Ausbau der institutionellen Psychotherapie gefordert

17.09.2026 • 13:29 Uhr
Ausbau der institutionellen Psychotherapie gefordert

Die Arbeitsgemeinschaft (ARGE) Institutionelle Versorgung für psychische Gesundheit aus mehreren in diesem Bereich tätigen Organisationen hat am Donnerstag den Ausbau in ihrem Aufgabengebiet gefordert. Die Politik und die Österreichische Gesundheitskasse (ÖGK) hätten zwar in den vergangenen Jahren das Angebot für Psychotherapie ausgebaut und erweitert. Es gebe aber immer noch “unzumutbare Wartelisten für Klientinnen und Klienten”, hieß es bei der Pressekonferenz in Wien.

Ziel müsse es sein, deutlich mehr kostenlose Psychotherapie als Sachleistung in Institutionen anzubieten, wurde von mehreren Vertreterinnen und Vertretern einiger der in der ARGE vereinten Stellen betont. “Vulnerable Gruppen sind auf diese kostenlose Sachleistung angewiesen”, betonte Christoph Gleirscher, Geschäftsführer vom Hilfswerk Niederösterreich. Klinisch-psychologische Behandlung solle auch im institutionellen Bereich Kassenleistung werden, nannte er eine Vertragserweiterung als eine Forderung der ARGE.

Fast ein Viertel mit psychischer Störung

Außerdem will die Arbeitsgemeinschaft die Sicherung und Abgeltung der Ausbildungstätigkeiten und Nachwuchsförderung erreichen. “Wir tragen die Last der Ausbildung. Diese Aufwendungen werden nicht abgegolten”, berichtete Gleirscher. Viele Kolleginnen und Kollegen würden zudem aus finanziellen Gründen in den Wahlbereich wechseln oder im Projekt “Gesund aus der Krise” arbeiten, wo sie mehr Geld erhalten. Für Kollegen in Ausbildung unter Fachsupervision forderte die ARGE ebenso eine Abgeltung.

Laut Daten von 2021 haben 23,8 Prozent der österreichischen Bevölkerung eine krankheitswertige psychische Störung, erläuterte Henriette Löffler-Stastka von der MedUni Wien. Von diesen kommen 14 Prozent im medizinischen System an und sieben Prozent in die Situation, dass sie tatsächlich motiviert sind, eine Psychotherapie in Anspruch zu nehmen, sagte die Psychotherapieforscherin. “Von diesen sieben Prozent kommen aber nur drei Prozent tatsächlich in einer krankenkassenfinanzierten Psychotherapie an.” Von den Fachärzten und Psychotherapeuten sei jedoch eine “sehr große Kapazität” vorhanden. Es brauche die Aktivierung und bessere Verteilung bestehender Kapazitäten.

Vorteile der Institutionen

Es gebe nach Bundesländern Unterschiede, was die Höhe der Sachleistung betrifft, und ein Stadt-Land-Gefälle bei der Suche von Betroffenen nach Psychotherapeuten. Diese seien am Land schwieriger zu finden, berichtete Hedwig Wölfl von der Kinderschutzorganisation Die Möwe Österreich. Die in der ARGE vereinten Institutionen haben multiprofessionelle Teams – beispielsweise aus Sozialarbeit, Psychologie, sozialpädagogischen Fachkräften – und eine Vernetzungslandschaft sowie laufende Qualitätssicherung, hob sie die Vorzüge der Stellen hervor.

“Frauen, die zu uns kommen, sind oft überfordert”, erklärte Manuela Fritz-Hauser von der Organisation Frauen für Frauen. Es gebe in Österreich insgesamt “viele tolle Angebote, aber keine Systembrücken”. Institutionelle Einrichtungen können diese herstellen, sagte sie. Neben der Psychotherapie brauche es oft auch andere Unterstützung. Es sei wichtig, die Lebensrealitäten der Betroffenen miteinzubeziehen. Psychische Erkrankungen entstehen nicht immer aus einem einzelnen Problem heraus, betonte Fritz-Hauser.

(S E R V I C E – Website der ARGE: )