Blues-Rock-Röhre Beth: Hart, aber herzlich

05.07.2026 • 08:23 Uhr
Blues-Rock-Röhre Beth: Hart, aber herzlich

Vor fast genau einem Jahr musste die US-Blues-Rock-Vokalistin Beth Hart ihre Tour abbrechen und somit auch das Konzert auf der Donaubühne Tulln absagen – am Samstag hat sie den Termin mit einem grandiosen Konzert nachgeholt. Und das mit einem abwechslungsreichen Programm vom eindringlichen Blues über viele weniger bekannte Hart-Songs, die der fragilen Künstlerin am Herzen liegen, bis zu bekannten Gänsehaut-Stimulatoren wie dem Etta-James-Cover “I’d Rather Go Blind”.

Die mittlerweile 54-Jährige macht auch auf der Bühne kein Hehl daraus, dass sie immer wieder schwierige Lebensphasen durchlebt. “Ich kann ziemlich selbstzerstörerisch sein”, bekannte sie auf der Donaubühne. Aber derzeit scheint Beth Hart wieder ziemlich gut drauf zu sein – und das übertrug sich auf die Fans auf den gut gefüllten Tribünen am Donauufer. Die Sängerin mit der wuchtigen Bluesstimme brachte viel Altes, weniger Bekanntes, häufig auch Stimmungsbilder aus schwierigen Phasen, etwa “Crashing Down” aus der in jeder Beziehung komplizierten Zeit mit ihrer ersten Band.

Aber Beth Hart ist immer souverän, am eindringlichsten im Slow Blues; und trotz ihrer bewährten dreiköpfigen Band am wirkungsvollsten solo am Piano, etwa mit dem unglaublich intensiven “Baddiest Blues”, einem von Billie Holiday inspirierten Song, und “Mechanical Heart”. Ganz großartig war auch Sam Cookes “A Change Is Gonna Come” – noch nie zuvor live gespielt, gerade einmal backstage kurz probiert – Beth Hart entschuldigte sich in der Einleitung daher vorsorglich dafür, dass sie vielleicht nicht alle Akkorde sauber treffen wird. Das hat super funktioniert, nur hatte sie sich den Text der letzten Strophe nicht gemerkt. Aber auch das hat die Amerikanerin super-sympathisch dann doch souverän hinbekommen.

Setlist bei jedem Konzert anders

Die Künstlerin wechselt bei der laufenden Tour die Songs ständig aus, keine Setlist gleicht auch nur annähernd der anderen. Das machte den Auftritt in Tulln äußerst erfrischend, dafür sind winzige Ungenauigkeiten im Zusammenspiel mit der Band sehr leicht zu verkraften. Nicht zu verkraften wäre allerdings gewesen, wenn Beth Hart im Programm auf ihre wohl spektakulärste Coverversion verzichtet hätte – aber “I’d Rather Go Blind” kam als Zugabenhöhepunkt.

Der Abend mit Beth Hart war der Auftakt für das diesjährige internationale “Dreier-Set” der Donaubühne: Am 17. Juli folgt der sympathische Mainstream-Jazzer Jamie Cullum, am 24. Juli dann Soul-Jazz-“Prediger” Gregory Porter. Und am 15. August gibt es ein besonderes – nationales – Special: Anna Buchegger & Band in einem Free Concert zu Mariä Himmelfahrt.

(Von Werner Müllner/APA)