebene sehr klar und deutlich an, was sich in den vergangenen Jahren alles falsch entwickelt hat. Dass wir damit offenbar die richtigen Themen ansprechen, zeigt auch, dass wir in den Umfragen mit Abstand die stärkste Kraft sind.

Das war nicht meine Frage.
Bitschi: Sie haben gesagt, unser Bundesparteiobmann hetze. Das möchte ich so nicht stehen lassen und kann ich auch nicht akzeptieren. Der Austausch mit Herbert Kickl ist sehr positiv. Was mich von Anfang an besonders überrascht hat, ist, wie wenig er sich tatsächlich in Landesthemen einmischt. Er gibt uns als Landesparteiobleuten den großen Spielraum, hier selbst Entscheidungen zu treffen. Das entspricht nicht immer dem Bild, das in der Öffentlichkeit gezeichnet wird. Diese Rollenverteilung, stärkste Oppositionskraft in Wien und gleichzeitig fünf Landesregierungen, funktioniert in der FPÖ sehr gut. Manche hatten die Hoffnung, dass die FPÖ daran zerbrechen würde. Ich glaube, die vergangenen Monate haben gezeigt, dass genau das Gegenteil der Fall ist.
Wie oft telefonieren Sie mit Kickl?
Bitschi: Das kommt ganz auf die Themenlage an. Es gibt Phasen, in denen wir täglich telefonieren. Dann gibt es wieder Zeiten, in denen sich jeder auf seine Arbeit konzentriert. Das ist sehr situationsabhängig, aber der Austausch ist hervorragend.
Wenn Sie auf die vergangenen Monate zurückblicken: Wo müssen Sie selbstkritisch sagen, das ist Ihnen bzw. der Landesregierung nicht so gelungen, wie Sie es sich vorgenommen hatten?
Bitschi: Das Tempo in der Landesregierung sollte noch deutlich erhöht werden. Wir haben mit Sicherheit eine gewisse Zeit gebraucht, um uns in der Landesregierung einzufinden und auch beim Budget den Überblick zu bekommen. Wenn Sie mich fragen, was in den nächsten Jahren unser Ziel sein muss, dann ist es, das Tempo deutlich zu erhöhen und die Themen noch schneller auf den Punkt zu bringen. Aber ich bin sehr guter Dinge, dass wir das auch umsetzen können.
Wo machen Sie Urlaub?
Bitschi: Ich bin eigentlich kein großer Freund von Urlaub. Aber unser Finanzminister zu Hause hat entschieden, dass wir eine Woche an den Gardasee fahren. Ansonsten haben wir eine kleine Landwirtschaft im Brandnertal. Wenn man sich die Arbeit dort anschaut, ist das für viele wahrscheinlich wie Urlaub.
Ist Brand so schön, dass man eigentlich gar nicht wegfahren muss?Bitschi: Auf jeden Fall. Jeder, der schon einmal in Brand war, weiß das. Und ganz allgemein haben wir in Vorarlberg viele schöne Plätze. Da muss man gar nicht weit wegfahren. Aber eine Woche gönne ich meiner Familie und mir in einem Land, in dem mich wahrscheinlich niemand kennt.
Wie könnnen Sie am besten abschalten?
Bitschi: Seit ich zwei Kinder habe, habe ich gelernt, wie man abschaltet. Man konzentriert sich automatisch zu 100 Prozent auf die Familie. Besser abschalten als im Familienurlaub geht nicht.