Kultur

Hannes Hagen: „Um 10 Uhr telefoniere ich noch mit Iron Maiden“

10.06.2026 • 18:43 Uhr
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Sänger Bruce Dickinson und seine Band „Iron Maiden“ spielen wieder auf dem Nova Rock. Mit Hannes Hagen treffen sie dort einen alten Bekannten. APA/OCZERET/Canva/Privat

Kurz vor Festivalbeginn gewährt Hannes Hagen Einblick hinter die Kulissen des Nova Rock.

Der führende Kopf hinter dem Lustenauer Szene Openair ist seit über 30 Jahren landesweit als erfahrener Kulturmanager bekannt. Dass er seit über 15 Jahren zu den technischen Hauptverantwortlichen des Nova Rock zählt, wissen hingegen deutlich weniger Menschen.

Hannes Hagen
„Um 10 Uhr habe ich noch ein Telefonat mit Iron Maiden. Danach sollte sich ein Interview ausgehen“, antwortet Hannes Hagen, Konzertveranstalter und Betreiber des Dornbirner Clubs Conrad Sohm, auf eine Anfrage der NEUE. Hagen

Mehr als 200.000 Besucher erwartet

So ist es verständlich, aber nicht weniger erstaunlich, mit was für einer Ruhe der gelernte Krankenpfleger von seiner Arbeit spricht. Dabei steht Hagen wenige Stunden vor dem Start von Österreichs größtem Rockfestival, das seit 2005 bei Nickelsdorf im Burgenland stattfindet.

Hannes Hagen: „Um 10 Uhr telefoniere ich noch mit Iron Maiden“
APA/OCZERET

Während die ersten Camper bereits am Mittwoch in die pannonische Ebene pilgerten, werden bis Sonntag über 200.000 Besucher erwartet. Und diese erwarten nicht nur Dosenbier und gute Laune, sondern auch Konzerte legendärer Bands wie „The Cure“ oder den besagten Metal-Göttern von „Iron Maiden“.
Beide spielen auf jener „Blue Stage“, für die der Lustenauer zuständig ist. Auch die „Red Stage“ befindet sich „in Vorarlberger Hand“ und wird von seinem Kollegen Philipp Ober betreut. Gemeinsam verantworten sie die technische Produktionsleitung der beiden Hauptbühnen. Licht, Ton, Videoübertragung, Stromversorgung, Spezialeffekte, Sicherheitsabläufe und die Kommunikation mit den Produktionen der Bands laufen letztlich bei ihnen zusammen.

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Sänger und Gitarrist Robert James Smith von der Band „The Cure“ während eines Konzertes auf der “Blue Stage” im Rahmen des Nova Rock 2019. APA/OCZERET

Arbeit unter Freunden

„Wir bauen hier jeden Abend Stadion-Shows nach“, schildert Hagen mit sichtlichem Stolz. Die schiere Menge an dafür notwendigem Equipment umfasse bei manchen Headlinern „bis zu zehn Sattelschlepper“. Wer vor der Bühne steht, sieht davon meist nur die fertige Inszenierung. Dahinter verbirgt sich jedoch eine hochkomplexe Infrastruktur. Kabelkilometer, Stromaggregate, LED-Wände, Spezialeffekte, Sicherheitszonen und minutiös getaktete Umbauten müssen ineinandergreifen.

Neben exakten Abläufen spielt persönliche Vertrautheit eine große Rolle. „Bei etablierten Festivals wie dem Nova Rock arbeiten die Teams seit vielen Jahren zusammen und diskutieren laufend, was man besser machen könnte“, berichtet der Kulturmanager. So seien „90 Prozent der Personen, die hier auftauchen, freundschaftlich verbunden“.

ABD0095_20180617 – NICKELSDORF – …STERREICH: SŠnger Bruce Dickinson von der Band “Iron Maiden” wŠhrend eines Konzertes auf der “Blue Stage” im Rahmen des “Nova Rock 2018” Festivals am Sonntag, 17. Juni 2018 im burgenlŠndischen Nickelsdorf. Das Festival findet vom Donnerstag, 14. Juni bis Sonntag 18. Juni 2018 in Nickelsdorf statt. + + + WIR WEISEN […]
APA/OCZERET

Auch was die Musiker betrifft, sei es ein großes Wiedersehen. „Das ist die vierte Show von ‚Iron Maiden‘, die ich organisiere. Es ist eine Freude, sie wiederzusehen. Unser Verhältnis ist sehr kollegial.“

Watt und Wetter

Vor allem die Technik habe sich in den letzten Jahren verändert. Die Bühnenproduktionen wurden audiovisuell immer ausgefeilter. Gleichzeitig sei der Stromverbrauch vieler Anlagen, etwa durch den Einsatz von LED-Lampen, gesunken.

„Was sich nicht ändert, ist die Wettersituation und die Sicherheitsmaßnahmen.“ Trotz aller technischen Innovationen seien Wind, Regen und Gewitter weiterhin die größten Unbekannten eines Open-Air-Festivals. „Da sind wir der Natur gleich ausgesetzt wie schon vor 20 Jahren.“

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Sollten Wind und Wetter zur Gefahr werden, könne man das Publikum mittlerweile via Social Media binnen weniger Minuten erreichen.
Ohne bestmöglich garantierte Sicherheit zerfällt der Spielraum, in dem sich Tausende Besucher ausgelassen feiern können, in einen Albtraum aus panischen Menschenmengen und Matsch.

Generationen treffen sich

Während der Festivalgrund seit den Anfängen derselbe blieb, hat sich die Zusammensetzung der Besucher verändert. „Festivals sind Generationenveranstaltungen geworden“, sagt Hagen. Die Open-Air-Formate seien in Mitteleuropa vor rund 30 Jahren „wie Pilze aus dem Boden geschossen“. „Es liegt in der Natur der Sache, dass frühere Besucher noch immer kommen und sich laufend neue dazugesellen.“ Er beobachtet, wie jüngere Fans Bands entdecken, die bereits ihre Eltern gehört haben, während langjährige Rockfans für neue Gruppen aufgeschlossen bleiben.

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Hagen ist Zeitzeuge dieser Kulturgeschichte. „Vor zwei Tagen habe ich beim Philosophieren festgestellt, dass ich schon drei Jahre meines Lebens auf Festivals verbracht habe“, lacht der Lustenauer leicht verdutzt. Lange bleibt er dennoch nicht bei diesem Gedanken. Schließlich ist Hochbetrieb angesagt. Während das Nova Rock nach diesem Wochenende wieder vorbei ist, geht es für ihn am Montag weiter nach Innsbruck, wo Zucchero am Dienstag in der Olympiahalle spielen wird.