Anzeige nach falscher Medikamentenausgabe in Seniorenheim
In einem Heim der Wiener Häuser zum Leben sind 20 Bewohnerinnen und Bewohnern über einen längeren Zeitraum falsche Medikamente gegeben worden. Das erklärte der Fonds Kuratorium Wiener Pensionisten-Wohnhäuser (KWP) – Häuser zum Leben am Montag via Aussendung. Die Teamleiterin des Ambulanzteams sowie die Direktorin des Hauses wurden freigestellt. Die Staatsanwaltschaft Wien prüft derzeit eine Stellungnahme des Trägers zu dem Sachverhalt, hieß es von der Behörde.
Wie eine Sprecherin der Häuser zum Leben sagte, sei die Stellungnahme am Montag proaktiv an die Staatsanwaltschaft gesendet worden. Details zum Inhalt der Stellungnahme wurden nicht genannt.
Konkret geht es bei den betroffenen Medikamenten unter anderem um das Schmerzmittel Seractil. “Im konkreten Fall wich die Verabreichung von der ärztlichen Verschreibung ab, da statt der vorgesehenen dreimal täglichen Gabe das Medikament nur zweimal täglich verabreicht wurde”, sagte die Sprecherin. Statt einem konkreten Vitamin-D-Präparat wurde zudem eine andere Variante des gleichen Produkts in Tropfen- statt in Tablettenform gegeben. Ein Arzneimittel gegen eine überaktive Blase wurde stattdessen entgegen einer ärztlichen Verordnung gar nicht verabreicht. Auch seien Medikamente für eine abweichende Tageszeit – etwa mittags statt abends – oder bereits abgesetzte Medikamente weiter gegeben worden.
Erster Fall im März 2025
Erstmals sei ein derartiger Fall im März 2025 aufgetreten, hieß es weiter. “Damals gab es eine diesbezügliche Beschwerde, der wir auch nachgegangen sind”, hieß es. “Die damals gesetzten Schritte waren nicht ausreichend, wie sich jetzt gezeigt hat”, räumte die Sprecherin ein.
Ans Licht gekommen waren die Vorfälle laut der Sprecherin während der Abwesenheit der Direktorin im Haus Leopoldau. “Die stellvertretende Direktorin wurde auf Unregelmäßigkeiten bei der Medikation hingewiesen”, wurde erklärt. Daraufhin sei sofort eine Überprüfung der Medikamentenversorgung angeordnet worden. Ab diesem Zeitpunkt erhielten wieder alle Bewohnerinnen und Bewohner die entsprechende Versorgung.
Labortests bei zwei Bewohnern noch ausständig
Die Häuser zum Leben sprachen am Montag von einem “Personalversagen”. “Weitere dienstrechtliche Konsequenzen werden folgen”, hieß es. Wie viele Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter insgesamt involviert sind, steht noch nicht fest.
Den Betroffenen gehe es gut. Alle Bewohnerinnen und Bewohner des Hauses sowie die Angehörigen der Betroffenen seien bereits informiert worden. Nach Informationen der APA soll sich dies aber lediglich auf den Wechsel bei der Leitung des Hauses beschränkt haben, Gründe dafür sollen die Bewohnerinnen und Bewohner nicht erfahren haben. Bei zwei Betroffenen stehen noch Labortests aus, um gesundheitliche Folgen zur Gänze auszuschließen.
“So etwas hätte niemals passieren dürfen”
“Die Sicherheit unserer Bewohnerinnen und Bewohner hat oberste Priorität, so etwas hätte niemals passieren dürfen”, sagte der Chef der Häuser zum Leben, Christian Hennefeind. Gesundheitsstadtrat Peter Hacker (SPÖ), Präsident des Fonds Kuratorium Wiener Pensionisten-Wohnhäuser – Häuser zum Leben, erklärte die Vorfälle für “inakzeptabel”. “Die Häuser zum Leben müssen die geplanten Schritte zur Aufklärung schnellstmöglich und in vollem Umfang umsetzen”, sagte er.
Demnach wurde nach Feststellung der Vorfälle im Haus Leopoldau eine zusätzliche Kontrollebene eingezogen. “Damit werden unsere Qualitätsabläufe im Medikamentenmanagement im Haus Leopoldau – wie in allen anderen Häusern – wieder eingehalten.”
Die weiteren Hintergründe der Vorfälle sind noch unklar. Zur vollen Aufklärung laufe bereits eine umfassende externe Prüfung der Vorfälle durch zwei Gutachter. Die zuständige Magistratsabteilung 40 für Soziales, Sozial- und Gesundheitsrecht wurde zudem ebenfalls bereits eingeschaltet.
Kritik von FPÖ und ÖVP
“Hacker ist gefordert, umgehend zu handeln”, erklärte die Wiener FPÖ-Gesundheitssprecherin Angela Schütz am Nachmittag in einer Aussendung. Sie verlangte eine rasche Überprüfung und Verbesserung der Abläufe in den Wiener Pflegeeinrichtungen und warf dem Stadtrat “strukturelle Probleme” in seinem Ressort vor.
Mit Unverständnis reagierte auch die Gesundheitssprecherin der Wiener Volkspartei, Gemeinderätin Ingrid Korosec. Sie forderte “volle Transparenz” und die “notwendigen Konsequenzen” ein. “Vor allem muss geklärt werden, wie diese Vorfälle trotz bestehender Kontrollen über einen längeren Zeitraum unentdeckt bleiben konnten. Auch die internen Abläufe und Verantwortlichkeiten müssen dabei genau geprüft werden.”