Bunte “Hello, Dolly!”-Premiere in Langenlois

Nach 30 Operettensommern setzen die Festspiele Langenlois erstmals auf Musical – und landen mit “Hello, Dolly!” einen veritablen Bühnenerfolg. Bei der Premiere am Donnerstagabend vor Schloss Haindorf ließen Regie und Choreografie von Florian Hurler keinen Wunsch offen: eine bunte, schwungvolle, professionelle Produktion bringt eine Prise Broadway ins Kamptal.
Das legendäre Musical rund um die umtriebige Heiratsvermittlerin Dolly Gallagher Levi und den mürrischen “Halbmillionär” Horace Vandergelder ist originellerweise tatsächlich mit einem Ehepaar besetzt, wobei Cornelia Horak für die ursprünglich vorgesehene Verena Scheitz – sie musste aus gesundheitlichen Gründen absagen – eingesprungen ist. An der Seite des kurios ausstaffierten und komödiantisch aufspielenden Intendanten Christoph Wagner-Trenkwitz gibt sie eine vitale Dolly, die schon mit dem Fahrrad hereinkommt, das Geschehen munter aufmischt und stets quirlig im Zentrum steht. Dass sie in der Rolle schon am Münchner Gärtnerplatztheater reüssiert hat, ist sicher kein Nachteil.
Die eigens für Langenlois von Josef E. Köpplinger und Wagner-Trenkwitz erstellte Fassung kommt im ansehnlichen Bühnenbild von Hanni Görg und Anna-Maria Grillmaier vor der schön beleuchteten Schlossfassade gut zur Geltung. Dezent farbenfroh passen auch die Kostüme (Anna-Sophie Lienbacher) dazu. Die musikalische Seite ist beim seitlich platzierten Strauss Festival Orchester Wien unter der Leitung von Lorenz C. Aichner und beim Chorus Alea bestens realisiert – bemerkenswert auch insofern, als der Dirigent kaum direkten Blickkontakt zur Bühne hat.
Kompakt wirkendes Ensemble
Neben bewährten Stützen wie Erwin Belakowitsch (als soignierter Rudolph Reisenweber) und Kerstin Grotrian (als nervige Ernestina Money) sind auch neue Mitwirkende zu entdecken wie Paul Valentin Clementi als kecker Cornelius Hackl, die belgische Sopranistin Loes Cools als attraktive Irene Molloy oder Zoé Herscovici als Heulsuse Ermengarde. Insgesamt – nach nur fünf Wochen Probenzeit – ein sehr kompakt wirkendes Ensemble.
Eine turbulente Revue auf beachtlichem Level ist Wagner-Trenkwitz da gelungen, gespickt mit hinterhältigen Lebensweisheiten (“Die Ehe ist ein Bestechungsversuch, um eine Haushälterin glauben zu machen, sie wäre die Hausbesitzerin”) und Anspielungen (Vandergelder: “Ich habe keinen Tanzschein”). Das Publikum reagierte offensichtlich dankbar.
Dennoch sieht Wagner-Trenkwitz keinen kompletten Paradigmenwechsel in Langenlois – und kündigt für 2027 Ralph Benatzkys “Im weißen Rössl” an. Schließlich firmieren die einstigen Schlossfestspiele nun unter “Operette & Musical Langenlois”.
(Von Ewald Baringer/APA)
(S E R V I C E – Langenlois, Schloss Haindorf: Jerry Herman/Michael Stewart, “Hello, Dolly!” Regie: Florian Hurler, musikalische Leitung: Lorenz C. Aichner. U.a. mit Cornelia Horak, Christoph Wagner-Trenkwitz, Erwin Belakowitsch, Paul Valentin Clementi, Jakob Riegler, Loes Cools, Victoria Sedlacek. Weitere Aufführungen bis 8. August. Information und Tickets: )
(Redaktionelle Hinweise – B I L D A V I S O: Fotomaterial unter )