Vorarlberg

“Wir sind fassungslos”: Vorarlberger Tierarzt soll nachts mit Schlägen auf Kühe losgegangen sein

11.08.2026 • 14:26 Uhr
"Wir sind fassungslos": Vorarlberger Tierarzt soll nachts mit Schlägen auf Kühe losgegangen sein
Die Aufnahmen sorgen bei Tierschutzaktivistin Sandy P. Peng für große Empörung. Symbolbild/Hartinger

Polizei prüft Sachverhalt, Behörde kündigt Vor-Ort-Kontrolle an. VGT zeigt sich erschüttert, Tierarzt dementiert Vorwürfe und spricht von nächtlicher Insektenbekämpfung.

Ein Vorarlberger Landwirt, der auch als Tierarzt tätig ist, steht im Mittelpunkt schwerer Vorwürfe. Der NEUE liegt eine Videoaufnahme vor, die zeigt, wie mutmaßlich diese Person (Identität ist der Redaktion bekannt) mit einer Taschenlampe bei Nacht ihren Stall betritt und dort beginnt, ein Rind lautstark mit vulgären Beleidigungen zu beschimpfen und deutlich hörbar mit einem Gegenstand mehrfach auf das Tier einzuschlagen.

Aufgrund Ihrer Datenschutzeinstellungen wird an dieser Stelle kein Inhalt von Youtube angezeigt.

Informierten Kreisen zufolge sei das nicht das erste Mal gewesen, dass der Tierarzt mit außergewöhnlicher Grobheit gegen seine Rinder, die er in einem Anbindestall hält, vorgehe. Mehrmals sei sein Verhalten in den letzten Monaten den Behörden gemeldet worden, zuletzt Ende Juli. Auch die Polizei sei Anfang August vor Ort gewesen. Auf die Vorkommnisse angesprochen, habe seine Frau die Vorwürfe zurückgewiesen, heißt es. Die NEUE recherchierte zum Sachverhalt.

Polizeiliche Erhebungen laufen

Auf Anfrage bei der Landespolizeidirektion (LPD) Vorarlberg teilt eine Sprecherin mit: “Das vorliegende Videomaterial ist Gegenstand laufender polizeilicher Erhebungen. Aufgrund einer bei der Polizei eingebrachten Meldung wurden erste Erhebungen zur Sachverhaltsfeststellung getätigt.” Diese Überprüfungen dauern laut LPD Vorarlberg noch an.

Norbert Greber
Landesveterinär Norbert Greber beantwortete die NEUE-Anfrage an Christian Gantner. Land Vorarlberg

Eine Anfrage an den für Landwirtschaft und Veterinärangelegenheiten zuständigen Landesrat Christian Gantner (ÖVP) leitet dieser mit der Begründung, für das Ressort Tierschutz sei er nicht verantwortlich (dieses liegt bei Martina Rüscher), an den Landesveterinär Norbert Greber weiter. Dieser erklärt, dass keine Vorwürfe der Tierquälerei bekannt seien. Das Videomaterial sei “leider in sehr schlechter Qualität und damit auch unbrauchbar, um zweifelsfrei klären zu können, wer was genau macht.” Daher sei es auch ungeeignet, um ein Verfahren führen zu können. Allerdings kündigt der Landesveterinär an: “Unabhängig davon wird aber zeitnah eine Vor-Ort-Kontrolle durchgeführt, um Hinweise auf mögliche Verstöße direkt vor Ort zu ermitteln.”

Tierarzt spricht von nächtlicher Ungezieferbekämpfung

Der Tierarzt selbst weist die Vorwürfe der Tierquälerei im Telefonat mit der NEUE zurück und hat eine umfassende Erklärung parat: Er bekämpfe in der Nacht Ungeziefer wie Fliegen und andere Insekten, die seine Kühe belästigen würden. Außerdem schildert er einen Vorfall (“Dort muss wohl das Video entstanden sein.”), bei dem eine Kuh in den Futterbarren gefallen sei. Dabei sei es ihm gelungen, das Tier aus dem Trog zu retten. Das habe Lärm gemacht: “Ich habe dem Tier das Leben gerettet, ich habe es gut gemeint. Die Kuh wäre in dieser Position verendet, das kann ich nicht zulassen.” Dabei habe er der Kuh einen Klaps bzw. Schlag verpasst, damit sie in die richtige Richtung gehe. Bei Kühen sei es aber so, dass ihnen dies nichts tun könne, die Tiere hätten ein “anderes Schmerzempfinden als der Mensch”. Das wisse er aus seiner langjährigen Erfahrung als Tierarzt.

Auf das Video angesprochen fragt er immer wieder: “Warum sollte ich auf meine Kühe einschlagen? Das bringt nichts, mit Schlägen erreicht man gar nichts.” Allerdings – daher erklärt sich der Mann die Beschimpfungen – müsse man gelegentlich laut mit den Rindern werden, denn: “Die testen die Grenzen aus. Kühe muss man auch erziehen.” Seine Tiere würden ihn aber lieben, “das merke ich jeden Tag, wenn ich in den Stall komme.” Für die Vorwürfe hat er kein Verständnis: “Heutzutage kann jeder einfach jeden anzeigen. Mit mir hat keiner über die Vorwürfe geredet.” Der Tierarzt bestätigt den Polizeieinsatz Anfang des Monats, er habe den Beamten seine Version erklärt, “dann hat es gepasst.”

Sandy P. Peng
Tierschutzaktivistin Sandy P. Peng ordnet die Aufnahmen sehr kritisch ein. Privat

Ganz anders reagiert der Verein gegen Tierfabriken (VGT), dem das Video ebenfalls vorliegt: “Wir sind fassungslos. Ein Tierarzt, der nachts in einen Stall geht, Kühe beschimpft und schlägt – Tiere, die an Ketten angebunden und ihm völlig ausgeliefert sind. Die Aufnahmen, die uns zur gleichen Zeit wie die Polizei erreicht haben, sind erschütternd”, so VGT-Aktivistin Sandy P. Peng. “Wenn sich der Verdacht bestätigt, dass solche Übergriffe wiederholt stattgefunden haben, dann sprechen wir nicht von einem ‘Ausrutscher’. Das ist brutale Gewalt gegen wehrlose Lebewesen”, wird sie deutlich.

(NEUE Vorarlberger Tageszeitung)