Bregenzer Festspiele werden heuer 80 Jahre alt

12.06.2026 • 09:00 Uhr
Bregenzer Festspiele werden heuer 80 Jahre alt

Die Bregenzer Festspiele feiern ihren “80er”. Als erste künstlerische Aufführung ging ein Mozart-Abend am 5. August 1946 in die Geschichte ein – nämlich das Singspiel “Bastien und Bastienne”, das als erstes Spiel auf dem See auf zwei Kieskähnen dargeboten wurde. Als “Festwoche” ins Leben gerufen, entwickelte sich das Festival mit seiner Seebühne über die Jahrzehnte zu einer renommierten Marke. Heute strömen jährlich bis zu 250.000 Besucher in Vorarlbergs Landeshauptstadt.

Dass das Festival ein fester Bestandteil der europäischen Opernszene werden würde, war 1946 freilich keineswegs absehbar. Von mehreren Bregenzer Akteuren initiiert zur Erbauung in schwieriger Zeit, zur Ankurbelung des Tourismus und als Arbeitsmöglichkeit für aus der Sowjetzone geflohene Künstler, waren damals nur sechs Wochen Vorbereitungszeit geblieben. Es musste viel improvisiert werden. So fehlten etwa Quartiere für die Künstler, viele kamen bei Bauern in der Umgebung unter. Technische Geräte erhielt man im Austausch gegen Lebensmittel von den Wiener Bundestheatern. Als kostengünstige Spielstätte für das erste Spiel auf dem See wählte man erst im Juli zwei Kieskähne im Gondelhafen. Einer sollte bespielt werden, auf dem anderen saßen die Musiker des Vorarlberger Rundfunkorchesters. Über Zeitungsannoncen wurde die Bevölkerung um Unterstützung gebeten, sie sollte ehrenamtlich die Gehsteige reinigen und ihre Häuser beflaggen, um die Gäste willkommen zu heißen. Vor allem aus der Schweiz strömten die Besucher zahlreich in die Vorarlberger Landeshauptstadt.

Auch Sportveranstaltungen

Neben dem Mozart-Abend fanden von 4. bis 11. August 1946 außerdem Sportveranstaltungen, Lesungen, ein Gastspiel der Vorarlberger Landesbühne und ein “Promenadenkonzert” des Vorarlberger Rundfunkorchesters statt. Den Höhepunkt bildeten aber zwei Orchesterkonzerte der Wiener Symphoniker, bis heute Hausorchester, die sich im Nachhinein vor allem für die gute Verpflegung vor Ort schriftlich bedankten. Über 420 Künstler und 280 Sportler wirkten an der ersten Festwoche mit, die in Abgrenzung zu den Salzburger und Bayreuther Festspielen absichtlich so benannt war. Die mühevolle Arbeit der Veranstalter lohnte sich. Die Woche wurde ein voller Erfolg, nicht zuletzt auch dank der französischen Besatzungsbehörden und des Kantons St. Gallen, die das Vorhaben unterstützten und einer Grenzöffnung zustimmten. Insgesamt kamen 25.500 Besucher nach Bregenz, 22.400 allein aus der Schweiz. Der Reingewinn der Festwoche betrug 4.000 Schilling (heutiger Gegenwert: ca. 20.500 Euro).

Heute, 80 Jahre später, feiert das Festival seinen runden Geburtstag ab 13. Juni etwa mit Foto-Ausstellungen im Festspielhaus und entlang der Seepromenade: Im Showroom des Festspielhauses werden unter dem Titel “Re-Light! 80 Jahre Bregenzer Festspielbühnen” Bilder aus der Festspiel-Geschichte gezeigt. In den Bregenzer Seeanlagen bilden großformatige Bilder auf Plakatwänden die wichtigsten Operninszenierungen auf der Seebühne seit 1946 ab. Außerdem treffen sich am 1. August unter dem Motto “Alemania cantat” Chöre, Gesangsgruppen und Einzelpersonen auf der Tribüne der Seebühne zum “Singalong”. Gemeinsam werden berühmte Opernchöre angestimmt.

