Bregenzer Festspiele kritisieren Politik für Kürzungen

Die Bregenzer Festspiele haben heuer 228.000 Karten aufgelegt, die erstmals auf der Seebühne zu sehende Oper “La Traviata” ist ausverkauft, weitere Musiktheaterproduktionen finden großen Zuspruch. Am Pressetag am Mittwoch haben die Regieteams auf dem See und im Festspielhaus ihre spektakulären Konzepte erläutert. Die APA sprach mit der Festspielleitung auch über die Finanzsorgen: Bedingt durch Kürzungen des Bundes fehlen rund 4 Mio. Euro.
In zwei Wochen beginnen die 80. Bregenzer Festspiele. Die Entscheidung von Intendantin Lilli Paasikivi, Verdis Oper “La Traviata” erstmals in der Geschichte des Festivals auf die Seebühne zu bringen, hat großes Publikumsinteresse ausgelöst. Alle 28 Aufführungen sind schon seit Wochen ausverkauft. Die Opernproduktion im Haus, Janáčeks “Die Ausflüge des Herrn Brouček”, weitere Musiktheaterprojekte und die Konzerte sind ebenfalls begehrt. In wenigen Tagen reisen die Wiener Symphoniker an. Besser könnte man sich einen Orchesterprobenstart kaum vorstellen, lautet der Tenor am Pressetag vor Medienvertretern.
Das betrifft das Künstlerische, aber nicht die Politik, wie es Festspielpräsident Hans-Peter Metzler im Gespräch mit der APA ausführt. “Wir haben im Juni 2025 die Hiobsbotschaft erhalten, dass der Bund die Subventionen zwei Jahre lang um 30 Prozent kürzt. Wir haben das schlucken müssen.” Er geht davon aus, dass die Zusage gehalten wird und dass es im Jahr 2027 keine Kürzung gibt. 14 Tage vor der offiziellen Eröffnung am 22. Juli gäbe es diesbezüglich aber noch keinerlei Informationen aus Wien. Metzler wird deutlich: “Die Bregenzer Festspiele sind die einzigen unter den großen Kulturunternehmen in Österreich, deren Subventionen gekürzt wurden. Bei den Salzburger Festspielen wurde nicht gekürzt, auch nicht bei den Bundestheatern. Die Politik bestraft uns immer noch für unseren Erfolg.”
Festspielpräsident: “Weniger Programm bedeutet weniger Steuern für den Staat”
Laut dem kaufmännischen Direktor Michael Diem war es der gute Umsatz im letzten Jahr, der die Festspiele gerettet hatte. “Es muss aber nicht so sein, dass wir jedes Jahr einen Umsatzrekord erreichen”, erklärt er im Gespräch mit der APA. Kürzungen im Programm seien nicht ausgeschlossen. Das Burgtheater ist heuer nur noch im Programm, weil der Bund mit einer zweckgebundenen Sonderfinanzierung von 200.000 Euro auf die Absage der Festspiele an die Wiener Bühne reagierte. Auf Nachfrage der APA wurde erläutert, dass die Kosten der diesjährigen Burgtheater-Gastspiele von dieser Sonderfinanzierung aber nicht gedeckt sind.
Intendantin Lilli Paasikivi betont ihre Gesprächsbereitschaft bezüglich Programmkürzungen. Bregenz sei ein Musiktheaterfestival, fest stehe aber, dass es weitere Produktionen neben der Oper auf dem See brauche, um überhaupt von Festspielen sprechen zu können. Hans-Peter Metzler bemerkt zudem, dass der Subventionsanteil, der durch die Kürzungen nun jährlich 4,9 Mio. Euro beträgt, im Vergleich zu einem Gesamtbudget von 25 Mio. Euro gering sei. Es gelte aber der Grundsatz: “Weniger Programm bedeutet weniger Publikum, weniger Steuern und somit weniger Rückzahlung an den Staat.”
Opernhit auf dem See, selten gespielte Satire im Festspielhaus
700 Quadratmeter misst der zerberstende, scheinbar in den See stürzende Spiegel, der das Podium für Verdis “La Traviata” bildet. “Wir haben den Moment eingefroren, in dem Violetta beim Blick in den Spiegel mit der harten Realität konfrontiert wird”, beschreibt Bühnenbildner Paolo Fantin seine Idee. Regisseur Damiano Michieletto verlegt die Handlung des 1853 uraufgeführten Opernhits in die Goldenen Zwanziger, in eine Zeit voller Lebenslust, in der man aber auch spürte, dass Unheil droht. Projektionen auf dem Spiegel ermöglichen, so Michieletto, das Innenleben sowie die Träume der glamourös erscheinenden Kurtisane zu verdeutlichen. Zum tragischen Finale soll es zudem einen Hoffnungsschimmer geben.
Yuval Sharon inszeniert hingegen im Festspielhaus die 1920 uraufgeführte, selten gespielte Oper “Die Ausflüge des Herrn Brouček” von Leoš Janáček. Er betont im Bühnenbild von Jon Bausor, bei dem ein Haus einmal zur Rakete wird, die auf dem Mond landet, und einmal zum Gefährt, mit dem Brouček ins Mittelalter katapultiert wird, die Satire. Sharon will den Mann, der sich jeglicher Reflexion widersetzt, aber auch als Menschen zeigen, mit dem man sich durchaus identifizieren kann. Dirigent Robert Jindra betont, dass es in Prag jede Menge Broučeks gäbe, Titelheld Peter Hoare kennt ebensoviele in London und ist mit dieser Oper Janáčeks vertraut, die ihm gesanglich unheimlich viel abverlangt.
Die Festspiele haben weiters Orchesterkonzerte und Uraufführungen auf der Werkstattbühne wie “Passion of the Common Man” von Daniel Bjarnason und Royce Vavrek sowie “YUM!” von Wen Liu und Sarah Théry im Programm. Bekannt ist zudem, dass Yuval Sharon im Sommer 2028 nach Bregenz zurückkommt und Wagners “Der fliegende Holländer” auf dem See inszeniert.
(S E R V I C E – 80. Bregenzer Festspiele 2026 von 22. Juli bis 23. August. )