Bayreuther Festspiele müssen am Jubiläumsjahr sparen

16.06.2026 • 12:37 Uhr
Bayreuther Festspiele müssen am Jubiläumsjahr sparen

In wenigen Wochen feiert mit den Bayreuther Festspielen Deutschlands bedeutendstes Klassikfestival sein 150-Jahr-Jubiläum. Zumindest ein bisschen. Denn die Feierlichkeiten fallen deutlich kleiner und bescheidener aus als ursprünglich geplant: Das ambitionierte Vorhaben der Festspiele, alle für Bayreuth kanonisierten Werke Wagners in einer Saison aufzuführen, ist ebenso an der Finanzlage gescheitert wie die Pläne der Stadt Bayreuth für eine Festmeile zur Festivaleröffnung.

Geldprobleme sind in der Geschichte rund um Wagner und Bayreuth nichts Neues. Mit schnöden Finanzierungsfragen, gar mit Schulden, hatte auch einst Richard Wagner zu kämpfen. Er hatte in Bayerns König Ludwig II. aber schließlich einen Mäzen und Bewunderer, der einsprang. Heutzutage in einer Demokratie ist das freilich nicht mehr so einfach, auch wenn Bayerns Ministerpräsident Markus Söder (CSU) bei vielen Gelegenheiten betont, seine Zuneigung zu Wagners Werken stets vertiefen zu wollen.

Schon vor etlichen Monaten haben die Verantwortlichen auf dem Grünen Hügel das Jubiläumsprogramm im Festspielhaus aus Kostengründen eingedampft. Eigentlich sollten alle zum dortigen Repertoire gehörenden Wagner-Opern gespielt werden – plus das Frühwerk “Rienzi”. Doch diese ganz großen Pläne mussten begraben werden. “Rienzi” bleibt, und der vierteilige “Ring des Nibelungen” wird als KI-Projekt aufgeführt.

Dortmund statt Bayreuth 

Und die Uraufführung der neuen Oper “Brünnhilde brennt” gibt es – anders als geplant – auch nicht zum Festspiel-Jubiläum, zumindest nicht ganz. Das Stück soll in Bayreuth nun nur noch konzertant aufgeführt werden, die szenische Erstaufführung ist für die Spielzeit 2026/27 vorgesehen, und zwar nicht in Bayreuth, sondern im nicht unbedingt als Wagner-Stadt bekannten Dortmund. 

Begründet werden die drastisch eingedampften Jubiläumspläne damit, dass die Personalkosten einfach zu hoch seien. Darum werde es “den Bayreuther Festspielen perspektivisch nicht gelingen, die hierfür benötigten zusätzlichen Finanzmittel aus eigener Kraft zu erwirtschaften” – und das trotz eines “nach wie vor sehr hohen Eigenfinanzierungsgrades” von mehr als 55 Prozent.

Und auch den Gesellschaftern sei es wegen der allgemeinen Haushalts- und Wirtschaftslage nicht möglich, “zum Ausgleich der Defizite deutlich höhere Mittel bereitzustellen”. Dabei hatte die Gesellschaft der Freunde von Bayreuth Festspiel-Chefin Katharina Wagner in einem bisher beispiellosen öffentlichen Vorschlag eine zusätzliche Million angeboten, um zumindest einen Teil der großen Jubiläumspläne zu retten.

Festmeile zu teuer

Baustellen im Hinblick auf das Festspieljubiläum hat auch die Stadt. Zum einen ist da eine Personalie: Die Kulturreferentin und damit eine der Verantwortlichen für das Thema ist “derzeit widerruflich freigestellt”, wie es offiziell bei der Stadt heißt. Vertretungsweise führt nun der neue Oberbürgermeister Andreas Zippel (SPD) das Referat, der erst seit 1. Mai im Amt ist.

Zum anderen: Vor einigen Tagen sagte die Stadt eine Festmeile ab, die eigentlich zum Festspielstart geplant war. Begründung: “überraschend große Deckungslücken in erheblichem Umfang”, so Zippel. Mit Blick auf andere wichtige Projekte der Stadt, nicht zuletzt im sozialen Bereich, erscheine die Festmeile in der angekündigten Form “nicht mehr vertretbar”.

Ein Miniatur-Festspielhaus für den Nachwuchs 

Dennoch ist es nicht so, dass es heuer nichts gibt außer den Opern und Beethovens 9. zum Auftakt am 25. Juli mit Dirigent Christian Thielemann im legendären Festspielhaus. Für das Kinder- und Jugendprogramm wurde eigens ein kleines Festspielhaus errichtet, das 199 Plätze fasst. Dort soll die Kinderoper, ein Herzensprojekt Katharina Wagners, aufgeführt werden, zudem sind eine Reihe weiterer Veranstaltungen und Aktionen geplant, um schon die Jüngsten mit Wagners Werk vertraut zu machen.

Auch das Richard-Wagner-Museum, das dieses Jahr 50 Jahre alt wird, feiert – und zwar unter der Überschrift: “50/150 – Utopie und Echo.” Denn schließlich, so schreibt das Haus, gehe es um “150 Jahre Theatergeschichte, in denen sich zugleich 150 Jahre deutscher Geschichte in allen Höhen und Tiefen wie in einem Brennglas bündeln”.