Causa Ruck – Medienberichte über weitere Gesprächsteilnehmer
Die Causa rund um den Präsidenten der Wirtschaftskammer Wien (WKW), Walter Ruck, ist seit Mittwoch um eine Posse reicher. Der TV-Sender Oe24 hat am Vormittag Audiopassagen sowie die angeblichen Namen der Teilnehmer von jenem Gespräch veröffentlicht, das die Affäre ins Rollen gebracht hatte. Der Fernsehsender will zudem wissen, wer das Gespräch aufgezeichnet hat, was der Betroffene gegenüber der APA klar zurückwies. Sein Anwalt prüft nun rechtliche Schritte gegen Oe24.
Laut Oe24 waren neben Ruck selbst noch ein weiterer WKW-Funktionär, der Donaustädter Bezirksvorsteher Ernst Nevrivy (SPÖ) sowie der Präsident des roten Wiener Wirtschaftsverbandes SWV, Marko Fischer, bei dem Gespräch dabei. Weil die drei erstgenannten am Dienstag eine eidesstattliche Erklärung abgegeben hätten, dass sie die Tonbahnaufnahme des Gespräches nicht angefertigt haben, vermutete der Sender zunächst Fischer als Ursprung des Leaks – relativierte die Aussage in einem späteren Online-Artikel aber.
Fischer wies den Vorwurf am Mittwoch gegenüber der APA klar zurück und gab über seinen Anwalt Paul Kessler eine eigene eidesstattliche Erklärung ab. Darin bestätigt er, dass es im November 2025 ein mehrstündiges Gespräch in genannter Runde gegeben habe, das er aber nicht aufgezeichnet habe. Gegenstand des Gesprächs sei die Wirtschaftskammerwahl 2025 gewesen, Nevrivy sei aufgrund dessen guten Gesprächsbasis zu Ruck anwesend gewesen.
Fischer will sich “Ruck-Skandal” nicht umhängen lassen
Er, Fischer, habe keine Einladung oder Aufforderung erhalten, am Dienstag eine eidesstattliche Erklärung abzugeben. “Den Skandal um den Herrn Ruck werde ich mir nicht umhängen lassen”, sagte er zur APA. Im Juli, vor Veröffentlichung der ersten Zitate durch “profil” und “Krone”, sei er von beiden Medien kontaktiert worden. Er habe einige der kolportierten Gesprächspassagen bestätigen können, “andere jedoch nicht”.
Die Veröffentlichung mehrerer Gesprächspassagen durch “profil” und “Krone” hat inzwischen zum ÖVP-Parteiausschluss von Ruck geführt – allerdings steht Ruck nach wie vor an der Spitze der WKW sowie des Wiener ÖVP-Wirtschaftsbundes. Ruck hat laut den Medienberichten neben sexistischen Bemerkungen auch herbe Aussagen über Wirtschaftsminister Wolfgang Hattmannsdorfer (ÖVP) und Industrievertreter getätigt. Zudem soll er erzählt haben, wie er seinem Sohn einen ÖVP-Listenplatz bei der letzten Wienwahl verschafft habe.
“Wir stehen für ein faires und respektvolles Miteinander, das gilt auch für den politischen Diskurs”, reagierte der Landesparteisekretär der SPÖ-Wien, Jörg Neumayer, am Mittwoch auf die jüngsten Berichte. “Wenn sich die erhobenen Vorwürfe erhärten, dann werden wir Konsequenzen ziehen.” Allerdings: Fischers Erklärung war zu dem Zeitpunkt noch nicht bekannt.
Reaktionen von WB, FPÖ und Grünen
Ebenfalls noch vor Fischers Erklärung hatte bereits Rucks Wiener Wirtschaftsbund reagiert und Fischer auf Basis der Oe24-Meldung scharf kritisiert. “Jegliche Gesprächsbasis mit ihm ist zerstört, eine weitere Zusammenarbeit ausgeschlossen”, sagte Wirtschaftsbund Wien-Direktor Florian Kollenz in einer Aussendung.
Auch die Freiheitlichen üben Kritik. “Es geht nicht um eine Person, es geht um ein System der Selbstbedienung und des Machterhalts, das von Systemparteien wie der ÖVP aufgebaut wurde”, sieht FPÖ-Generalsekretär Christian Hafenecker in Rucks Parteiausschluss “Showpolitik” der ÖVP.
Die Wiener Grünen kritisieren die Verstrickung der Wiener SPÖ in der Affäre. “Die Verstrickungen der Wiener Männerbünde nehmen immer absurdere Ausmaße an. Jetzt beginnen sie offenbar schon, sich gegenseitig zum Notar zu schleppen”, so der Wiener Grünen-Chef Peter Kraus. Bürgermeister Michael Ludwig müsse jetzt zeigen, “auf welcher Seite er steht”.