„Vom Ich zum Du und schließlich zum Wir“

Partizipation stärkt das Miteinander. Warum Mitgestaltung für eine lebendige Gesellschaft wichtig ist, erklärte Peter Egg, Keynote-Speaker der „Langen Nacht der Partizipation“.
Warum ist Partizipation heute so wichtig?
Peter Egg: Partizipation ist ein zentraler Baustein für ein gelingendes Miteinander in unserer Gesellschaft. Die gesellschaftliche Entwicklung kann man gut anhand von drei „P“ beschreiben: Zuerst stand „Protection“, also Schutz, im Mittelpunkt – etwa der Schutz von Kindern. Danach rückte die Prävention stärker in den Fokus. Heute geht es zunehmend um Partizipation. Menschen wollen eingebunden werden, mitgestalten und erleben, dass ihr Handeln etwas bewirken kann. Dieses Gefühl von Selbstwirksamkeit ist enorm wichtig – für Kinder, Jugendliche und Erwachsene gleichermaßen.
Was braucht gute Beteiligung, damit sie funktioniert?
Egg: Beteiligung muss auch Freude machen. Dafür braucht es Räume, Zeit und auch finanzielle Möglichkeiten. Entscheidend ist aber vor allem die Haltung dahinter. Partizipation sollte als Grundverständnis gelebt werden. Politik, Verwaltung, Schulen, Familien und die Jugendarbeit tragen gemeinsam Verantwortung. Wenn Menschen erleben, dass ihre Meinung zählt, kann sich die Gesellschaft positiv weiterentwickeln.
Gerade in der Jugendarbeit wechseln die Generationen laufend. Ist das eine besondere Herausforderung?
Egg: Ja, absolut. In der Jugendarbeit beginnt man in gewisser Weise immer wieder von vorne. Deshalb ist es so wichtig, möglichst viele Beteiligungsmöglichkeiten anzubieten. Haltungen entstehen nicht durch Theorie allein, sondern durch Erfahrungen. So entwickelt sich auch das Denken weiter: vom Ich zum Du und schließlich zum Wir.
Was macht die „Lange Nacht der Partizipation“ besonders?
Egg: Hier kommen Menschen zusammen, erzählen von gelungenem Miteinander und holen sich Inspiration für zukünftige Projekte. Das ist ein echtes Empowerment für die gesamte Beteiligungsszene. Dass sich heuer 27 Projekte angemeldet haben, ist ein starkes Zeichen.
Welche Wirkung kann Beteiligung auf die Gesellschaft haben?
Egg: Beteiligung schafft einen positiven Diskurs darüber, wofür es sich lohnt zu leben und sich zu engagieren. Gerade in herausfordernden Zeiten ist es wichtig, handlungsfähig zu bleiben und Menschen in Bewegung zu bringen.
Welche Verantwortung sehen Sie bei den Eltern?
Egg: Eltern haben eine ganz bedeutende Rolle. Es wäre durchaus überlegenswert, eine Art „Elternführerschein“ einzuführen. Dabei könnte man gemeinsam darüber sprechen, wie gutes Zusammenleben gelingt und wie Beteiligung im Alltag gelebt werden kann.
Wo kann Beteiligung im Alltag gelernt werden?
Egg: Soziale Lernorte wie die Familie, die mobile Jugendarbeit, Sportvereine, verbandliche Jugendarbeit und viele andere Einrichtungen sollten gestärkt werden, damit dort Alltagspartizipation eingeübt werden kann. Dafür braucht es geeignete Methoden und Werkzeuge – aber vor allem Menschen, die Beteiligung ernst nehmen und vorleben.