Aufständische nehmen Flughafen und TV-Sender im Niger ein

Im westafrikanischen Sahel-Staat Niger haben Angreifer einem Militäroffizier zufolge den internationalen Flughafen und das Gebäude des staatlichen Fernsehsenders eingenommen. Nationale Sicherheitskräfte hätten bisher den Präsidentenpalast in der Hauptstadt Niamey verteidigen können, sagte ein hochrangiges Mitglied des Militärs, das anonym bleiben wollte. In der Nacht auf Samstag war es Augenzeugen zufolge zu Schüssen und Explosionen in der Hauptstadt gekommen.
Besonders umkämpft war die Gegend um den Präsidentenpalast und den Diori Hamani Flughafen. Einem Reporter der Deutschen Presse-Agentur zufolge begannen die Unruhen gegen 1.00 Uhr Ortszeit (2.00 Uhr MEZ) und dauerten etwa sechs Stunden an. Urheber und Ursache der Kämpfe waren zunächst unklar. Am Samstag blieb die Lage weiter unübersichtlich.
Nach Angaben von Hamid Amadou N’gadé, dem ehemaligen Kommunikationsberater des 2023 vom Militär abgesetzten Präsidenten Mohamed Bazoum, war der Präsidentenpalast unter schwerem Mörserbeschuss. Auch im Gebiet um den Flughafen sei es zu heftigen Zusammenstößen gekommen. In mehreren Teilen der Hauptstadt sei die Stromversorgung unterbrochen worden.
Laut Bana Wagana Ibrahim, Mitglied des Präsidiums des Konsultativrats von Niger und Abgeordneter im Parlament der Allianz der Sahelstaaten (AES), nahmen die Angreifer vor allem die Militärbasis des Flughafens ins Visier.
Dritter Angriff auf Flughafen 2026
Bereits Mitte Juni und im Jänner war es in der Hauptstadt zu ähnlichen Vorfällen gekommen. Ziel war neben Regierungsgebäuden in beiden Fällen auch der Flughafen. Heute sind auf der Basis unter anderem russische Söldner und von der Türkei erworbene Drohnen untergebracht. Im Jänner reklamierte ein Ableger der Terrormiliz Islamischer Staat (IS Sahel) den Angriff für sich.
Der großteils in der Wüste gelegene Binnenstaat Niger hat rund 28 Millionen Einwohner und ist eines der ärmsten Länder der Welt. Im Juli 2023 putschte sich das Militär an die Macht. Putschanführer General Abdourahamane Tiani, der eng mit Russland verbündet ist, ist mittlerweile ohne Wahlen bis mindestens 2030 zum neuen Präsidenten erklärt worden.