“Auszeit-WG” mit Alarmsystem und Security ausgestattet

23.07.2026 • 11:13 Uhr
"Auszeit-WG" mit Alarmsystem und Security ausgestattet

Welche Sicherheitsvorkehrungen in der nun in Betrieb gegangenen “Auszeit-WG” für Intensivtäter unter 14 in Wien gelten, zeigt ein Blick in das Konzept der Einrichtung. Demnach arbeitet ein Securitymann, der gerade die Ausbildung zum Sozialpädagogen absolviert, in der Wohngemeinschaft. Ein Alarmsystem existiert ebenfalls in dem mit bruchsicheren Fenstern und Türen ausgestatteten Haus in Simmering, wie ein Sprecher von Stadträtin Bettina Emmerling (NEOS) auf APA-Anfrage sagte.

Das System, “das die Außenwelt im Anlassfall durch laute Signale aufmerksam macht”, sei auf Anraten der Polizei implementiert worden, hieß es. In Notfällen könnten die Betreuerinnen und Betreuer die Scheibe des Alarmsystems einschlagen. “Das Alarmsystem dient ausschließlich dem Schutz unserer Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter und kommt nur als letzte Maßnahme in absoluten Notfällen zum Einsatz”, wurde erklärt. Da sich grundsätzlich immer mindestens zwei Mitglieder des Teams gleichzeitig in der Einrichtung befänden, handle es sich um “eine reine Notfalllösung”.

Selbstverteidigungskurse für Personal

Zusätzlich sind alle Betreuerinnen und Betreuer “vor Ort auf spezielle Festhaltetechniken, Deeskalationstechniken und Selbstverteidigung geschult”, erklärte der Sprecher. Jener Mitarbeiter in Ausbildung zum Sozialpädagogen sei primär als Sicherheitskraft tätig.

Der für die Betreuung zuständige Verein geht in seinem Konzept davon aus, “dass es vor allem am Beginn des Aufenthalts zu stärkeren Widerständen kommt und Mitarbeit verweigert wird”. In der Einrichtung seien rund um die Uhr mindestens zwei Teammitglieder im Dienst. “Bei Bedarf werden zusätzliche Personalkapazitäten eingesetzt”, sagte der Sprecher.

Digitale Medien nicht erlaubt

Die Selbstverteidigungsschulungen finden laut dem Büro der Stadträtin und Wiener Vizebürgermeisterin in regelmäßigen Abständen statt. “Dadurch soll ein Höchstmaß an Sicherheit hergestellt werden”, heißt es in dem der APA vorliegenden Konzept zu der Einrichtung. Wobei stets auf den Grundsatz des gelindesten Mittels zu achten sei, wie in dem Papier ausgeführt wird.

Digitale Medien sind in der Wohngemeinschaft laut dem Sprecher nicht erlaubt. Der vor rund einer Woche aufgenommene 13-Jährige musste sein Handy zu Beginn des Aufenthalts abgeben. In dem Haus steht ihm ein Mobiltelefon mit den Nummern seiner Eltern sowie der Kinder- und Jugendanwaltschaft zur Verfügung.

Kosten von fast einer Million Euro

Unterrichtet werden die Kinder von Heilstättenlehrern. Das freizeitpädagogische Angebot umfasst laut dem Konzept unter anderem ein Trampolin, Besuche in einem Klettergarten, Bogenschießen, Basteln/Werken oder tiertherapeutische Angebote. Ergänzend dazu stehen unter anderem Ergotherapie, Psychotherapie, gewaltpräventive Maßnahmen oder Musiktherapie auf dem Programm.

Zudem seien die Kinder in die Erstellung des Speiseplans eingebunden und kochen gemeinsam mit den Betreuern. Die Mahlzeiten finden drei Mal am Tag in gemeinsamem Rahmen mit dem Personal statt. Der in fünf Stufen gegliederte Aufenthalt in dem Haus am Stadtrand Wiens kann bis zu zwölf Wochen dauern. Gedacht ist die Maßnahme für Kinder, die wiederholt schwere Taten gesetzt haben.

Kritik von SPÖ-Bezirksvorsteher

Emmerling hatte die Pläne für das österreichweite Pilotprojekt mit Kosten von fast einer Million Euro pro Jahr gemeinsam mit der für Kinder- und Jugendhilfe zuständigen Magistratsabteilung 11 (MA 11) im April vorgestellt. Das Vertretungsnetz, die Volksanwaltschaft, Personalvertreter innerhalb der Stadt Wien sowie die Opposition hatten daraufhin Kritik geäußert.

Am Donnerstag schoss auch der Simmeringer SPÖ-Bezirksvorsteher Thomas Steinhart gegen die rot-pinke Stadtregierung. Er habe bereits von der Auswahl des Standorts in Simmering lediglich “aus den Medien” erfahren und sei nun auch nicht über den Start informiert worden, hieß es in einer Aussendung des Bezirkschefs, über die zuerst der ORF Wien berichtete. Informationen zum Sicherheitskonzept des Hauses seien ihm ebenfalls verweigert worden. Auf Anfrage habe er nur unzureichende Infos bekommen “ohne näher auf den Stufenplan und weitere Sicherheitsvorkehrungen im Falle von Regelverstößen einzugehen”, ärgerte sich Steinhart.