Ashton-Hommage des Staatsballetts zum Saisonabschluss

30.06.2026 • 10:17 Uhr
Ashton-Hommage des Staatsballetts zum Saisonabschluss

Zum Spitzentanz auf der Bühne der Wiener Staatsoper gesellte sich am Montagabend die eine oder andere Choreografie wedelnder Fächer im Zuschauerraum. Die Wiener Ballettchefin Alessandra Ferri hat in ihrer ersten Saison eine lieb gewonnene Tradition wieder aufgenommen – eine Gala zum Saisonfinale. Diese Ballettshow widmete sie heuer dem legendären britischen Tänzer und Choreografen Frederick Ashton, der von 1963 bis 1970 das Londoner Royal Ballet leitete.

Für die Italienerin ist das eine “zutiefst persönliche” Angelegenheit, denn sie arbeitete in den 1980ern in London mit der 1988 verstorbenen Tanzikone, deren Stil oft als “English Style” bezeichnet wird. In einer kurzen Ansprache schwärmte sie von seiner Intelligenz, seinem Humanismus, seiner Musikalität, seinem Humor und der Art und Weise, wie “seine Choreografien den ganzen Körper kommunizieren” lassen. Seine Arbeit, so Ferri weiter, erfülle jede Bewegung mit Eleganz, Sensibilität und Schönheit. Und: Auch wenn die Interpretationen “leichtfüßig und schwerelos” aussehen würden, seien sie technisch höchst anspruchsvoll.

Meisterwerk des Klassizismus

Die Gala startete mit der Wienpremiere von “Rhapsody” vor einem antik anmutenden Tempel. Es handelt sich um eine der letzten Arbeiten von Sir Frederick Ashton, die 1980 anlässlich des 80. Geburtstags der Queen Mother im Royal Opera House in London uraufgeführt wurde. Kreiert worden war sie für den Startänzer Mikhail Baryshnikov. “Meine Inspiration schöpfe ich nicht nur aus den Klassikern des 19. Jahrhunderts, sondern aus dem Prinzip des Klassizismus selbst”, hat Frederick Ashton über dieses virtuose Ballettstück gesagt. Das ballettaffine Wiener Publikum erfreute sich an der Feier der verschiedenen Balletttraditionen, an explosiven Sprüngen, lyrischen Interpretationen, wirbelnden Drehungen, eleganten Hebefiguren, rasanten Soli und intensiver Expression der Solotänzerin Cassandra Trenary und des Solotänzers António Casalinho.

Ein Coup der Gala war, dass man nicht nur Ashton Tribut zollte, sondern auch sein künstlerisches Erbe abbildete. Der britische Choreograf Christopher Wheeldon ließ sich für “Within the Golden Hour” nicht nur von der Streichmusik von Ezio Bosso, sondern auch von den vergoldeten Oberflächen und der Figurenanordnung Gustav Klimts inspirieren. Die Flüchtigkeit der titelgebenden goldenen Stunde, das Spiel von Annäherung und Distanz der Körper im Raum, die Sinnlichkeit der umschlungenen Körper – all das harmonierte in Tableaus, in herausschälenden Strukturen und der Übersetzung von Emotionen wunderbar fließend. Ganz so, als würden die verspielten Bewegungen zwischen Duetten und Gruppenszenen live auf die Bühne gemalt.

Spektakuläre Emotionen, fröhliche Stimmung

Unter der prunkvollen musikalischen Leitung von David Coleman spielte sich das Orchester der Wiener Staatsoper durch ikonenhafte Tanzszenen wie etwa “Der sterbende Schwan”. Die weltberühmte Choreografie von Michel Fokine hat nichts von ihrem revolutionären Charakter eingebüßt: Ketevan Papava, Erste Solotänzerin des Wiener Staatsballetts, ringt mit atemberaubender Präzision diesem symbolhaften Stück über den steten Kampf ums Überleben spektakuläre Emotionen ab und wurde dafür vom Publikum gefeiert.

Aus dem Reigen der stilprägenden und vielseitigen Choreografien von Asthon erlebten die Zuschauerinnen und Zuschauer u.a. das identitätsstiftende und fröhliche Ballett “La Fille mal gardée” mit charmantem Bändertanz, bezaubernden Pirouetten und hinreißender Lovestory zwischen Lise (Margarita Fernandes) und Colas (Davide Dato). Das stimmungsvolle Pas de deux “Voices of Spring” zur Musik von “Frühlingsstimmen” von Johann Strauss (Sohn) feierte die Erste Solotänzerin Laura Fernandez Gromova und Solotänzer Arne Vandervelde. Alessandro Fola brilliert in Ashtons Solo “Dance of the Blessed Spirits” aus 1978 ausdrucksstark. Unter einer Decke voller Luster beendete stilecht ein Ausschnitt aus “Diamonds (Jewels)” von Choreograf George Balanchine die glänzende Ballett-Gala 2026 mit Polonaise und funkelndem Pas de deux von Olga Esina und Victor Caixeta – Erste und Erster Solotänzer – unter langem Applaus des Publikums. Fortsetzung: erwünscht.

(Von Julia Schafferhofer/APA)

(S E R V I C E – )