Bergführer legt Bewilligung nach Glockner-Streit zurück

31.08.2026 • 15:46 Uhr

Nach der Aufregung um ein Video, das einen Streit zwischen einem steirischen Bergführer und einem polnischen Alpinisten am Mürztalersteig am Großglockner in Osttirol zeigte, hat Ersterer seine behördliche Bewilligung bzw. Lizenz zurückgelegt. Dies berichtete die Online-Ausgabe der “Tiroler Tageszeitung” am Montag unter Berufung auf den steirischen Bergsportführerverband zuerst. Der Mann werde künftig nicht mehr als Bergführer tätig sein.

Nach Bekanntwerden des Vorfalls hatte die Polizei Matrei in Osttirol nach einer Anzeige Ermittlungen wegen Gefährdung der körperlichen Sicherheit gegen den Bergführer aufgenommen. Das auf Social Media verbreitete Video zeigte den Bergführer, wie er mit seiner Seilschaft an einer engen und ausgesetzten Stelle an einem polnischen Paar vorbeiziehen möchte. Während er die Frau überholte, entwickelte sich ein verbaler Streit mit dem filmenden Alpinisten. Der Bergführer gestikulierte, schrie – “Ich bin Bergführer, halt’s Maul!” – und schimpfte – der Alpinist tat dasselbe und zeigte den Mittelfinger. Ein unfreundliches Wort gab das andere. Schließlich ging der Bergführer zu dem Polen zurück und rüttelte den Mann am Arm, was teils für Empörung sorgte und offenbar die polizeilichen Untersuchungen auslöste.

Wie der steirische Bergsportführerverband medial kundtat, hatte sich bereits der Disziplinarausschuss des Verbandes mit der Causa befasst. Dieser hätte den Fall beraten und anschließend eine Empfehlung an die Landesregierung abgegeben, die die Bewilligung bzw. Lizenz erteilt. Letztlich habe der Bergführer dann aber von sich aus beschlossen, die Lizenz zurückzulegen. Nun brauche es noch eine formale Bestätigung durch das Land. Der Obmann des steirischen Bergsportführerverbandes, Peter Perhab, erklärte indes gegenüber dem Online-“Standard”, dass der Fall für den Berufsstand “natürlich alles andere als positiv” sei. Bergführer hätten eine sehr lange Ausbildung und würden genau auf solche Situationen, auf Überholmanöver und Führungstaktik, vorbereitet. “Aber natürlich ist auch ein Bergführer ein Mensch und kann einen schlechten Tag haben”, betonte Perhab. Trotzdem: “Zurückzugehen und den anderen Bergsteiger zu attackieren, macht man nicht – nicht auf der Straße, nicht in der Stadt und natürlich auch auf keinen Fall am Berg.”

Kritische Reaktionen

Eine kritische Reaktion hatte es bereits vergangene Woche vom Kalser Berg- und Skiführerverein gegeben, auf dessen Vermittlung der Steirer unterwegs war. Man sprach von einem “inakzeptablen Verhalten”. Der Bergführer sei zwar kein Mitglied des Vereins gewesen, aber bisher privat beauftragt worden. Man werde dem Mann nun jedenfalls keinen weiteren Auftrag mehr vermitteln, hieß es. Auch der österreichische Berg- und Skiführerverband kündigte eine Prüfung des Zwischenfalls an. Dass eine schnellere Seilschaft andere Bergsteiger überhole, sei zwar grundsätzlich übliche Praxis, ließ der Verband wissen. Ein solches Manöver müsse jedoch in gegenseitiger Abstimmung und unter Einhaltung der Sicherheitsstandards erfolgen. Es sei aber schwierig, allein die Videoausschnitte zu bewerten. Man wolle den Fall genau prüfen, disziplinarrechtliche Maßnahmen für den Bergführer seien möglich.