Autoparkplätze beanspruchen österreichweit 31.700 Hektar
Parkende Autos brauchen viel Platz. Wie viel das österreichweit ist, hat die Studie “Parking Space Insight (PSI)” erhoben. 13,6 Millionen Stellplätze wurden erfasst, der Großteil davon sind offene, ebenerdige Parkplätze abseits der Straße. Jeder achte Parkplatz befindet sich in Parkhäusern, Tiefgaragen und Privatgaragen, rund zehn Prozent liegen direkt am Straßenrand, teilte die TU Graz am Mittwoch per Aussendung mit. Insgesamt werden 31.700 Hektar dafür beansprucht.
Das entspreche etwa der zweieinhalbfachen Fläche des Grazer Stadtgebiets oder fast der gesamten Fläche des Neusiedler Sees, wie die Grazer Verkehrsexperten errechnet haben. “Beim Parkraummanagement wurde bislang vielfach mit Schätzungen oder unvollständigen Datensätzen gearbeitet”, schilderte Michael Cik vom Institut für Straßen- und Verkehrswesen der TU Graz. Die nun vorliegende Untersuchung hat mithilfe eines neuen Analyseverfahrens unterschiedliche Datenquellen wie u. a. OpenStreetMap, digitale Landschaftsmodelle, Mobilfunk- und Echtzeitnutzungsdaten und die Graphenintegrationsplattform GIP zusammengeführt und ausgewertet.
Hohe Stellplatzdichte im internationalen Vergleich
Erstaunlich ist die Parkplatzdichte im internationalen Vergleich, der zeigt, wie großzügig Österreich mit Parkraum umgeht: Umgerechnet auf die Bevölkerungszahlen kommen auf Graz 0,74 Stellplätze pro Einwohner, in Wien 0,67 Stellplätze je Einwohner. In Barcelona und Paris liegt das Angebot mit 0,48 bzw. 0,35 Stellplätzen pro Einwohner deutlich niedriger.
Laut den Experten haben diese Unterschiede neben einer restriktiveren Parkraum- und Verkehrspolitik in Paris und Barcelona auch historische Ursachen: Die steirische Landeshauptstadt ist weniger dicht bebaut und zähle mehr Einfamilien- und Reihenhausgebiete mit meist privaten Stellplätzen oder Garagen. Wien sei von einem wesentlich höheren Anteil an dichter Gründerzeitbebauung und großstädtischen Quartieren mit begrenztem Platzangebot geprägt. Paris und Barcelona hingegen wurden größtenteils lange vor der Massenmotorisierung errichtet, dort stehe aufgrund der dichten Stadtstruktur deutlich weniger Raum für Parkplätze zur Verfügung.
Flächenparkplätze verbrauchen meisten Platz
Für die hohe Parkplatzdichte seien aber auch die österreichischen Bauordnungen und Raumordnungsgesetze verantwortlich. Selbst dort, wo öffentliche Verkehrsmittel verfügbar sind, mussten bei nahezu jedem Neubau automatisch Parkplätze mitgebaut werden. Die Regelungen seien erst in den vergangenen Jahren in vielen Städten schrittweise gelockert worden.
Die Studie brachte interessante Zahlen zur Flächeneffizienz der unterschiedlichen Stellplatztypen zutage: Hier zeigte sich bei Parkgebäuden, Garagen und Tiefgaragen eine vergleichsweise hohe Effizienz: Sie stellen zwölf Prozent der Stellplätze bereit, benötigen dabei aber nur etwa 2,4 Prozent der Gesamtfläche des ruhenden Verkehrs. Im Gegensatz dazu würden die Flächenparkplätze (77 Prozent der Stellplätze) über 91 Prozent der Gesamtfläche beanspruchen.
Österreichweites Parkraummonitoring möglich
“Zusammenfassend verdeutlichen diese Zahlen, dass in Österreich vor allem die nicht gestapelten, ebenerdigen Parkflächen den massivsten Flächenverbrauch verursachen, nämlich 29.000 der insgesamt 31.700 Hektar”, hob Cik hervor. Er betonte zudem: “Jeder Parkplatz ist eine Entscheidung darüber, wie wir unseren Raum nutzen. Unsere Ergebnisse zeigen, wo wertvoller Raum gebunden wird, und liefern Städten und Gemeinden eine fundierte Grundlage, um Parkraum künftig effizienter und nachhaltiger zu planen.”
Die Studienautoren empfehlen, die entwickelte Methodik in ein permanentes, österreichweites Parkraummonitoring zu überführen. Mit einem schrittweise aufgebauten Standardmodell könnte man eine kontinuierlich aktualisierte und qualitätsgesicherte Datengrundlage schaffen, die als Grundlage für evidenzbasierte Entscheidungen in der Verkehrs-, Raum- und Stadtplanung herangezogen werden könnte. Das Projekt wurde vom Institut für Straßen- und Verkehrswesen der TU Graz gemeinsam mit der yverkehrsplanung GmbH (Projektleitung), PRISMA solutions EDV-Dienstleistungen GmbH und TraffiCon Software GmbH umgesetzt. Finanziert wurde es vom Klima- und Energiefonds.