Bundesforste setzen bei Erfassung gefährdeter Vögel auf KI

21.07.2026 • 10:45 Uhr
Bundesforste setzen bei Erfassung gefährdeter Vögel auf KI

Ob Zwergohreule, Wachtelkönig oder Auerhuhn: All diese Tiere gelten als gefährdet oder potenziell gefährdete Arten. In der Natur sind sie zudem nur selten mit freiem Auge zu beobachten. Die Österreichischen Bundesforste (ÖBf) setzen daher beim Monitoring verstärkt auf akustische Erhebungsmethoden mit KI-gestützter Auswertung, wie es am Dienstag in einer Aussendung hieß. Die Lebewesen werden dabei ausschließlich anhand ihrer Rufe erfasst.

Bereits stattgefundene Projekte dazu in den ÖBf-Nationalparkbetrieben Kalkalpen und Donau-Auen mit Nachweisen sehr scheuer oder seltener Vogelarten würden die Möglichkeit der Methode für Monitoringansätze in der Zukunft zeigen. “Unsere Wälder stehen durch den Klimawandel vor großen Herausforderungen. Es ist unsere Jahrhundertaufgabe, die Wälder klimafit zu machen und gleichzeitig wertvolle Lebensräume für Pflanzen und Tiere zu erhalten und zu verbessern”, hieß es von Andreas Gruber, Vorstand für Forstwirtschaft und Naturschutz der ÖBf. Schutzgebiete würden dazu einen unverzichtbaren Beitrag leisten. Die Erfassung ihrer Artenvielfalt schaffe die Grundlage, um diese Landschaft langfristig zu sichern.

Die digitale Technologie soll die klassische Erhebungsmethodik durch Menschen ergänzen. Denn die Anwesenheit von Männern oder Frauen vor Ort könne die Ergebnisse zum Teil auch verfälschen. Manche tierische Vorgänge blieben Menschen auch komplett verborgen.

Schwer zugängliche Orte werden erfasst

Konkret werden für die neue Variante im Freien Audiorekorder installiert. Über mehrere Wochen und bei Bedarf auch über Jahre werden kontinuierlich kurze Tonsequenzen aufgenommen. Dies ermögliche eine standardisierte und störungsfreie Erhebung. Die Methode schafft auch in schwer zugänglichen Lebensräumen eine neue Chance, um das Arten-Vorkommen zu erfassen. Nach Einholen der Rekorder werden die Tierlaut-Aufnahmen laut Aussendung der ÖBf mit Hilfe von KI-Software von anderen Waldgeräuschen unterschieden, von Experten überprüft und schließlich bestimmten Arten zugeordnet.

Besonders beim Auerhuhn seien störungsarme Monitoring-Methoden notwendig: Die Tiere seien scheu und außerhalb der Balzzeit nur schwer nachzuweisen. Zudem reagiere der Vogel während der Balz sehr empfindlich auf Störungen. Aufschluss über das Auerhuhn-Vorkommen haben 20 Audiorekorder gegeben, die im Zuge einer Pilotstudie gemeinsam mit dem Bundesforschungszentrum für Wald im Nationalpark Kalkalpen installiert wurden: Über 200.000 Minuten an Tonaufnahmen konnten mit Hilfe der KI unkomplizierter und schnell ausgewertet werden. An den ausgewählten Standorten konnte so eindeutig das Vorkommen des Tiers festgestellt werden.

Zufälliger Nachweis der bedrohten Zwergohreule

In den Donau-Auen entwickeln laut Mitteilung die Bundesforste die Methode gemeinsam mit der Firma capreolus weiter. Bei einem Dauermonitoring im Schlosspark Eckartsau, welches seit Mai 2024 ohne Unterbrechung läuft, konnten bereits die Laute von deutlich über 100 Vogelarten aufgezeichnet werden. Auch den stark bedrohten Wachtelkönig, “Wiesenknarrer” genannt, versuchen die Experten mit jährlichen ein- bis zweimonatigen Monitorings in den Donau-Auen nachzuweisen. Auf einer ÖBf-Wiesenfläche konnte der Wachtelkönig schließlich entdeckt werden. Dass dabei auch rein zufällig der Nachweis der extrem seltenen und hierzulande vom Aussterben bedrohten Zwergohreule gelang, gelte als Sensation.

Die gesammelten Daten seien zentral für die Ableitung von Schutzmaßnahmen wie etwa der Mahd-Aufschub bei Brutflächen oder das Setzen von Besucherlenkungsmaßnahmen. Die akustische Monitoringmethode soll auch über die Vogelwelt hinaus in Umsetzung gehen und etwa mehr Einblicke in die Welt der Amphibien und Fledermäuse geben.