Ausgeweitetes Programm

Seit ihren Anfangstagen sind die Bregenzer Festspiele kontinuierlich gewachsen, das Programm erfuhr im Laufe der Jahre eine deutliche Ausweitung. So wurden etwa ab 1962 auch Kammermusikkonzerte und Haydn-Opern im Renaissancepalast in Hohenems angeboten, 1972 kamen Theatervorführungen unter freiem Himmel dazu. 1972 war auch das einzige Jahr, in dem auf der Seebühne zwei verschiedene Musiktheaterproduktionen zur Aufführung gelangten (“Der Bettelstudent” und “Die Feenkönigin”), seit 1985 wird das Spiel auf dem See (ursprünglich auch wegen finanzieller Überlegungen) jeweils zwei Sommer lang gespielt, seit 1988 auch eine “Hausoper” inszeniert. 2001 wurde die zeitgenössische Schiene “Kunst aus der Zeit” eingeführt, mit dem Wechsel der Intendanz von David Pountney zu Elisabeth Sobotka 2015 aber wieder aufgegeben. Aktuelle Intendantin ist die Finnin Lilli Paasikivi (seit Oktober 2024).

Der größte infrastrukturelle Meilenstein waren 1979 die neue Seebühne und der Bau des Festspiel- und Kongresshauses mit seiner Eröffnung im Jahr 1980. 1996/97 wurde es auf die doppelte Kubatur vergrößert und 2005/06 für 38,5 Mio. Euro generalsaniert. Bis zum Frühjahr 2025 wurden Festspielhaus und Seebühne innerhalb von etwa drei Jahren abermals für 78,8 Mio. Euro ertüchtigt, saniert und erweitert. Bereits 1998 war die Zuschauerkapazität auf der Seebühne von 4.600 auf beinahe 7.000 Sitze ausgebaut worden, heute liegt sie bei rund 6.700. Festspielhaus, Werkstattbühne und Seebühne bieten somit insgesamt fast 10.000 Kunstbegeisterten Platz.

Spiel auf dem See als Herzstück

Zum Herzstück der Bregenzer Festspiele entwickelten sich über die Jahrzehnte die Aufführungen auf der weltweit größten Seebühne der Welt. In den 1980er-Jahren wurde unter Festspielpräsident Günter Rhomberg und Intendant Alfred Wopmann die “Bregenzer Dramaturgie” entwickelt, die mit spektakulären Bühnenbildern die Basis für nachhaltigen Erfolg legte. Bilder der aufwendigen Kulissen auf der Seebühne schaffen es um die ganze Welt. Damit entkam das Festival finanziell schwierigen Jahren, nach erfolgreichen Jahrzehnten ist das Geld unter anderem infolge der Sparmaßnahmen des Bundes nun aber wieder großes Thema geworden. 2025 resultierte ein Verlust von 4 Millionen Euro. Insbesondere die Zukunft des Schauspiels wird bei den Bregenzer Festspielen infrage gestellt. Bei einem Jahresbudget von heuer 25 Mio. Euro belaufen sich Subventionen und Spenden auf knapp 6,2 Mio. Euro, im vergangenen Jahr und heuer wurden allerdings die Subventionen um je 2,1 Mio. Euro gekürzt. In den Jahren vor der Corona-Pandemie war das Festival praktisch ausverkauft, das gilt auch seither. Die Corona-Pandemie sorgte 2020 für den einzigen Ausfall des Festivals.

Mitarbeiter stahl eine Million Euro

Einen Tiefpunkt erlebten die Bregenzer Festspiele in den 1990er-Jahren, als ein Mitarbeiter seine Vertrauensposition ausnutzte und seine Arbeitgeberin um rund eine Million Euro betrog. Der damals 45-jährige Mann machte sich mit dem Geld aus dem Staub und blieb bis heute verschwunden. Bereits 1982 war nach einem kritischen Rechnungshofbericht samt des Vorwurfs von Misswirtschaft die Funktion eines Kaufmännischen Direktors eingeführt worden, der dem Intendanten gleichgestellt ist. 2008 folgte Michael Diem Franz Salzmann in dieser Position nach und steht noch heute in der Verantwortung.

Organisiert sind die Bregenzer Festspiele als gemeinnützige Gesellschaft mit beschränkter Haftung mit der Bregenzer Festspiele Privatstiftung als Gesellschafter. Als Festspiel-Präsident ist Hans-Peter Metzler seit 2012 im Amt. Fast alle Besucher kommen aus den DACH-Ländern, über 60 Prozent der Gäste reisen aus Deutschland an. Etwa jeder vierte Festivalbesucher ist Österreicher.